Pensionsfonds Test

Beim internationalen Autozulieferer ZF Sachs AG können die 7 000 Mitarbeiter in Schweinfurt seit 2002 auch über einen Pensionsfonds für ihre betriebliche Altersversorgung sparen.

Pensionsfonds sind eine Alternative zur Direktversicherung und Pensionskasse. Besonders jüngere Arbeitnehmer können bei guten Anbietern von Anlagen in Aktien profitieren.

Wir wollten unseren Mitarbeitern mit dem Pensionsfonds mal etwas anderes für ihre Vorsorge anbieten“, sagt Volker Bayer. Der 32-Jährige ist Personalreferent bei der Schweinfurter ZF Sachs AG, einem großen Autozulieferer. Im fränkischen Werk des weltweit tätigen Unternehmens arbeiten 7 000 Menschen. Stoßdämpfer, Kupplungen und Drehmomentwandler werden hier unter anderem hergestellt. Volker Bayer: „Direktversicherungen gibt es bei uns schon lange. Jeder profitiert außerdem von einer Direktzusage. Mit dem Pensionsfonds können die Beschäftigten bei der Betriebsrente nun auch auf Börseninvestments setzen.“

Das trifft zu, denn tätig ist für die ZF Sachs AG seit 2002 der Pensionsfonds der Metallrente. Bei ihm kann der Arbeitnehmer eine Anlagestrategie mit Aktienfonds wählen, sofern er das will. 400 Mitarbeiter der ZF Sachs AG sind inzwischen im Boot. Im Schnitt sparen sie 1 500 Euro pro Jahr steuerfrei für eine Zusatzversorgung an.

Pensionsfonds dürfen das Sparkapital von Arbeitnehmern uneingeschränkt in börsennotierte Geldanlagen, also auch in Aktien, stecken. So können sie die im Vergleich zu Festzinsanlagen langfristig höheren Renditechancen nutzen. Dafür müssen Sparer Abstriche bei der Garantie hinnehmen: Sicher ist ihnen nur das eingezahlte Kapital zu Beginn der Rente.

Doch sie haben eine Chance, dass es viel mehr wird. Vor allem für jüngere Arbeitnehmer kann ein gutes Pensionsfondsangebot deshalb attraktiver sein als eines für eine Betriebsrente per klassischer Rentenversicherung mit Garantiezins über eine Direktversicherung oder Pensionskasse.

Wie unser Test zeigt, nutzen viele Pensionsfonds diese Anlagechancen allerdings zu wenig und arbeiten bei der Kapitalanlage eher wie eine Versicherung. Wir haben in der Tabelle „Pensionspläne im Vergleich“ daher kapitalmarktorientierte und versicherungsorientierte Angebote getrennt dargestellt.

46 Angebote von 18 Pensionsfonds

Pensionsfonds Test

Das Interesse der Mitarbeiter am Pensionsfonds steigt, beobachtet Volker Bayer, Personalreferent der ZF Sachs AG. „Und die 400 Leute, die so schon sparen, stecken dort stetig mehr Geld hinein.“

In der Untersuchung von Finanztest kamen 46 Angebote von insgesamt 18 Pensionsfonds auf den Prüfstand. Das sind fast alle Angebote dieser neuen Form der betrieblichen Altersvorsorge.

17 der untersuchten Anbieter sind für Firmen aller Branchen zugänglich. Lediglich der Chemie Pensionsfonds kann nur von Unternehmen aus der Chemiebranche genutzt werden.

Welche Rente ein Pensionsfonds später einmal zahlen wird, kann heute niemand sagen. Das hängt zum einen davon ab, welchen Ertrag er mit seinen Anlagen in Fonds oder mit seinen Vermögensverwaltungen erwirtschaftet. Und zum anderen ist entscheidend, wie viel Kosten für Vertragsabschluss, Verwaltung und zusätzliche Leistungen wie Hinterbliebenenschutz von den Einzahlungen abgehen.

Um die Pensionspläne, wie die Angebote genannt werden, vergleichbar zu machen, haben wir ein Modell gebildet. Männer und Frauen sind danach bei Vertragsbeginn 40 Jahre alt und sparen bis zu ihrem 65. Lebensjahr jährlich 1 020 Euro.

Für das freie Investment, das in Fonds und Vermögensverwaltungen fließen kann, haben wir eine durchschnittliche Wertentwicklung von 6 Prozent pro Jahr angenommen. Dann haben wir ermittelt, um wie viel diese Rendite durch Kosten des Pensionsfonds gemindert wird.

Dabei fallen nicht nur Kosten für die Verwaltung oder von Zusatzleistungen für einen Hinterbliebenenschutz ins Gewicht. Ebenfalls berücksichtigt werden die Kosten des Pensionsfonds, die für den Beitragserhalt zu Rentenbeginn anfallen.

