Pestizide in Paprikaschoten Test

Über Pestizide in Paprika wurde viel berichtet. Wir haben nachgeschaut: Ganz pestizidfrei war keine Schote, gesundheitskritisch aber auch nicht.

Pro Jahr verspeist der Bundesbürger im Schnitt fast drei Kilogramm Paprika. Die meisten Paprikaschoten werden importiert, hauptsächlich aus südlichen Gefilden. Denn das Nachtschattengewächs braucht zum Wachsen mehr Wärme, als ihm die Natur hierzulande bietet. Die Früchte kommen im Wesentlichen aus Spanien, aus der Türkei, aus Israel, seltener auch aus niederländischem Unterglasanbau.

Dass Gemüsepaprika im großflächigen Anbau, oft unter Folie, ganz ohne Spritzmittel gegen Wurzelfäule, diverse Fraßfeinde oder Schimmel heranwachsen kann, ist wohl ein schöner Traum. Allerdings darf der Verbraucher erwarten, dass die Belastung so gering wie irgend möglich ist und die vom Gesetzgeber genannten Höchstmengen eingehalten werden. Doch Untersuchungsbe­hör­den entdeckten in der Vergangenheit immer mal wieder zu hohe Pestizidgehalte. Jetzt, so heißt es, würden weniger Spritz­mittel angewendet.

Wir wollten es genau wissen und haben im Februar dieses Jahres in verschiedenen Einkaufsstätten, darunter auch zwei Bioläden (Bio Company und eo Comma), 29 Paprikaproben eingekauft. Die Früchte stammten in 21 Fällen aus Spanien, der Rest aus anderen Mittelmeerländern, aus Israel und auch aus Holland. Das Gemüse gibt es zwar ganzjährig, doch die natürliche Reifezeit, in der man am ehesten mit reifer Freilandware rechnen kann, liegt zwischen Juni und November.

Keine Schote ohne Rückstände

Zur Zeit unseres Einkaufs waren überwiegend die durchaus beliebten, grünen Paprika im Handel. Und so haben wir ausschließlich grüne Paprika untersucht – und zwar auf mehr als 380 Pestizide.

Die schlechte Nachricht: Frei von Pestiziden war keine einzige Schote. Insge­samt haben wir in den Schoten 18 verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen – manchmal solo, meist aber in Kombination. Und drei Proben mussten wir als „stark belastet“ einstufen. Bei ihnen wurde die zugelassene Rückstands-Höchstmenge überschritten. Enttäuschend auch: Ausgerechnet die beiden einzigen Bioprodukte, sie kommen aus Italien, gehören zu den deutlich belasteten.

Die gute Nachricht: Die Rückstandsgehalte fast jeder zweiten Probe waren sehr gering oder gering. Und das als besonders gesundheitskritisch geltende Insektizid Methamidophos, das im vergangenen Jahr häufig zu Beanstandungen vor allem bei türkischen Paprika geführt hatte, fanden wir in keinem einzigen Fall.

Zu bedenken ist auch, dass der Gesetzgeber für etliche Wirkstoffe bei anderen viel verzehrten Gemüsen oft Höchstmengen erlaubt, die wesentlich höher liegen als bei Paprika: So dürfen Tomaten vom Pestizid Methomyl zehnmal mehr enthalten und in Zuchtpilzen sind beim Wachstumsregulator Chlormequat sogar 200-mal höhere Gehalte erlaubt als in Paprikaschoten.

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