Betriebliche Altersvorsorge: Vor der Unterschrift verstehen

Pensionskassen Test

Gut lachen hat Elke Reinisch, Angestellte der Dienstleistungsfirma Globeground am Berliner Flughafen Tegel. Über ihre betriebliche Altersvorsorge fühlt sie sich „rundum gut informiert“ .

Über seine Betriebsrente muss der Arbeitnehmer vor Abschluss seines Vertrags Bescheid wissen. Informiert der Arbeitgeber falsch, drohen ihm Forderungen nach Schadenersatz.

Noch immer wissen viele Beschäftigte so wenig über die Betriebsrente, dass sie erst gar keine abschließen. In drei Viertel aller deutschen Unternehmen ohne betriebliche Altersversorgung haben die Arbeitnehmer gar kein Interesse daran. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Bundessozialministeriums. Eine Betriebsrente wird deshalb in diesen Firmen erst gar nicht angeboten.

„Die Mitarbeiter in den Betrieben sind nicht ausreichend informiert“, bedauert Jörg Resech vom Branchenversorgungswerk Metallrente. Das ist traurig – aber selbst verschuldet, wenn Arbeitnehmer sich nicht selbst um Informationen bemühen.

Unverantwortlich ist es jedoch, wenn sich Arbeitnehmer bereits für eine Altersvorsorge über den Betrieb entschieden haben und Arbeitgeber oder Versicherungsunternehmen ihnen dann noch Informationen vorenthalten oder zu spät geben.

Blackbox Betriebsrente

Einige Arbeitnehmer wissen kaum etwas über die Leistungen ihrer betrieblichen Altersversorgung, auch wenn sie die Vereinbarung zum Entgeltverzicht für eine Betriebsrente längst unterschrieben haben. Denn den Versicherungsschein, in dem die Vertragsleistungen festgeschrieben sind, schickt der Anbieter erst viel später.

Manchmal bekommt der Arbeitnehmer diesen Schein noch nicht einmal direkt vom Anbieter zugeschickt, sondern nur als Kopie vom Arbeitgeber. Er erfährt also nur auf Umwegen, welche Ansprüche er aus seiner betrieblichen Altersvorsorge hat.

Besser ist stets, wenn der Arbeitnehmer bereits vor der Unterschrift die Verbraucherinformation mit allen Angaben zu den Leistungen des Vertrags bekommt. Auf jeden Fall sollte er die Höhe der garantierten Rente kennen. Hat er zusätzlich Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenschutz versichert, muss er auch wissen, wie viel der Versicherer für die Hinterbliebenen oder bei Berufsunfähigkeit garantiert zahlen würde.

Das ist auch im Sinne des Arbeitgebers. Er beugt so Schadenersatzforderungen vor. Die könnte der Arbeitnehmer stellen, wenn er mit den Leistungen seiner betrieblichen Altersvorsorge unzufrieden ist und vorher nicht darüber informiert wurde.

Dies gilt für alle Formen der arbeitnehmerfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge, also auch für die Pensionskasse. Wenn der Arbeitgeber oder die Pensionskasse vor dem Abschluss unvollständig oder falsch informiert, kann der Arbeitnehmer Schadenersatz verlangen.

So haftet der Arbeitgeber laut Bundesarbeitsgericht, wenn er dem Mitarbeiter falsche Modellrechnungen über seine Leistungsansprüche vorlegt (Az. 3 AZR 13/00). Genauso haftet der Anbieter des Vorsorgeprodukts, wenn er selbst falsche Beispielrechnungen vorlegt. Er haftet später auch für falsche Standmitteilungen – das sind die Jahresmitteilungen über die erreichten Leistungen.

Transparente Pensionskassen

In unserem großen Test von Pensionskassen haben wir abgefragt, wie gut die Anbieter die Arbeitnehmer informieren. Das Ergebnis war erfreulich: Für 79 der 119 Pensionskassentarife in der ­Finanztest-Untersuchung bekommen die Arbeitnehmer sowohl eine Verbraucherinformation als auch die Versicherungsbedingungen und den Versicherungsschein ausgehändigt (siehe rechte Spalten der Tabellen „Pensionskassen...“).

