Pestizide in Erdbeeren Test

In fast allen importierten Erdbeeren fanden wir Rückstände von Pflanzenschutzmitteln – mal mehr, mal weniger. Die Früchte aus Marokko waren jedoch stets deutlich bis stark belastet.

Mit dem Frühling kommt auch die Lust auf süße, leckere Erdbeeren. Doch solche Gelüste sollte man lieber zügeln, bis die roten Leckerbissen aus heimischen Gefilden im Angebot sind. Das ist besser für den Geschmack und wohl auch fürs Wohlbefinden. Voll ausgereifte deutsche Erdbeeren sind erfahrungsgemäß aromatischer als importierte. Und sie sind vor allem weniger schadstoffbelastet, besonders die aus biologischem Anbau. In deutschen Früchten fanden Lebensmittelchemiker in den letzten Jahren nur sehr selten Pestizidrückstände. Aber regelmäßig in importierten.

Viel Chemie für die Schönheit

Pestizide in Erdbeeren Test

Erdbeeren zu erschwinglichen Preisen, die bei uns schon im Winter Käufer locken, sind weit gereiste Weltenbummler. Sie kommen hauptsächlich aus Spanien, aber auch aus Marokko, Ägypten, Israel, sogar aus Jordanien oder Florida. Damit die Sensibelchen schön wachsen und die weite Reise unbeschadet überstehen, werden schon die kleinen Pflanzen entsprechend gezüchtet, sorgsam gehegt und gepflegt und bekommen jede Menge Pestizide verpasst – zum Beispiel Spritzmittel gegen Blattläuse, Wurzelfäule, Spinnmilben, gegen Raupen, Käfer und natürlich auch gegen Schimmel auf dem Obst. Je länger der Transport dauert, desto größer ist das Risiko, dass die Erdbeere gequetscht wird, Saft austritt und so eine ideale Brutstätte für Schimmelpilze entsteht. Der Chemiecocktail ist nicht nur für die Region, in der das Obst reift, ein Problem. Reste davon verbleiben auch in der Frucht. Wer es trotzdem nicht lassen kann, sollte wenigstens wissen, was er sich zusammen mit den Früchtchen in den Mund steckt.

Marokkanische am meisten belastet

Wir kauften deshalb im Februar in 21 Läden Erdbeeren ein und ließen sie auf Pestizide untersuchen. Nur zwei Proben, La Lepera aus Spanien und Ragab Farms aus Ägypten, waren pestizidfrei. In allen anderen wurden insgesamt 16 verschiedene Pflanzenschutzmittel nachgewiesen, hauptsächlich Mittel gegen Pilzbefall. Etliche Proben enthielten sogar bis zu vier verschiedene Substanzen.

Das klingt dramatischer, als es vor dem Gesetz ist. Die Messwerte lagen vielfach sehr deutlich unter den zulässigen Höchstmengen. Mit anderen Worten: Das meiste Obst ist – wenn überhaupt – nur minimal belastet. Aber: Sieben Proben waren „deutlich belastet“, darunter vier spanische und drei marokkanische. Doch auch sie blieben noch unter den gesetzlichen Grenzen.

Nicht so die vierte Erdbeerprobe aus Marokko. In den Naim-Fresouer-Früchten einer Rewe-Filiale fanden wir 0,05 Milli­gramm Hexaconazol pro Kilogramm Erdbeeren – fünfmal mehr als zulässig. Für dieses auch bei uns gängige Antipilzmittel, eine Organostickstoffverbindung, gilt zurzeit noch ein Höchstwert von nur 0,01 Milli­gramm pro Kilogramm. Die NaimFresouer-Früchte hätten al­so bei uns gar nicht verkauft werden dürfen.

Das Spritzen mit Pflan­­zenschutzmitteln ist im Obst- und Gemüsean­bau gängige Praxis. Der Bauer darf aber nur zugelassene Chemikalien einsetzen und auch das nur genau nach Vorschrift. Was davon in der Frucht zurückbleibt, kann womöglich schädlich sein.

Je weniger, desto gesünder

Deshalb hat der Gesetzgeber Höchstmengen für die Rückstandsbelastung vorgeschrieben. Sie sagen aber nichts dar­über aus, wie gefährlich ein Stoff tatsächlich ist. Niemand weiß wirklich, ob und wie viel von welcher Chemikalie Schaden anrichtet, ob sich Belastungen mehrerer Wirkstoffe potenzieren, ob es Wechselwirkungen gibt oder ob das heute Harmlose nach Jahren krank macht. Für den vorsorgenden Gesundheitsschutz gilt des­halb: Je weniger, desto gesünder. Höchstmengen in Deutschland sind eine Sache. Eine andere ist der freie Warenverkehr innerhalb Europas. Was bei uns untersagt, in anderen Ländern aber erlaubt ist, darf nach EU-Recht hier trotzdem verkauft werden. Eine Allgemeinverfü­gung der Bundesregierung machts möglich. So dürfen ausländische Erdbeeren 30-mal stärker mit Tetradifon und 100-mal stärker mit Dicloran (beides Schimmelverhü­tungs­mittel) belastet sein als einheimische. Wir fanden allerdings nur einmal Dicloran, und das auch nur mit 0,01 Milligramm pro Kilogramm. Europaweit zulässig sind 10 Milligramm.

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