Zwischen 134 und 170 Euro Rente bieten die Pensions­kassen im Test garan­tiert. Einzel­tarife bringen weniger und lohnen sich nicht.

Pensions­kassen Test

Was eine betriebliche Alters­vorsorge kostet und was sie bringt – Steffen Spengler berät Azubis im Auftrag der Tarif­partner in der Bauwirt­schaft.

Es gibt sie für Zimmerer und Zahn­arzt­helfe­rinnen, Betonbauer und Bank­angestellte, für Steuer­gehilfen und Straßenbauer, für Versicherungs­kauffrauen und Verkäufer im Einzel­handel: Eine Pensions­kasse ist für Arbeitnehmer aus allen Branchen ein Weg zu einer zusätzlichen Alters­rente über den Betrieb.

Wir haben die Angebote verglichen und viele Unterschiede fest­gestellt: Dies gilt sowohl für die Geldzahlung – Rente oder Kapital­abfindung – als auch für Leistungen im Todes­fall, bei Berufs­unfähigkeit oder Erwerbs­minderung.

Pensions­kassen sind Versicherer, die nur zur betrieblichen Alters­vorsorge da sind. Sie bieten eine lebens­lange Alters­rente und geben dem Ruhe­ständler fast immer auch die Möglich­keit, sich sein Erspartes auf einen Schlag auszahlen zu lassen.

Die Pensions­kasse für die Deutsche Wirt­schaft bietet unserem Modell­kunden eine Renten­zusage von 169 Euro in Monat. Dies ist die zweit­höchste Renten­zusage von allen getesteten Pensions­kassen.

Mit 170 Euro bietet die Soka-Bau zwar noch einen Euro mehr. Doch ihr Tarif steht nur den Beschäftigten der Baubranche offen. Schluss­licht im Test ist die Signal Iduna Pensions­kasse mit einer garan­tierten Rente von 134 Euro. In allen Fällen steckt unser 40-jähriger Modell­kunde bis zur Rente 27 Jahre lang jähr­lich 1 200 Euro aus seinem Brutto­gehalt in seine betriebliche Alters­vorsorge.

Die Pensions­kasse für die Deutsche Wirt­schaft und die Soka-Bau gehören zu den traditionellen Pensions­kassen, die schon vor Jahr­zehnten gegründet worden sind. Viele bieten nur einem einzigen oder einigen Unternehmen eine betriebliche Alters­vorsorge an. Wir haben uns auf die Pensions­kassen konzentriert, die mindestens für alle Unternehmen einer Branche oder sogar branchen­über­greifend für alle Arbeitnehmer offen sind.

Rechts­anspruch auf Betriebs­rente

Pensions­kassen Test

Daniel Wenninghoff ist im Dort­munder Ausbildungs­zentrum Bau der einzige Straßenbau-Azubi seines Jahr­gangs mit einer betrieblichen Alters­vorsorge.

Im Jahr 2002 bekam jeder Arbeitnehmer den Rechts­anspruch, eine Betriebs­rente mit eigenem Geld anzu­sparen. Seither drängen auch Lebens­versicherungs­gesell­schaften mit eigenen Pensions­kassen in den Markt.

Die Lebens­versicherer kalkulieren ihre Renten­garan­tien derzeit mit einem Rechnungs­zins von 1,75 Prozent. Dies ist auch der vom Bundes­finanz­ministerium fest­gelegte maximale Garan­tiezins für eine private Renten- oder Kapital­lebens­versicherung ohne Fonds­investment.

Die traditionellen Pensions­kassen dürfen mit einem höheren Rechnungs­zins kalkulieren. Außerdem arbeiten sie meist kostengüns­tiger als die privaten Lebens­versicherer, ohne provisions­getriebenen Vertrieb. Sie geben fast ihren gesamten Gewinn an die Versicherten weiter, denn sie müssen im Gegen­satz zu den Pensions­kassen privater Lebens­versicherer keine Aktionäre befriedigen.

Ihre Angebote sind von vorn­herein für eine große Gruppe kalkuliert, im Regelfall für eine ganze Branche oder für einen breiten Beschäftigten­kreis, beispiels­weise für Kirchen­mit­arbeiter. Das Angebot ist immer gleich – egal wie viele Mitarbeiter im Betrieb sich dafür entscheiden.

Für die Pensions­kassen der privaten Lebens­versicherer gilt dies nicht. Ihre Angebote lohnen sich nicht als Einzel­tarif.

Wir haben ihre garan­tierten Renten für jeweils zehn Arbeitnehmer im Betrieb dargestellt: Im Vergleich zum Einzel­angebot ist die Rente je nach Anbieter hier bis zu 8,5 Prozent höher. Dies zeigt: Gruppen­rabatte können die betriebliche Alters­vorsorge effizienter machen. Das ist auch ein Vorteil im Vergleich zur privaten Alters­vorsorge. Dort gibt es keinen Gruppen­rabatt.

Ohne das Rentenplus für die Zehnergruppe zahlen Sparkassen Pensions­kasse, Alte Leipziger Pensions­kasse und Pro bAV in unserem Modell nur eine garan­tierte Rente in Höhe von 130 Euro für einen einzelnen Arbeitnehmer.

Bei der Allianz Pensions­kasse sind es gerade mal 133 Euro. Sie wollte uns ihr Angebot nicht offenlegen, doch wir haben uns den Tarif mit einer Test­person anonym besorgt.

