Pestizide in Kräutern Test

Wir haben Kräuter geprüft. In Schnitt­lauch fanden wir fast keine Pestizide. Ganz anders bei einer Minze aus Vietnam.

Pestizide in Kräutern Test

Einfrieren. Klappt portions­weise gut in Eiswürfelbehältern mit Wasser. Beim Kochen zu den Speisen geben.

Sie sind wahre Aromabomben. Frische Kräuter würzen viel intensiver als getrock­nete. Sie setzen Speisen das i-Tüpfelchen auf. Genießer wissen das zu schätzen. Der Markt wächst. Die Deutschen kauf­ten 2011 knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr, rund 9 200 Tonnen insgesamt oder zirka 230 Gramm pro Haushalt.

Rück­stände von Pflanzen­schutz­mitteln können die Freude an Petersilie und Co. dämpfen. 2010 bean­standete die Lebens­mittel­über­wachung jede zehnte Kräuter­probe wegen Über­schreitens der zulässigen Rück­stands­höchst­gehalte – vor allem Ware aus Thai­land, Israel und Ägypten. Kein anderes Lebens­mittel war so oft belastet.

Schnitt­lauch fast pestizidfrei

Wir haben jetzt Küchenkräuter auf etwa 500 Pestizide untersucht. Wir wählten Petersilie, Basilikum und Schnitt­lauch – die beliebtesten Kräuter – , aber auch die Aufsteiger Rosmarin, Koriander und Minze. Darunter sind sowohl Kräuter im Topf als auch geschnittene verpackte und tiefgekühlte. Am besten schneidet Schnitt­lauch ab: Er ist fast völlig pestizidfrei. Durchweg ohne Rück­stände ist keine Kräuter­art. Doch nur eine der 47 Proben im Test ist stark belastet. Vier weitere sind deutlich belastet.

Eine Minze ist stark belastet

In der frischen Minze aus Vietnam vom asiatischen Supermarkt Vinh-Loi haben die Tester höhere Rück­stände gefunden als zulässig – und das gleich von zwei Pflanzen­schutz­mitteln. Vom Insektizid Cypermethrin wiesen sie rund das Zweifache des gesetzlichen Höchst­gehalts nach, vom pilz­hemmenden Mittel Carbendazim sogar das 56-Fache. Carbendazim gilt als erbgutver­ändernd. Die viet­namesische Minze war so stark belastet, dass sie gar nicht hätte verkauft werden dürfen.

Ist diese Minze gefähr­lich für die Gesundheit? Nicht, wenn man wie die meisten Menschen Minze in geringen Mengen verzehrt. Ein Erwachsener, der 70 Kilogramm wiegt, könnte nach heutigem Wissen gefahr­los an einem Tag 250 Gramm, also fünf Packungen, dieser Minze essen. Kritisch kann es werden, wenn er am selben Tag noch andere stark belastete Produkte mit den gleichen Pestizidrück­ständen isst.

Petersilie mehr belastet als Basilikum

Die Tester kauf­ten nicht nur in Supermärkten ein, bei Discountern, in Asialäden, Bio- und türkischen Supermärkten, sondern auch in Baumärkten. Aus dem Hellweg-Baumarkt kam die einzige Petersilie, die deutlich belastet war. Es handelte sich um deutsche Petersilie im Topf. Deutlich belastet heißt: Mindestens ein Pestizid schöpfte mehr als die Hälfte des zulässigen Höchst­gehalts aus. Das gilt auch für ein geschnitten angebotenes Basilikum aus Spanien.

Bis auf die beiden Ausreißer sind Basilikum und Petersilie aber unauffäl­lig, egal ob im Topf, geschnitten oder tiefgekühlt. Basilikum schneidet im Test etwas besser ab als Petersilie. Für alle Kräuter gilt: Anders als etwa Zitrusfrüchte haben sie keine Schale, ihr essbarer Anteil ist vor Pestiziden nicht geschützt.

Rosmarin ist zweimal deutlich belastet

Bei Rosmarin sind die Ergeb­nisse durch­wachsen. Zwei sind deutlich mit Kupferrück­ständen belastet. Beide Male handelt es sich um Rosmarin im Topf: von Kauf­land und Pflanzen Kölle. Kupfer kann von Natur aus in höheren Gehalten im Boden vorkommen, aber auch gegen Pilzbefall gespritzt worden sein. Hier weisen die Kupfermengen auf einen gezielten Einsatz hin.

