Pensions­kassen Test

Claudia Kopp, Marketing-Managerin Banking bei Wincor Nixdorf, ist seit 22 Jahren im Unternehmen. Da die 43-Jährige keine Kinder hat, entschied sie sich für eine Betriebs­rente ohne Zusatz­schutz. Seit 2004 zahlt sie monatlich den Höchst­betrag in die Pensions­kasse ein – zurzeit gut 200 Euro.

Die Versicherungs­ver­eine boten in unserem Test der Pensions­kassen am meisten. Die Zusagen für eine Betriebs­rente reichen bei gleichem Beitrag von 329 Euro bis 561 Euro.

Wer als Arbeitnehmer eigenes Geld in eine betriebliche Vorsorge steckt, möchte dafür möglichst viel bekommen, ob Rente, Hinterbliebenen- oder Invaliditäts­schutz. Den meisten Arbeitnehmern geht es vor allem um mehr Rente im Alter.

Auch die Beschäftigten von Wincor Nixdorf in Paderborn wollen einmal eine attraktive Zusatz­rente für ihre Sparbemühungen sehen. Das Unternehmen, das vornehmlich Geld­automaten und Registrierkassen herstellt, holte vor sechs Jahren Angebote für eine betriebliche Alters­versorgung bei mehreren Versorgungs­einrichtungen ein. Das Rennen machte die Kölner Pensions­kasse.

Eine gute Wahl. In unserem Test sagte die Kölner Pensions­kasse die höchsten Renten unter den für alle offenen Kassen zu.

Die Mitarbeiter von Wincor Nixdorf können über die Pensions­kasse seither aus ihrem Brutto­gehalt für eine Betriebs­rente ansparen. 603 von den bundes­weit rund 3 000 Beschäftigten machen derzeit mit, darunter sind auch Mareen Nichocz, Hans-Ulrich Düchting und Claudia Kopp (siehe Bilder).

Wie das Unternehmen Wincor Nixdorf sollten Arbeit­geber nicht den erst­besten Anbieter für die Vorsorge ihrer Mitarbeiter nehmen. Die Unterschiede zwischen den Versorgungs­einrichtungen sind groß.

Wie stark die Renten bei gleich hoher Einzahlung und gleich langer Lauf­zeit voneinander abweichen, zeigt unsere aktuelle Unter­suchung: Für das gleiche Geld kann ein Arbeitnehmer später im Monat 561 Euro fest zugesagt (Selbst­hilfe) oder nur 329 Euro garan­tiert (Nürn­berger) erhalten. Das ist ein Plus von rund 70 Prozent.

Unser Spitzenreiter, die Selbst­hilfe Pensions­kasse, steht allerdings nur Beschäftigten der katho­lischen Kirche und des Caritas­verbandes offen. Die Kölner Pensions­kasse auf Platz 2 brachte es auf 519 Euro.

Verglichen haben wir die Angebote von 30 Kassen und einem Konsortium mehrerer Anbieter, das die Metall­rente anbietet.

In Deutsch­land gibt es 154 Pensions­kassen. Doch nur ein kleiner Teil ist offen für alle Branchen oder wenigs­tens sehr viele Unternehmen. Nur solche Kassen kommen in unserer Unter­suchung vor.

Pensions­kassen sind Versicherungs­unternehmen, die nur betriebliche Alters­versorgung anbieten. Viele haben die Rechts­form eines Versicherungs­ver­eins auf Gegen­seitig­keit. Zu den Vereinen zählen alle Kassen, die nur für die Mitarbeiter einzelner Betriebe zugäng­lich sind.

Offen für alle Interes­senten sind alle Aktiengesell­schaften unter den Pensions­kassen. Sie sind durchweg in Konzerne einge­bunden, zu denen auch Lebens­versicherungs­unternehmen gehören.

Die meisten dieser Kassen gibt es erst seit einigen Jahren. Von insgesamt 25 Aktiengesell­schaften sind 20 Kassen in unserem Test vertreten.

Die Rechts­form einer Pensions­kasse kann Folgen für ihre Kalkulation haben. Das lässt sich an der Höhe der von ihr zugesagten Renten ablesen. Versicherungs­ver­eine (Tabelle Pensionskassen als Versicherungsvereine) bieten alle höhere Renten an als die Aktiengesell­schaften.

Die Unter­suchung

Pensions­kassen Test

Hans-Ulrich Düchting, 44, arbeitet seit 29 Jahren bei Wincor Nixdorf. Als Vater von zwei Kindern hat er bei seiner Betriebs­rente einen Tarif mit guter Hinterbliebenenversorgung gewählt.

