Betriebs­rente: Für Azubis und Meister

Macht der Chef ein gutes Angebot und gibt Geld hinzu, lohnt sich eine Betriebs­rente. Beteiligt er sich nicht, ist die Riester-Rente besser.

Pensions­kassen Test

Zimmerer-Azubi Nils Halverscheid werkelt an einem Walmdach. Auchan seiner Betriebs­rente baut der 20-Jährige: Monat für Monat muss er 9,20 Euro selbst einzahlen. Dann legt der Chef knapp 31 Euro drauf.

Nils Halverscheid hat gleich im ersten Lehr­jahr einen Vertrag über eine Betriebs­rente abge­schlossen. Jetzt ist der 20-Jährige im dritten Lehr­jahr in der Ausbildung zum Zimmerer und steht kurz vor der Gesellen­prüfung. Im Ausbildungs­zentrum des Baugewerbes in Dort­mund absol­viert er die letzten Vorbereitungen dafür.

„Ein paar Monate nach Beginn der Lehre kam ein Brief von der Soka-Bau mit dem Hinweis auf die betriebliche Alters­vorsorge“, sagt er. „Ich habe dann mit dem Chef gesprochen und einen Betriebs­renten-Vertrag unter­schrieben.“

Die Soka-Bau ist eine gemein­same Einrichtung der Tarif­partner in der Bauwirt­schaft. Sie bietet nicht nur betriebliche Alters­vorsorge an, sondern finanziert auch die Berufs­ausbildung mit und erbringt weitere Sozial­leistungen. In unserem Pensions­kassentest macht sie die höchste Zusage für eine Betriebs­rente (s. Tabelle Traditionelle Pensionskassen).

Alters­vorsorge über den Betrieb hat eine lange Tradition. Pensions­kassen zum Beispiel gibt es seit mehr als hundert Jahren. Ihre Angebote können noch heute eine attraktive Zusatz­vorsorge fürs Alter sein – auch für Junge am Anfang ihres Berufs­lebens. Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Chef Geld dazu­tut und ein gutes Angebot aussucht.

Rente per Tarif­vertrag

Die Vertrags­unter­schrift fiel Halverscheid nicht schwer, weil sein Arbeit­geber den größten Teil des Beitrags beisteuert. Investiert ein Arbeitnehmer in der Bauwirt­schaft mindestens 9,20 Euro im Monat in seine betriebliche Alters­vorsorge, gibt es vom Chef knapp 31 Euro monatlich dazu. So steht es im Tarif­vertrag.

„Den Beitrag kann ich mir leisten“, sagt Halverscheid. Monatlich 1 299 Euro brutto verdient er im dritten Lehr­jahr. Seine Kollegen im Ausbildungs­zentrum verdienen genauso viel. Doch außer Halverscheid hebt nur noch ein Azubi die Hand, als Steffen Spengler eine Gruppe von 23 Lehr­lingen fragt, wer einen Betriebs­renten-Vertrag hat. Spengler ist Arbeitnehmerberater der Soka-Bau. Er informiert über Sozial­leistungen für die Arbeitnehmer und geht in Berufs­schulen und überbetriebliche Ausbildungs­einrichtungen, in Weiterbildungs­ver­anstaltungen und Betriebs­rats­seminare.

„Die Betriebs­rente ist für die Azubis eher ein Rand­thema“, sagt Spengler. Klaus Schendziel­arz, Straßenbaumeister im Dort­munder Ausbildungs­zentrum, pflichtet ihm bei: „Im Moment geht es eher darum, möglichst viel zu verdienen, um sich möglichst viel kaufen zu können.“

Daniel Wenninghoff schaut seinen Meister von der Seite an. Der Straßenbauer ist neben Halverscheid der zweite Lehr­lingin der Gruppe mit einem Betriebs­renten­vertrag.

Allerdings hat sein Arbeit­geber keinen Vertrag bei der Soka-Bau abge­schlossen. „Meinem Chef hat ein Bank­berater einen Vertrag verkauft“, sagt Wenninghoff. Welchen Vertrag der Chef genau für ihn abge­schlossen hat, weiß der Azubi nicht.

