Betriebliche Alters­versorgung: Mehr Rente über die Firma

Pensions­kassen Test

Mareen Nichocz, 23, Software-Beraterin bei Wincor Nixdorf, spart seit 2007 Teile ihres Brutto­gehalts für eine spätere Betriebs­rente an.

Das Sparen für eine Betriebs­rente fördert der Staat. Auf das Geld, das Arbeitnehmer aus ihrem Brutto­gehalt anlegen, fallen weder Steuern noch Sozial­abgaben an.

Rund zwölf Millionen Arbeitnehmer in Deutsch­land zahlen über ihren Arbeit­geber in eine Betriebs­rente ein. Sie sichern sich damit ein kleines Zusatz­einkommen für später. Der Teil ihres Gehalts, den sie investieren, bleibt bis zu einer Summe von 2 544 Euro im Jahr von Steuern und Sozial­abgaben verschont.

Das dicke Ende kommt zwar im Alter, denn dann sind die ausgezahlten Betriebs­renten voll steuer­pflichtig. Gesetzlich Versicherte zahlen darauf außerdem volle Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge. Doch die Sache lohnt sich trotzdem:

In einer Beispiel­rechnung unterstellen wir eine Grund­rendite von 4 Prozent, die der Versorgungs­träger mit dem Geld des Arbeitnehmers erwirt­schaftet. Einen Zuschlag zu dieser Rendite gibt es, wenn die Vorteile während der Einzahlung die Abgaben für die Auszahlung über­steigen.

Wir nehmen an, dass ein heute 43-jähriger Durch­schnitts­verdiener (brutto 2 500 Euro im Monat) jähr­lich 2 100 Euro aus seinem Brutto­einkommen für die Betriebs­rente einzahlt. Diese Gehalts­umwandlung macht er 25 Jahre lang. Dann fließt die Rente. Wenn er 83 Jahre alt würde, hätte er nach Abzug von Steuern und Sozial­abgaben eine Rendite von 4,6 Prozent erzielt.

Einge­rechnet ist ein kleiner Verlust an gesetzlicher Rente. Er entsteht, weil der Sparer für seine Einzahlung in die betriebliche Alters­versorgung keinen Renten­versicherungs­beitrag abführt.

Mit einer privaten Renten­versicherung, käme – mangels Förderung – bei gleicher Grund­rendite weniger heraus. Nur die private Riester-Rente könnte fast mithalten.

Wenig Vorsorge in kleinen Betrieben

Immer mehr Arbeitnehmer werden einmal eine Betriebs­rente bekommen. 2001 hatten rund 52 Prozent der sozial­versicherungs­pflichtigen Arbeitnehmer in Deutsch­land eine solche Alters­vorsorge, 2003 waren es 58 Prozent, 2006 schon 65 Prozent.

Meistens tragen sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeit­geber zur Zusatz­versorgung bei. Nur in einem Drittel der Fälle sparen Arbeitnehmer ihre spätere Betriebs­rente voll­ständig aus eigenem Gehalt an.

„Je mehr Beschäftigte ein Unternehmen hat, desto wahr­scheinlicher ist es, dass es eine Zusatz­versorgung für die Mitarbeiter gibt“, meint Klaus Stiefermann, Geschäfts­führer der Arbeits­gemeinschaft betriebliche Alters­versorgung (aba) in Heidel­berg. Umge­kehrt schwinde die Chance auf eine Betriebs­rente, je kleiner eine Firma sei.

Kleinere Betriebe seien oft nicht gut genug über die Vorteile dieser Vorsorge informiert. Stiefermann: „Sie wissen vielleicht nicht einmal, dass auch der Arbeit­geber seinen Anteil an den Sozial­abgaben spart.“

Hinzu käme die Angst vor Aufwand, komplizierten Verträgen und Haftung. „Die größten Chancen, sich eine Zusatz­rente zu sichern, hat hier ein Mitarbeiter, der sich selbst darum kümmert und vielleicht schon mit einem konkreten Vertrags­angebot in der Tasche zu seinem Chef geht.“

Das seit 2002 bestehende Recht auf Gehalts­umwandlung gilt für jeden. Ein Arbeitnehmer, dem die Firma trotz intensiven Nach­fragens keine Betriebs­rente ermöglicht, werde sich in der Praxis aber kaum deswegen auf einen Rechts­streit mit seinem Arbeit­geber einlassen.