Wir haben die Höhe der von den Pensions­kassen zugesagten oder garan­tierten Renten anhand zweier Modelle untersucht und sie nach den Rentenhöhen sortiert (siehe Tabellen Pensionskassen als Aktiengesellschaften und Pensionskassen als Versicherungsvereine).

Die Arbeitnehmer im Modell, Männer und Frauen, sind jeweils 37 Jahre alt, wenn sie mit der Einzahlung beginnen. Ihre Firma wird für sie 30 Jahre lang einmal jähr­lich im Juli einen Betrag von 2 100 Euro steuer- und sozial­abgabenfrei aus ihrem Brutto­gehalt an die Kasse über­weisen.

Betriebs­renten gibt es mit und ohne Zusatz­leistungen. Im Modell eins ist ausschließ­lich vereinbart, dass die Kasse dem Arbeitnehmer später eine lebens­lange Alters­rente ab 67 Jahren auszahlt.

Im Modell zwei sind gering­fügige Zusatz­leistungen für Hinterbliebene des Arbeitnehmers enthalten: Stirbt er während der Anspar­phase, werden die einge­zahlten Beiträge erstattet. Stirbt der Versicherte während der ersten fünf Jahre nach Renten­beginn, wird die Rente noch bis zum Ende der Fünf-Jahres-Frist weiter ausgezahlt.

Die Versicherungs­ver­eine bieten meist nur Tarife ohne Todes­fall­schutz an oder solche mit sehr viel mehr Leistungen als in unserem Modell zwei. Partner und Kinder des Arbeitnehmers erhalten dann nach dessen Tod die vereinbarte Hinterbliebenenrente.

Weil wir solche Angebote nicht verglichen haben, tauchen in der Tabelle der Vereine für Modell zwei mit Todes­fall­schutz nur zwei Kassen auf (Verka und Deutsche Steuerberater, siehe Tabelle Pensionskassen als Versicherungsvereine).

Offene oder teiloffene Pensions­kassen, die für keines der beiden Modelle Angebote in ihrem Programm haben, kommen in den Tabellen Pensionskassen als Aktiengesellschaften und Pensionskassen als Versicherungsvereine gar nicht vor. Generelle Informationen über ihr Leistungs­spektrum stehen aber in der Tabelle Was die Pensionskassen in Angebot haben.

Gruppen­rabatte steigern die Rente

Im Modell eins spreizen sich die zugesagten Renten für Männer bei den Vereinen sehr stark von 369 Euro (Deutsche Steuerberater) bis 561 Euro (Selbst­hilfe). Die Aktiengesell­schaften liegen mit garan­tierten Renten für Einzel­tarife zwischen 329 Euro (Nürn­berger) und 357 Euro (Victoria ) alle darunter.

Ein etwas besseres Bild zeigt sich bei den Aktiengesell­schaften, wenn ein Betrieb eine Alters­vorsorge für mindestens zehn Mitarbeiter sucht. Dann gewähren sie Rabatt, und die garan­tierten Renten klettern auf immerhin 365 Euro (Swiss Life) und 361 Euro (Allianz).

Manche geben in Gruppen­verträgen aber kaum mehr Rente. Die Debeka legt ab zehn Mitarbeitern nur 3 Euro drauf und garan­tiert dann 360 Euro.

Die Versicherungs­ver­eine kennen keinen Rabatt, bieten aber schon in ihren Einzel­tarifen höhere Renten.

Doch bei den Versicherungs­ver­einen liegt ein Haar in der Suppe. Sie sagen die Renten zwar zu. Verkalkulieren sie sich, könnten sie ihre Zusage aber senken. Dazu berechtigt sie bei finanzieller Schieflage eine Sanierungs­klausel (siehe Text Garantierte Rente), die in ihrer Satzung steht.

Unterschiedliche Kosten am Anfang

Viele Sparer werden ihre Einzahlungen nicht bis zum Berufs­ende durch­halten. Andere wechseln den Job und lassen das Kapital in eine andere Zusatz­versorgung über­tragen. Wir haben deshalb abge­fragt, wie viel Rente Arbeitnehmer bei einer Kasse zu erwarten haben, wenn sie schon nach fünf Jahren nicht mehr weiter einzahlen.

Kündigen können Arbeitnehmer ihren Vertrag nicht. Das ist gesetzlich nicht möglich. Die Regelung hat den Vorteil, dass Betriebs­renten nicht als Vermögen gewertet werden, wenn ihr Inhaber einmal staatliche Leistungen wie Hartz IV beantragen muss.

Ist die Rente nach fünf Jahren gering, sind meist die Abschluss­kosten dieser Kasse hoch. Besonders für jüngere Arbeitnehmer, die vielleicht schon nach wenigen Jahren ihren Arbeit­geber wechseln, ist das von Nachteil. Sie lassen bei der alten Firma eine Minirente stehen oder können nur wenig Kapital zur neuen über­tragen, wenn sie ihre betriebliche Vorsorge dort fortsetzen wollen (siehe Text Jobwechsel).