Beschäftigte zahlen mehr ein

Bau-Arbeit­geber müssen nicht bei der Soka-Bau einen Vertrag für ihre Mitarbeiter schließen. Sie können das auch woanders tun, müssen aber in jedem Fall den tarif­vertraglich vorgeschriebenen Arbeit­geber­anteil von knapp 31 Euro einzahlen. In anderen Branchen legt ein Tarif­vertrag das Angebot gleich fest. Der durch­schnitt­liche Monats­beitrag eines Versicherten bei der Soka-Bau beträgt 81,60 Euro. Das ist doppelt so viel wie der Tarif­vertrag mindestens vorsieht.

Der Löwen­anteil des zusätzlichen Beitrags kommt von den Beschäftigen. Weniger als 10 Prozent der Baufirmen steuern mehr Geld bei, als sie laut Tarif­vertrag müssen.

Viel Geld aus eigener Tasche

In der gesamten privaten Wirt­schaft zahlen Arbeitnehmer, die über den Betrieb mit eigenem Geld fürs Alter sparen, im Durch­schnitt monatlich 109 Euro aus eigener Tasche ein. Das hat eine Unter­suchung des Forschungs­instituts TNS Infratest im Auftrag der Bundes­regierung ergeben. Der Arbeit­geber legt in vielen Fällen etwas drauf. Eine solche Misch­finanzierung gibt es laut TNS Infratest in 52 Prozent der Betriebe.

Der Staat fördert die Einzahlung aus dem Brutto­gehalt: Bis zu 2 784 Euro jähr­lich bleibt die Entgelt­umwandlung steuer- und sozial­abgabenfrei. Das sind 4 Prozent der Beitrags­bemessungs­grenze in der gesetzlichen Renten­versicherung.

Zusätzlich kann der Arbeitnehmer weitere 1 800 Euro investieren, wenn er nicht bereits vor 2005 einen Vertrag abge­schlossen hat. Dieses Geld ist allerdings nur steuerfrei, Sozial­abgaben werden abge­zogen.

Trotz der Förderung ist die Betriebs­rente nicht immer die beste Wahl. Wenn der Arbeit­geber sich nicht an den Beiträgen beteiligt, sollten Arbeitnehmer zuerst güns­tige Angebote für eine Riester-Rente einholen. Auch sie wird staatlich gefördert. Es gibt Zulagen und Steuer­vorteile.

Sparer müssen in einen Riester-Vertrag 4 Prozent ihres renten­versicherungs­pflichtigen Einkommens einzahlen, um die volle Zulage zu erhalten. Für jeden Sparer gibt es eine Grund­zulage von 154 Euro im Jahr. Für jedes Kind kommen 185 Euro Kinder­zulage hinzu, für ab 2008 geborene Kinder sind es 300 Euro. Und junge Sparer unter 25 Jahren erhalten einen einmaligen Berufs­einsteigerbonus von 200 Euro.

„Riester“ allein ist kein Qualitäts­stempel. Es kommt darauf an, ein gutes Angebot zu wählen. Unsere Tests zeigen Jahr für Jahr: Viele Riester-Angebote sind zu teuer und bringen nicht genug Rente. Eine gute Riester-Rente kann eine gute Betriebs­rente jedoch ausstechen.

Wir haben vor drei Monaten Betriebs­rente und Riester-Rente verglichen. Dabeihaben wir fest­gestellt, dass Sparer bei ihrer Gesamt­versorgung mit einer Riester-Rente besser fahren als mit einer Betriebs­rente (siehe Finanztest 6/2013). Für den Vergleich haben wir die Garan­tieleistung zugrunde gelegt.

Dafür gibt es zwei Gründe: Für Lohn, der in die betriebliche Alters­vorsorge fließt, sind keine Renten­versicherungs­beiträge zu zahlen. Deshalb gibt es weniger gesetzliche Rente. Und im Alter gehen von der Betriebs­rente die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflege­versicherung ab. Auch das schmälert die Gesamt­versorgung.

Einen Riester-Vertrag hat keiner der Azubis, mit denen wir im Dort­munder Ausbildungs­zentrum Bau gesprochen haben. Zimmerer­lehr­ling Bernd Clausen hat auch keine Betriebs­rente. Doch weil der Chef Geld dazu­geben muss, will er nach der Gesellen­prüfung anfangen. „Ich wohne jetzt in einer Wohn­gemeinschaft und zahle nicht mehr so viel Miete“, sagt er. „Dann habe ich etwas übrig für die Alters­vorsorge.“

Baufirmen zahlen laut Tarif knapp 31 Euro im Monat. Nicht einmal jede zehnte steuert mehr bei.

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