Vor allem Arbeitnehmer mit Qualifikationen, die dringend gebraucht würden, könnten jedoch Einfluss nehmen. Der aba-Chef: „Macht ein Betrieb dann nicht mit, muss er befürchten, jemanden zu verlieren oder ihn gar nicht erst zu bekommen.“

Für und Wider

Gegen eine Betriebs­rente können persönliche Umstände sprechen. Wer schon weiß, dass er in Kürze seinen Arbeit­geber wechseln will, fängt vielleicht besser erst im neuen Unternehmen mit dem Sparen an.

Eine kostenfreie Über­tragung ist manchmal möglich, aber längst nicht immer. Wer das gesetzliche Mitnahme­recht für ab 2005 begonnene Verträge nutzt, muss mit Kosten rechnen (siehe Text Jobwechsel).

Wollen Arbeitnehmer vorläufig bei ihrer Firma bleiben oder lässt sich die angebotene Betriebs­rente anderswo leicht fortführen, sollten sie zugreifen, wenn sie neben einer Riester-Rente noch Geld für eine Betriebs­rente erübrigen können. Dann steigt die Chance, dass die Alters­vorsorge reicht.

Privat „riestern“ ist flexibler als betrieblich vorsorgen und wäre erste Wahl. Die Riester-Rente allein genügt aber nicht als Zubrot. Zudem über­zeugt auch die Förderung der Firmenrente und kann die Riester-Rente im Einzel­fall sogar hinter sich lassen. Das ist der Fall, wenn der Chef einen Teil der Sparbeiträge über­nimmt.

Beim Riestern werden Einzahlungen bis zu 2 100 Euro im Jahr gefördert. Parallel kann der Kunde in die betriebliche Vorsorge steuer- und sozial­abgabenfrei 2 544 Euro im Jahr investieren und zusätzlich noch einmal 1 800 Euro nur steuerfrei. Auf die 1 800 Euro sind aber schon in der Anspar­phase Sozial­abgaben fällig.

Die zusätzlichen 1 800 Euro können sich für Arbeitnehmer lohnen, die sehr viel verdienen und hohe Steuern zahlen. Sozial­abgaben können sie wegen ihres Einkommens über den Beitrags­bemessungs­grenzen ohnehin nicht mehr sparen.

Fünf Wege zum Ziel

Pensions­kassen Test

Das Kapital für spätere Betriebs­renten wächst in allen Wegen, die zu Betriebs­renten führen. Pensions­kassen haben einen hohen Anteil.

Das Kapital für spätere Betriebs­renten wächst in allen Wegen, die zu Betriebs­renten führen. Pensions­kassen haben einen hohen Anteil.

Es gibt fünf Wege zur Betriebs­rente. Der Arbeit­geber bestimmt, welche Variante und welcher Anbieter zum Zuge kommen. Doch manchmal können Angestellte mitgestalten, zum Beispiel über den Betriebsrat.

Am stärksten verbreitet ist traditionell die Pensions- oder Direkt­zusage (siehe Grafik). Dabei verspricht die Firma ihren Mitarbeitern, im Alter zu ihrer Versorgung beizutragen. Das Unternehmen bildet dafür Rück­stel­lungen und kann so einen Teil seiner Steuerschuld in die Zukunft verschieben. Direkt­zusagen sind damit auch eine Form der Innen­finanzierung.

Arbeitnehmer investieren selten selbst Gehalts­anteile in eine Direkt­zusage, obwohl das möglich ist. Auch bei der Unterstüt­zungs­kasse, einem der anderen Wege, finanziert über­wiegend der Arbeit­geber die Zusatz­rente für seine Angestellten.

In den übrigen drei Varianten, Pensions­kasse, Direkt­versicherung und Pensions­fonds, beteiligen sich die Arbeitnehmer stärker mit eigenem Geld, das vom Brutto­gehalt direkt für ihre Zusatz­versorgung abge­zweigt wird. Hier fließen die Sparbeiträge jeweils vom Betrieb an eine Versorgungs­einrichtung, den Pensions­fonds, die Pensions­kasse oder den Lebens­versicherer (Direkt­versicherung). Diese legt das Geld an und zahlt später die Rente aus.

Die Pensions­kasse ist unter diesen drei Formen die am häufigsten gewählte. Wir haben 31 Pensionskassen geprüft. Einige machen gute Angebote.

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