Koriander hält Höchst­gehalte ein

Bei Einfuhr­kontrollen am Frank­furter Flughafen fiel im vergangenen Jahr jede fünfte Probe Koriander aus Thai­land negativ auf. In diesem Jahr scheint sich die Rück­stands­situation zu bessern. Auch bei uns halten die vier Proben Koriander im Test, drei aus Thai­land und eine aus Israel, die Höchst­gehalte ein. Im Thai-Veggi-Koriander aus einem asiatischen Supermarkt fanden die Tester aber gleich vier Pestizide.

Bis zu sieben Pestizide in einem Kraut

Bei insgesamt 17 Kräutern wiesen die Tester Mehr­fachrück­stände nach, bis zu sieben Pestizide in einer Probe – meist in geringen Mengen. Pflanzen­schutz­experten halten es für sinn­voll, verschiedene Pestizide gegen Pilze, Krankheiten, Unkraut oder Blatt­läuse in geringen Mengen zu spritzen. Das ist gezielter als ein Mittel massiv mit Breitband­wirkung einzusetzen und beugt auch der Bildung von Resistenzen vor. Die Auswirkungen von Mehr­fachrück­ständen auf die Gesundheit des Menschen sind jedoch umstritten. Bis heute ist unklar, wie Mehr­fachrück­stände im Körper wirken.

Auch Biokräuter sind gering belastet

Im Bioland­bau sind chemisch-synthetische Pestizide tabu. Tatsäch­lich sind die Biokräuter im Test weniger belastet als die konventionellen. Völlig rück­stands­frei sind aber auch sie nicht alle. Jedem zweiten Biokraut attestieren die Tester „keine“ Pestizidbelastung, bei den herkömm­lichen nicht einmal jedem fünften. Die sehr geringen und geringen Rück­stands­mengen in den restlichen Biokräutern bedeuten nicht unbe­dingt, dass da unerlaubt gespritzt wurde. Sie können zum Beispiel durch Kontakt mit behandelten Erzeug­nissen auf die Biokräuter gekommen sein oder über die Luft. Das kann auch die geringe Belastung einiger konventioneller Kräuter erklären.

Für Bio- und herkömm­liche Produkte gelten dieselben EU-Rück­stands­höchst­gehalte. Der Bundes­verband Natur­kost Naturwaren (BNN) hat zusätzlich für Biowaren zur Orientierung einen nied­rigeren Wert fest­gelegt: 0,01 Milligramm je Kilogramm. Bei Über­schreiten muss der Erzeuger prüfen, woher die Rück­stände stammen. Im Test halten alle Biokräuter den Pestizid­orientierungs­wert vom BNN ein.

Topf­kräuter meist aus dem Emsland

Die meisten Kräuter im Test kommen aus Deutsch­land. Die Topf­kräuter werden über­wiegend sogar in einer Region, dem Emsland, produziert – für den Markt­führer von Topf­kräutern: die Gartenbauzentrale Papenburg. Das verrät die GGN-Nummer auf der Plastikhülle um die Töpfe. Sie stammt von der Organisation Globalgap, nach deren freiwil­ligen Stan­dards land­wirt­schaftliche Produkte zertifiziert werden. Die beliebtesten Kräuter sind heute ganz­jährig erhältlich. Topf­kräuter werden meist in Gewächs­häusern gezogen, die geschnitten angebotenen Kräuter stammen in der Regel vom Feld. Im Winter werden sie oft importiert. Die Herkunft muss im Lebens­mittel­einzel­handel angegeben sein – bei tiefgekühlter Ware jedoch nicht.

Tipp: Achten Sie vor allem bei geschnittenen Kräutern auf die Herkunft. Muss es wirk­lich Schnitt­lauch aus Südafrika sein? Damit er frisch bei Ihnen landet, wird er einge­flogen. Das schadet dem Klima.

Kräuter als Heil­mittel

Seit der Antike setzen Heil­kundler auf die Inhalts­stoffe von Kräutern: auf die ätherischen Öle, Harze, Vitamine und sekundären Pflanzen­stoffe. In klinischen Studien ist die gesund­heits­fördernde Wirkung von Kräutern dagegen weniger gut untersucht. Das hindert aber nicht daran, sie zu genießen. Kräuter machen viele Speisen erst zu dem, was sie sind, wie Frank­furter Grüne Soße mit traditionell sieben Kräutern. Wer Kräuter reichlich dosiert, braucht oft nur mit wenig Salz abzu­schme­cken. Probieren Sie doch mal unser Tabbouleh-Rezept.

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