Bei den Aktiengesell­schaften hat der 37-Jährige nach fünf Jahren im Modell ohne Todes­fall­schutz (Einzel­tarif) zwischen 51 Euro (Hamburg-Mann­heimer) und 69 Euro (Signal Iduna) Monats­rente erreicht. So viel ist ihm ab 67 Jahren garan­tiert, Über­schüsse können dazu­kommen.

Bei den Vereinen liegen die zugesagten Renten nach fünf Jahren einmal sogar bei 128 Euro (Selbst­hilfe), aber mindestens bei 79 Euro (Deutsche Steuerberater).

Die Versicherungs­ver­eine unter den Pensions­kassen arbeiten vielfach kostengüns­tiger, weil sie meist mit wenig Personal und ohne Vermittler auskommen. Dafür gibt es bei ihnen manchmal weniger Service. Der Arbeit­geber muss seinen Leuten die Vorsorge vielleicht mehr selbst erklären. Im Gegen­zug bekommen seine Mitarbeiter wahr­scheinlich einmal mehr Rente.

Andere Rechnungs­grund­lagen

Die hohen Zusagen der Vereine beruhen teil­weise auch auf ihren anderen Berechnungs­grund­lagen. Für ihre Kalkulation nutzen die Pensions­kassen unterschiedliche Ster­bestatistiken. Darin lesen sie die durch­schnitt­liche Lebens­erwartung ihrer Kunden ab und berechnen die garan­tierte oder – bei den Versicherungs­ver­einen – die zugesagte Rente.

Die Aktiengesell­schaften sind alle sehr vorsichtig. Sie rechnen über­wiegend damit, dass ein heute 37 Jahre alter Mann im Schnitt etwa 92 Jahre alt wird. Dann müssten sie ihm durch­schnitt­lich 26 Jahre lang eine Rente auszahlen. Die Signal Iduna nimmt sogar an, dass Männer im Schnitt 95 Jahre alt werden, Frauen sogar 98.

Auch die Versicherungs­ver­eine Deutsche Steuerberater Pensions­kasse und die kirchliche Pensions­kasse Verka kalkulieren mit sehr langen Renten­lauf­zeiten.

Die Kölner Pensions­kasse, die zu ihr gehörende Selbst­hilfe und die Vereinigte gehen dagegen davon aus, dass ein heute 37-Jähriger im Schnitt nur 82 bis 83 Jahre alt wird (Frauen 87 bis 88 Jahre).

Die Renten­zusage ist natürlich höher, wenn eine Kasse annimmt, dass sie die Rente später nur 15 bis 16 Jahre lang auszahlen wird, nicht über 25 bis 28 Jahre.

Für eine vorsichtige Kalkulation spricht, dass die versprochene nied­rige Rente sehr sicher ist. Irrt sich eine Kasse, die mit früherem Ableben ihrer Kunden rechnet, muss sie Zusagen vielleicht zurück­schrauben. Liegen die Vorsichtigen falsch, entstehen Risikogewinne. Diese müssen sie zu mindestens 75 Prozent an die Kunden geben.

Bei rein privaten Renten­versicherungen rechnen alle Lebens­versicherer damit, dass ihre Kunden deutlich älter werden als der Bevölkerungs­durch­schnitt. Sie meinen, dass eher gesunde, gutsituierte Leute sich für eine solche Rente entscheiden. Deren Lebens­erwartung sei höher als der Schnitt.

In der betrieblichen Vorsorge kann das anders sein. Hier greift jeder zu. Im statistischen Schnitt liegt die Lebens­erwartung für 37-jährige Männer bei etwa 81 Jahren.

Auch der Garan­tiezins, mit dem die Kassen die Sparbeiträge ihrer Kunden verzinsen, kann eine Renten­zusage erhöhen. Die Aktiengesell­schaften sind an den gesetzlichen Höchst­rechnungs­zins von zurzeit 2,25 Prozent gebunden. Dafür haben sie in ihrer Tarif­gestaltung weit­gehend freie Hand.

Voll­regulierte Versicherungs­ver­eine dürfen mit einem höheren Zins rechnen. Von den Vereinen in der Tabelle Pensionskassen als Versicherungsvereine macht das allerdings keiner.

Wer mehr verspricht, muss auch beweisen, dass er die Mittel dafür hat. „Und die Aufsichts­behörde lässt die Bäume bei den Vereinen nicht in den Himmel wachsen“, meint Klaus Stiefermann, Geschäfts­führer der Arbeits­gemeinschaft betriebliche Alters­versorgung (aba) in Heidel­berg.

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