Pensionskassen: Hier gehts lang

Pensionskassen Test

Alexandra Förster fertigt Passagiere am Flughafen Berlin-Tegel ab. Die Mitarbeiterin von ­Globeground erhält später eine Betriebsrente.

Wie gut eine Betriebsrente ist, hängt stark vom Tarifvertrag und vom Geschick des Arbeitgebers ab.

Viele Arbeitgeber können für ihre Mitarbeiter nicht jede beliebige Pensionskasse wählen. Denn ein Tarifvertrag macht ihnen Vorgaben. Manche Tarifverträge sind sogar so eng gefasst, dass die Firma die betriebliche Altersvorsorge nur über ein oder zwei bestimmte Pensionskassen organisieren kann.

Andere Tarifverträge schreiben nur Mindestleistungen vor. Dann hat der Arbeitgeber mehr Auswahl. Die Übersicht („Das haben die 30 Pensionskassen...“) zeigt, welche Pensionskasse welche Leistungen im Programm hat. Unternehmer können damit eine gute Vorauswahl treffen.

Kompakttarife enthalten neben einer reinen Altersrente zwingend Zusatzleistungen – zum Beispiel eine Witwen- und Waisenrente oder Invaliditätsschutz. In den Tabellen („Pensionskassen...“) sind diese Tarife in Spalte 4 mit „ja“ gekennzeichnet.

Viele Arbeitnehmer werden über die Hinterbliebenen- oder Invaliditätsleistungen froh sein, selbst wenn sie gelegentlich erst nach einer Wartezeit von bis zu fünf Jahren zugesagt werden.

Doch für andere Mitarbeiter passt der Kompakttarif nicht, weil sie Invaliditätsschutz haben oder als Single keine Hinterbliebenenabsicherung brauchen. Für sie ist das Angebot ungünstig, denn je mehr Zusatzabsicherungen enthalten sind, desto geringer fällt später die Altersrente aus.

Für die meisten Arbeitnehmer ist es besser, wenn die Zusatzleistungen optional sind. Dann können sie diese hinzunehmen oder weglassen. Nur so kann eine kollektive Zusatzversorgung individuell passend gemacht werden.

Bietet eine Pensionskasse mehrere Kompakttarife an, sind auch dort individuelle Lösungen möglich. Der Arbeitgeber muss aber auch zulassen, dass der Arbeitnehmer eine Variante auswählen und später auch wechseln kann.

Vergünstigungen aushandeln

Pensionskassen Test

Luz-Maria Andrade ist bei der Globeground für verschwundenes Gepäck zuständig. Seit 2002 spart sie über ihre Firma eine Zusatzrente im ­Alter bei der Pensionskasse winsecura an. Sie findet das Angebot gut und zahlt sogar mehr ein als viele ihrer Kollegen.

Hat eine Pensionskasse mehrere Tarife oder Tarifausprägungen im Angebot, können sich die Kosten unterscheiden, die sie den Arbeitnehmern dafür aufbrummt, dass sie sich um deren Zusatzvorsorge kümmert. Dieses Phänomen gibt es bei den Aktiengesellschaften unter den Kassen (siehe Tabellen „Pensionskassen...“).

Sind die Kosten eines Tarifs gering, kann ein Sparer einmal eine höhere Rente von dieser Pensionskasse erwarten als bei einem teureren Tarif derselben Kasse. Deshalb sollte sich jeder Arbeitgeber bemühen, Kostenvorteile herauszuschlagen, wenn er einen Versorgungsvertrag für seine Angestellten bei einer solchen Pensionskasse abschließt.

Je größer ein Unternehmen ist, desto wahrscheinlicher können Chefs ordentliche Kostenrabatte für ihre Mitarbeiter einheimsen. Die neu gegründeten Pensionskassen sind bei hohen Beschäftigtenzahlen besonders spendabel. Sie sichern sich eben lieber große Stücke aus dem Kuchen als viele Krümel.

Zum Teil sind solche Vergünstigungen sehr ausgeklügelt. So macht die AMB Generali gleich fünf verschiedene Angebote. Es gibt die Vergünstigungsstufen 0 bis 4. In Stufe 4 ist die garantierte Monatsrente deutlich höher als in Stufe 0. Die Stufe 0 gibt es für einen Einzelvertrag, die Stufe 4 bietet die Pensionskasse Unternehmen mit mindestens 100 Angestellten an.

Welches Angebot ein Arbeitgeber vereinbaren kann, hängt immer an der Zahl seiner Mitarbeiter, die einen Vertrag abschließen. Rabatte dürften aber zusätzlich auch Verhandlungssache sein.

Versorgungskonto im Minus

Viele der neu gegründeten Pensionskassen – sie haben fast immer die Form einer Aktiengesellschaft – zahlen ihren Vermittlern schon aus den ersten Beiträgen eines Arbeitnehmers die volle Abschlussprovision. So bleibt in den ersten Jahren auf dem Konto des Versicherten kaum Kapital zum Sparen.

Nutzen Arbeitgeber ihren Verhandlungsspielraum, sollten sie auch über diese lästigen Abschlusskosten verhandeln. Dabei gilt es, diese Kosten über eine längere Zeit zu strecken, am besten über die gesamte Vertragslaufzeit.

Abschlusskosten sind in der heute unsicheren Arbeitswelt ein echter Pferdefuß der sonst so attraktiven betrieblichen Altersversorgung. Denn wer nach kurzer Zeit den Job wechselt und auf seinem Versorgungskonto wegen der Kosten noch kaum Geld ist, hat ein schlechtes Geschäft gemacht.

Nur für Arbeitnehmer, die in ihrem Unternehmen bleiben und immer weiter einzahlen, ist die Verteilung der Abschlusskosten nicht so entscheidend. Möglicherweise kommt für sie trotz der hohen Kosten am Anfang bei dieser Pensionskasse später sogar eine besonders gute Rente zusammen, weil die Kapitalanlage stimmt.

Bei welchen Tarifen die Abschlusskosten den Sparer anfangs stark belasten, lässt sich in den Tabellen („Pensionskassen...“) in der Spalte „Tarif ohne Zillmerung“ ablesen (Kennzeichnung „ja“). Ein weiter Hinweis ist die Höhe der Rente, die der Kunde bekommt, wenn er nach drei Jahren nicht mehr einzahlt (Spalte „Garantierte Rente nach Beitragsfreistellung ...“). Ist sie gering, ist anfangs kaum Kapital zum Sparen da. Arbeitnehmer sollten nachfragen, wie es um die Abschlusskosten steht. Wer plant, den Betrieb bald zu verlassen oder um seinen Job oder mittelfristig um die Existenz der Firma fürchtet, sollte ein Angebot mit anfangs hohen Abschlusskosten ausschlagen.

Daran ändert sich auch nichts, wenn Arbeitnehmer die Betriebsrenten aus Neuverträgen ab 2005 leichter in ein anderes Unternehmen mitnehmen können. Ist kein Kapital da, weil anfangs alles an den Vermittler ging, kann auch nichts mitgenommen werden.

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