Der Arbeit­geber muss ran

Pensions­kassen Test

Bernd Clausen macht eine Ausbildung zum Zimmerer. Eine eigene betriebliche Alters­vorsorge hat er noch nicht. Doch er will sich jetzt darum kümmern, denn dafür gibt es Geld von der Firma.

Ein Gruppen­angebot ist oft verhand­lungs­abhängig. Der Arbeit­geber muss sich ins Zeug legen, um einen Rabatt für mehrere Mitarbeiter auszuhandeln. Doch auch Rabatte lassen die Renten nicht unbe­dingt in den Himmel schießen.

So bietet das Versorgungs­werk Metall­rente unserem Modell­kunden eine garan­tierte Monats­rente von 142 Euro. Diese Pensions­kasse hat rund 220 000 Versicherte. Ihr Angebot wird von einem Versicherer-Konsortium aus Allianz, R+V, Swiss Life und Ergo getragen. Bei zwei von diesen Versicherern – Ergo und Swiss Life – bekommen Kunden außer­halb der Metall­rente mehr. Sie bieten unserem Modell­kunden mit ihren eigenen Pensions­kassen in einem Zehner­gruppen­angebot eine höhere garan­tierte Rente als dem Kunden, der jetzt beim Pensions­kassenriesen Metall­rente abschließt.

Die Metall­renten-Spitze sollte noch einmal mit den Versicherern reden: Da ist noch mehr für die Metaller drin.

Hoff­nung auf mehr

Wenn die Unternehmen die Beiträge der Versicherten erfolg­reich anlegen, kostengünstig arbeiten und weniger Versicherte sterben als kalkuliert, erwirt­schaften sie Über­schüsse. Dies steigert die Rente. Doch Über­schüsse sind ungewiss. Finanztest sagt: Entscheidend für die Auswahl eines guten Angebots ist die garan­tierte Rente.

Wie eine Renten­versicherung ist auch eine Pensions­kasse eine Wette auf ein langes Leben: Wer sehr alt wird, bekommt sehr lange Rente. Bleibt es nur bei der garan­tierten Rente, muss ein Versicherter von der Pensions­kasse für die deutsche Wirt­schaft knapp 16 Jahre Rente beziehen, bis er seine einge­zahlten Beiträge wieder heraus­hat. Dann ist er 83 Jahre alt.

Bei der Signal Iduna dauert es bis zum 87. Geburts­tag. Steigern Über­schüsse die Rente, geht es schneller, bis der Kunde die Beiträge wieder heraus­hat.

Männer sterben im Durch­schnitt früher als Frauen. Sie beziehen somit ihre Rente für eine kürzere Zeit. Daher können Pensions­kassen mit viel mehr Männern als Frauen unter ihren Kunden eine höhere Rente zahlen als Kassen mit hohem Frauen­anteil.

Die Soka-Bau mit der höchsten Renten­zusage in unserem Test ist ein Beispiel dafür. 85 Prozent der Arbeitnehmer in der Bauwirt­schaft sind Männer – und somit auch das Gros der Versicherten.

Die Soka-Bau sagt ihren Kunden viel mehr Rente zu als die Pensions­kasse der Steuerberater. Die unterschiedliche Sterb­lich­keit des Kunden­stamms dürfte ein Grund sein. Wählt der Kunde die Kapital­leistung, ist der Abstand viel geringer.

Alle Anbieter im Test bis auf einen lassen den Versicherten am Ende der Spar­phase die Wahl zwischen Rente und Kapital­leistung. Nur der BVV bietet diese Möglich­keit nicht. Hier gibt es nur eine Rente.

Der Kunde hat die Wahl

Von den für alle Kunden offenen Pensions­kassen bietet die Dresdner Pensions­kasse mit 39 973 Euro die höchste Kapital­leistung für unseren Modell­kunden, gefolgt von der Ergo Pensions­kasse mit 39 730 Euro. Unsere Modell­kunden erzielen damit eine Rendite von gut 1,4 Prozent auf ihre Einzahlungen – ohne Über­schüsse.

Fast alle untersuchten Angebote der traditionellen Pensions­kassen lassen dem Kunden die Wahl, besseren Schutz für die Hinterbliebenen nach dem Tod des Versicherten abzu­schließen, als es unser Modell vorgibt. Und für den Fall, dass der Versicherte nicht mehr arbeiten kann, bieten immerhin drei von acht getesteten traditionellen Pensions­kassen eine Erwerbs­minderungs­rente.

Allerdings schmälern solche Zusatz­leistungen die Alters­rente. So hat die Selbst­hilfe Pensions­kasse eine Erwerbs­minderungs­rente fest in ihr Angebot integriert. Doch mit einer zugesagten Alters­rente von 137 Euro liegt sie am Ende aller traditionellen Pensions­kassen in unserem Test.

Die Soka-Bau hat keine Erwerbs­minderungs­rente im Tarif verankert. Der Versicherte kann sich jedoch dafür entscheiden, wenn er möchte. Das drückt seine Alters­rente spür­bar. Der Grund dafür ist einfach: Die Männer und Frauen auf dem Bau haben ein sehr hohes Risiko, dass sie vorzeitig nicht mehr arbeiten können. 

Unser Test zeigt: Für die Metaller ist bei der garan­tierten Rente noch einiges mehr drin.

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