Pensionskassen Test

Viele Mitarbeiter des ­Berliner Unternehmens Globeground zahlen in eine Pensionskasse ein und nutzen die staatliche Förderung. Die Firma sorgt an den Flughäfen für Gepäckverladung und Abfertigung.

Pensionskassen boomen, seit Arbeitnehmer das Recht haben, mit eigenem Geld eine ­staatlich geförderte Betriebsrente aufzubauen. Finanztest hat 119 Angebote von 30 Pensionskassen untersucht.

Pensionskassen bieten betriebliche Altersversorgung an – nichts anderes. Seit Betriebsrenten wieder in Mode sind, läuft ihr Neugeschäft auf Hochtouren. Von dem Geld, das bundesweit in betriebliche Altersversorgung investiert ist, lag im Jahr 2002 gerade mal ein Anteil von 11 Prozent in Pensionskassen. 2003 waren es schon 18 Prozent.

Lange hatte es wenig Bewegung in dieser Branche gegeben. Doch als jeder Arbeitnehmer 2002 das Recht auf eine Betriebsrente bekam, änderte sich das schlagartig. Rund 20 Pensionskassen wurden neu gegründet. Mittlerweile gibt es in Deutschland etwa 180.

Allerdings steht nur knapp ein Sechstel von ihnen allen Firmen und ihren Mitarbeitern offen. Oft sind die Kassen an ein Großun­ternehmen gebunden. Andere sind einzelnen Branchen, beispielsweise Handel oder Bankgewerbe, vorbehalten. Einige sind nur regional tätig. Doch der Marktanteil der offenen Pensionskassen nimmt stetig zu. Der Boom findet hier statt.

Das meiste Geld, das jetzt neu in Betriebsrenten fließt, stammt von den Arbeitnehmern selbst. Sie tun etwas für ihre Rente und sparen gleichzeitig Steuern. Das lohnt sich (siehe „Die staatliche Förderung überzeugt“). Die Firmen geben sich dagegen zurzeit eher knauserig. Egal, wer die Betriebsrente finanziert – der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber oder beide –, der Arbeitgeber darf allein entscheiden, ob in seinem Unternehmen eine Pensionskasse zum Zuge kommt.

119 Angebote untersucht

Pensionskassen Test

Mario Ott ist Personalleiter bei der ­Globeground in Berlin. Er hat 2002 für 1 400 Mitarbeiter eine Zusatzrente über die winsecura Pensionskasse ausgehandelt. Nach anfänglicher Überzeugungsarbeit ­seien heute alle froh, meint er.­ Die Angestellten zahlen selbst, Globeground steuert etwas bei.

Finanztest hat 119 Angebote von 30 Pensionskassen untersucht (siehe Tabellen „Pensionskassen...“). Von diesen Pensionskassen sind 23 offen für alle Firmen und 7 sind auf Branchen oder regional beschränkt. Die Untersuchung gibt einen Überblick über ihre Leistungen.

Die Arbeitnehmer haben hier kein Recht zur Mitbestimmung. Doch oft sind sie dennoch an der Auswahl eines Anbieters beteiligt, zum Beispiel über den Betriebsrat. Deshalb ist es auch für sie wichtig, sich ein Bild von den Angeboten zu machen.

Und selbst wenn sie nicht mitreden dürfen: Sie müssen sich auf jeden Fall entscheiden, ob sie Geld in eine solche Vorsorge investieren wollen oder nicht.

Eine Altersrente zahlen alle

Die Pensionskassen bieten für dasselbe Geld unterschiedliche Leistungen. Eines ist allen Angeboten aber gemeinsam: Der Versicherte bekommt im Alter von ihnen Monat für Monat eine Rente ausgezahlt, die meistens mit 65 Jahren beginnt. Oft ist zumindest teilweise auch eine Einmalzahlung möglich.

Die Altersrente besteht immer aus einem garantierten und einem nicht garantierten Teil. Wie hoch der nicht garantierte Teil ist, erfährt der Kunde letztlich erst sicher bei der Auszahlung.

In den Tabellen („Pensionskassen...“) nennen wir neben den garantierten Renten für unsere Modellvorgaben auch noch unverbindliche Hochrechnungen. So viel Rente könnte nach Angaben der Pensionskassen herauskommen, wenn zum garantierten Teil noch Überschüsse dazukommen. Doch die Überschüsse hängen sehr vom Management der Kapitalanlagen ab. Eine sichere Aussage ist unmöglich. Mehrmals war für uns zudem nicht nachvollziehbar, wie eine Kasse mit zurzeit niedrigen Überschüssen die hochgerechnete Rente erreichen will.

Auf diese Rechnungen sollten sich Kunden nicht verlassen. Das wichtigere Kriterium ist die garantierte Rente.

