Kontra Persönlichkeitstraining: Falsches Selbstvertrauen ist riskant

Persönlichkeitstraining Meldung

Bärbel Schwertfeger, Diplom-Psychologin

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und Autorin. Sie hat unter anderem die Bücher „Der Griff nach der Psyche – Was umstrittene Persönlichkeitstrainer in Unternehmen anrichten“ und „Die Bluff-Gesellschaft“ geschrieben.

Ihre Botschaft ist so simpel wie abstrus: Jeder kann erfolgreich sein, Karriere machen und Millionär werden – er muss nur daran glauben. Jahrelang schürten Motivationstrainer wie Jürgen Höller oder Bodo Schäfer den kollektiven Größenwahn. Inzwischen legte Schäfer („In sieben Jahren zum Millionär“) selbst eine dubiose Pleite hin und Höller, laut Eigenwerbung „erfolgreichster Motivationstrainer Deutschlands“, landete 2002 wegen Verdachts auf Untreue sogar hinter Gittern.

Dass sich dennoch Tausende von ihren Versprechen ködern ließen, zeigt, wie groß der Wunsch nach Wundern ist. Das machen sich auch Anbieter von Weiterbildungskursen zunutze. Wer ihre Broschüren liest, muss häufig auch an Wunder glauben. Da soll man in zwei Tagen lernen, wie man Konflikte konstruktiv löst, die Zeit effektiv managt, selbstbewusst auftritt. Schön wärs. Doch aus einem Chaoten wird so schnell kein disziplinierter Arbeiter, aus einem schüchternen Menschen kein begnadeter Redner. Und so wichtig Körpersprache auch ist, bloßes Antrainieren bestimmter Gesten wirkt lächerlich. Die Inszenierung übergroßen Selbstvertrauens kann einen Bewerber sogar um den gewünschten Job bringen. Denn Selbstdarstellung, die nicht zur Persönlichkeit passt, verfehlt in aller Regel die Wirkung. Workshops bewirken eben doch keine Wunder.

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