Für 39 Tarife bekommt der Arbeitnehmer immerhin eine oder zwei der drei genannten Versicherungsunterlagen. Nur die BHW Pensionskasse gibt dem Arbeitnehmer keine der drei Vertragsinformationen. Die muss er sich dann beim Arbeitgeber besorgen.

Leistungen im Alter

Bevor er sich für eine Betriebsrente entscheidet, sollte der Arbeitnehmer Beispielrechnungen erhalten, aus denen hervorgeht, wie hoch die Betriebsrente garantiert sein wird und wie viel Rente er hochgerechnet auf Basis der aktuellen Überschusserträge erwarten kann.

Optimal sind die Informationen für den Arbeitnehmer, wenn er danach einmal im Jahr einen Kontoauszug bekommt, aus dem seine kompletten Rentenanwartschaften hervorgehen. Wenn er einen Vertrag mit Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenschutz hat, sollte der Kontoauszug auch über die Ansprüche aus diesen Versicherungen informieren. Ein guter Anbieter informiert die Arbeitnehmer einmal jährlich über die Höhe der erworbenen Rentenanwartschaft. Verpflichtet sind Pensionskassen dazu aber nicht.

Anders ist es bei Pensionsfonds, einer anderen Variante der betrieblichen Altersvorsorge. Hier muss der Anbieter laut Versicherungsaufsichtsgesetz die Arbeitnehmer jährlich über die voraussichtliche Höhe der ihnen zustehenden Leistungen informieren.

Bei der Direktversicherung, einer weiteren Variante, muss der Versicherer nur den Arbeitgeber regelmäßig über den Stand der Überschussbeteiligung informieren. Für einen guten Anbieter gehört es jedoch zum Standard, auch die Arbeitnehmer über die Leistung zu informieren, gleich welche Form der Betriebsrente in der Firma angeboten wird. Denn nur so können sie planen und entscheiden, wie viel sie zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen müssen.

Bekommt der Arbeitnehmer direkt vom Anbieter keine Auskunft über den Stand voraussichtlicher Leistungen, kann er diese Informationen über den Arbeitgeber bekommen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer Auskunft zu geben.

Elke Reinisch, als Sekretärin beim Flughafendienstleistungsunternehmen Globeground in Berlin, bekommt von ihrer Pensionskasse regelmäßig einen Nachweis über die zu erwartenden Leistungen. Die 42-Jährige hat auch alle notwendigen Informationen über die Pensionskasse erhalten, bevor sie sich für eine Betriebsrente entschieden hat. „Ich fühle mich rundum gut informiert“, sagt sie zufrieden.

Betriebsrat beteiligen

Wenn die Beschäftigten für ihre Altersvorsorge auf einen Teil ihres Lohns verzichten, möchten sie natürlich, dass ihre Firma dieses Geld möglichst sicher und zugleich rentabel anlegt. Der Chef sollte sie deshalb über den Betriebsrat oder im direkten Gespräch an der Auswahl des besten Angebots beteiligen.

So verhindert er Enttäuschungen. Sonst stellen womöglich Mitarbeiter, die eine Vereinbarung zum Entgeltverzicht längst unterschrieben haben, irgendwann fest, dass ihre Altersvorsorge weniger taugt, als sie dachten.

Zwar entscheidet der Arbeitgeber letztlich allein, welches Vorsorgeangebot er den Beschäftigten macht. Er muss den Betriebsrat aber schon während der Planung einer betrieblichen Altersvorsorge darüber informieren. Laut einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts reicht es nicht, den Betriebsrat erst zu informieren, wenn die Firma den Vertrag mit dem Anbieter des Vorsorgeprodukts bereits abgeschlossen hat (Az. 3 ABR 13/74).

Und noch einen weiteren Vorteil hat die frühe Beteiligung der Beschäftigten: Wenn in der Firma ausführlich über die Betriebsrente diskutiert wird, steigt die Chance, dass sich viele von den Vorteilen überzeugen lassen. Sie werden dann eher einen Teil ihres Lohns in diese Altersvorsorge investieren.

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