Altersrente und mehr

Eine Betriebsrente ist erst einmal allein für den Versicherten gedacht. Mit seinem Tod endet die Rentenzahlung. Stirbt er noch vor Beginn der Rente, wäre sein Geld sogar komplett verloren.

Das gefällt vielen Arbeitnehmern nicht, vor allem denen nicht, die eine Familie zu versorgen haben. Viele Pensionskassen bieten deshalb Tarife an, mit denen versorgungsberechtigte Hinterbliebene zumindest etwas Geld zurückbekommen, wenn der Kunde früh stirbt. Dafür sorgt zum Beispiel eine Rentengarantiezeit von 5, 10 oder 15 Jahren im Tarif. Das Unternehmen zahlt die Rente dann mindestens über diese Zeit hinweg aus, auch wenn der Versicherte vorher stirbt.

Stirbt der Versicherte vor Rentenbeginn, ist oft eine Beitragsrückgewähr vereinbart: Hinterbliebene bekommen dann die eingezahlten Beiträge zurück.

Zwei Varianten

In den Tabellen („Pensionskassen...“) unterscheiden wir zwei Varianten von Angeboten: solche mit einer Beitragsrückgewähr und einer Rentengarantie von fünf Jahren und solche ohne alles.

Der Musterkunde, den wir für die angegebenen Renten zugrunde gelegt haben, ist aber in allen Fällen gleich: Unser Arbeitnehmer steigt mit 40 Jahren ein und zahlt 25 Jahre lang einmal jährlich 1 020 Euro Beitrag ein.

Durch ihn werden die Angebote vergleichbar. Ein Blick auf die Höhe der Renten zeigt, dass die Zusatzvereinbarungen Geld kosten. Die Tarife ohne Rentengarantiezeit und Beitragsrückgewähr (Variante 1) bieten dem Arbeitnehmer oft eine höhere Altersrente.

Auch andere Zusatzleistungen drücken die Altersrente: In vielen Fällen kann zum Beispiel eine Witwen- oder Waisenrente vereinbart werden. Auch eine kleine Rente für den Fall der Berufsunfähigkeit ist möglich.

Die Kompakttarife in der Tabelle enthalten solche Zusatzleistungen sogar zwingend. Die garantierten Altersrenten sind dann meistens niedriger. Der Kunde kann die Zusatzleistungen nicht abwählen, manchmal allerdings einen anderen Kompakttarif nehmen.

Unterschiedliche Garantiezinsen

Die Pensionskassen machen Angebote mit ganz unterschiedlichen Garantiezinsen, von 2,75 bis zu 3,5, in einem Fall sogar 4 Prozent. Mit diesem Zins wird der Sparanteil des Beitrags verzinst. Vorher zieht die Kasse vom Beitrag Geld für ihre Kosten und für Risikozuschläge ab. Was übrig bleibt, wird verzinst.

Nur rund ein Viertel der Pensionskassen arbeitet mit 2,75 Prozent. Das entspricht dem Garantiezins, der für neue private Lebensversicherungen seit 2004 gesetzlich maximal zugelassen ist. Doch diese Grenze ist für die wenigsten Pensionskassen bindend.

Je höher dieser Zins ist, desto höher ist oft die garantierte Rente, aber nicht immer. Zieht eine Kasse vom Beitrag hohe Kosten ab, kann ein hoher Zins für den Rest das nicht immer ausgleichen.

Viele Pensionskassen haben auch angekündigt, ihren Zins für Neuverträge ab dem Jahr 2005 auf 2,75 Prozent zu senken. Kommt ein Betrieb 2004 nicht mehr zum Abschluss, dann gibt es bei der ausgesuchten Pensionskasse vielleicht schon weniger Garantie.

Zudem kann bei den Pensionskassen, die nicht die Form einer Aktiengesellschaft (AG) haben, sondern die eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit haben (VVaG), die garantierte Rente gekürzt werden, wenn der nötige Zins am Kapitalmarkt nicht erreicht wird. Darüber entscheiden die Mitglieder des Vereins. Das kam schon vor.

Bei hoher Garantie müssen Arbeitgeber vielleicht sogar einmal Geld nachschießen, um laufende Betriebsrenten an gestiegene Lebenshaltungskosten anzupassen. Ob ein solcher Fall eintreten kann, ist juristisch aber nicht abschließend geklärt.

Am besten ist eine Pensionskasse, die trotz niedrigen Garantiezinses hohe garantierte Leistungen bietet. Denn angesichts der Unwägbarkeiten am Kapitalmarkt kann ein hoher Zins sogar eine Last für die tatsächliche Ablaufleistung sein, weil sehr viel Geld für die Abdeckung der Garantie festliegt.

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