Pensions­kassen Meldung

Beschäftige der Caritas sorgen sich um ihre Betriebs­rente.

Weil sie in wirt­schaftlichen Schwierig­keiten stecken, nehmen drei Pensions­kassen keine neuen Kunden mehr. Zweien davon hat die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) das Neugeschäft untersagt: Kölner Pensions­kasse und Pensions­kasse der Caritas. Sie senken zudem ihre Leistungen für Versicherte und Rentner. Bei der dritten Pensions­kasse, der Deutschen Steuerberater-Versicherung, ist die wirt­schaftliche Lage ebenfalls so angespannt, dass sie von sich aus keine neuen Kunden mehr nimmt und ebenfalls ihre Leistungen kürzt.

Kölner Pensions­kasse wehrt sich gegen Bafin-Entscheid

Die Bafin hat der Kölner Pensions­kasse verboten, Neukunden aufzunehmen. Sie hat dagegen Wider­spruch erhoben, sodass das Verbot noch nicht in Kraft ist, nimmt derzeit aber keine neuen Kunden auf.

Versicherte und Betriebs­rentner in Sorge

Die insgesamt gut 48 000 Anwärter auf eine betriebliche Alters­vorsorge und die mehr als 15 000 Rentner der drei Pensions­kassen sorgen sich um ihre Betriebs­renten, wie auch Zuschriften von Finanztest-Lesern zeigen.

Rentenkür­zungen bei den drei Pensions­kassen

Die Pensions­kasse der Caritas und die Kölner Pensions­kasse senken ihre Leistungen drastisch. Betroffen sind sowohl Arbeitnehmer als auch Rentner – insgesamt 56 000 Menschen. Beide Kassen nehmen zudem keine Neukunden mehr auf. Die Leistungs­kürzungen umfassen insgesamt 122,8 Millionen Euro bei der Caritas-Pensions­kasse und 48,3 Millionen Euro bei der Kölner Pensions­kasse. Die Deutsche Steuerberater-Versicherung muss ebenfalls ihre Leistungen für die rund 8 000 Versicherte und Rentner kürzen. Grund ist ein Fehl­betrag von 158 Millionen Euro in der Bilanz.

Fehler bei der Kalkulation der Tarife

Bei der Kölner Pensions­kasse sind die Kürzungen „erforderlich, da der Finanzbedarf der Kasse durch die vorhandenen Eigen­mittel sowie Bewertungs­reserven nicht gedeckt werden kann“, wie es in einem Gutachten des verantwort­lichen Versicherungs­mathematikers heißt. Das Gutachten, das Finanztest vorliegt, listet gravierende Fehler der Kasse bei der ­Tarifkalkulation auf. So wurde bei einem Teil des Bestands für die Hinterbliebenen­versorgung „fälsch­licher­weise“ mit unzu­treffenden Sterbewahr­scheinlich­keiten gerechnet.

Arbeit­geber haftet für die zugesagte Rente

Leistungs­kürzungen muss der Arbeit­geber ausgleichen. Er muss für die von ihm bei Vertrags­schluss zugesagte ­Rente haften. Renten­steigerungen durch Über­schüsse sind dann aber nicht mehr zu erwarten. Problematisch wird es, wenn die Firma Pleite geht; dann bleibt es bei der gekürzten Rente. Dies gilt für alle drei Pensions­kassen. Denn sie sind als Versicherungs­ver­eine organisiert.

Kein Insolvenz­schutz

Pensions­kassen haben in der Regel die Rechts­form einer Aktiengesell­schaft oder eines Versicherungs­ver­eins. Doch nur erstere sind Mitglied der Sicherungs­einrichtung Protektor. Versicherungs­ver­eine sind auch nicht im Pensions-Sicherungs-Verein (PSV). Und die Firmen, die für ihre Mitarbeiter bei einer Pensions­kasse einen Vertrag abge­schlossen haben, müssen ebenfalls nicht Mitglied im PSV sein. Im schlimmsten Fall gibt es also gar keinen Insolvenz­schutz. Die Sanierungs­pläne der Kassen, die auch Leistungs­kürzungen enthalten, sind mit der Bafin abge­stimmt. So soll eine Insolvenz verhindert werden. Die staatliche Versicherungs­aufsicht hält derzeit insgesamt 31 Pensions­kassen unter „intensi­vierter Aufsicht“, so ein Bafin-Sprecher.

Zusatz­rente für Steuerberater

Im Gegen­satz zu vielen anderen Anwärtern auf eine Betriebs­rente sind Steuerberater in der Regel bereits über ihre Basis­absicherung, das berufs­stän­dische Versorgungs­werk, recht gut versorgt. Über die Pensions­kasse Deutsche Steuerberater-Versicherung können sie für sich selbst und ihre Angestellten noch eine zusätzliche Rente schaffen. Nach Auffassung der Bundes­steuerberaterkammer ist jedoch je nach Höhe der Versorgung im berufs­stän­dischen Versorgungs­werk gar „keine Zusatz­versicherung seitens der Deutschen Steuerberater-Versicherung notwendig“. Diese Einschät­zung berück­sichtigt nicht, dass das berufs­stän­dische Versorgungs­werk nur für angestellte und selbst­ständige Angehörige von steuerberatenden Berufen greift, nicht aber für andere Angestellte in Steuerberatungs­firmen, beispiels­weise Sekretä­rinnen. Diese sind gesetzlich renten­versichert und können zusätzlich eine Betriebs­rente abschließen.

Diese Meldung ist erst­mals am 13. Januar 2019 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 16. Juli 2019.

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