Vergleich der Kosten

Die Ausrichtung der Pfeile unter der Überschrift „Kostenanalyse (nach Modellvorgaben)“ in der Tabelle „Pensionspläne im Vergleich“ zeigt das Ergebnis: Je stärker die Pfeile nach oben zeigen, desto geringer ist die Belastung durch aktuelle Kosten. Dadurch wird die Rendite mit geringeren Abschlägen weitergegeben, und es ist auch mehr freies Investment möglich.

Bei Angeboten mit einem hohen Anteil an freiem Investment und geringen Kosten weisen die Pfeile durchgängig nach oben oder nach schräg oben.

Besonders gut schnitten hier die Angebote ab, die mit einer „kapitalmarktorientierten Beitragsstrategie“ arbeiten. Die Allianz Metallrente, der DEVK, Lippische, VdW und Vifa Pensionsfonds sichern den gesetzlich vorgeschriebenen Beitragserhalt ab, indem sie den Bedarf dafür laufend feststellen oder ihre Kapitalanlage flexibel darauf abstellen. Das ermöglicht ihnen ein Maximum an freiem Investment.

Aus Kostengründen etwas abgeschlagen ist in dieser Anbietergruppe das Angebot des Lippischen Pensionsfonds.

Die Unternehmen mit „versicherungsorientierter Beitragssicherung“ reservieren dagegen von vornherein einen bestimmten Teil des eingezahlten Geldes für eine Kapital bildende Rentenversicherung. Sie sichert den Beitragserhalt. Das führt jedoch zu höheren Kosten und so kann weniger – etwa in Aktien – investiert werden. Aber auch in dieser Gruppe gibt es je nach Tarif unterschiedliche Belastungen und Investmentreserven, wie die Pfeile zeigen.

Nicht mit den anderen vergleichbar sind die Angebote der Pensionsfonds R + V und WWK sowie ein Pensionsplan der LVM und drei von Pensor (siehe Tabelle „Versicherungen pur“). Sie fallen heraus, weil sie weitgehend Versicherungsprodukte sind. Eine zusätzliche Renditechance fehlt.

Die Anlagemöglichkeiten

Die Renditechancen hängen natürlich nicht nur davon ab, welcher Anteil der Einzahlungen für die freie Anlage vorhanden ist. Wichtig ist außerdem, wo das ­Kapital investiert werden kann.

Einen Überblick über Anlagestrategien und -alternativen der Pensionsfonds gibt die Tabelle „So legen Pensionsfonds freie Anlagegelder an“. In der Tabelle „Pensionspläne im Vergleich“ haben wir die Zahl der Anlagemöglichkeiten angegeben und sie, soweit möglich, auf Basis unseres Fondsdauertests bewertet. Ein Bewertung gibt es für Anlagen, die mindestens fünf Jahre am Markt sind. Die Tabelle zeigt, wie viele der bewertbaren Angebote überdurchschnittlich sind, beim Nürnberger Pensionsfonds zum Beispiel 44 von 103. Und sie zeigt, wie ­flexibel Sparer sind, wenn sie ihre einmal gewählte Anlagestrategie ändern möchten.

Wichtige Rentengarantie

Neben der Kostenbelastung und den Anlagemöglichkeiten ist die Rentengarantie ein weiterer wichtiger Punkt. Nur der Deutsche Pensionsfonds und Gerling garantieren in vollem Umfang einen Rentenfaktor.

Die anderen Anbieter können ihre Kalkulation bis zum Beginn der Rentenzahlung verändern. Steigt die Lebenserwartung der Menschen bis dahin, können diese Pensionsfonds neu rechnen und die Rentenzahlungen senken. Ein fester Rentenfaktor ist auch ein Kostenfaktor. Er kann die Richtung der Pfeile in der Kostenanalyse deshalb nach unten drücken.

Die Unterschiede bei der Garantie des Rentenfaktors schränken die Angaben zur Rentenhöhe für den Modellfall (25 Jahre jährliche Einzahlung von 1 020 Euro) ein. Bei Männern beispielsweise reichen die Werte von 176 Euro (West Pensionsfonds) bis zu 325 Euro (DEVK) Monatsrente. Die DEVK plant aber bereits, die Rentenhöhe zu senken.

In diesen großen Differenzen spiegeln sich neben den Rentengarantien, Gruppenrabatten und den Kosten des Investments vor allem auch die Unterschiede bei den Zusatzleistungen wider.

Zusatzleistungen

Fest integrierte Zusatzleistungen können natürlich ein Plus sein. Sie sind aber immer ein Kostenfaktor und drücken die Rendite. Ein Verzicht auf das eine oder andere kann die Chance auf eine gute Wertentwicklung für die wichtigste Leistung – die Altersrente – deutlich verbessern.

Bestes Beispiel ist der Pensionsfonds der AMB Generali, der kaum Hinterbliebenenschutz im Basisprogramm hat. Stirbt ein Versorgungsanwärter vor Rentenbeginn, fällt sein Kapital größtenteils der Versorgungsgemeinschaft zu. Der Pfeil zeigt hier bei allen Pensionsplänen aufwärts. Zusätzlich hat der Anbieter allerdings noch aktuell eine hohe Überschussbeteiligung erwirtschaftet.

Für den Sparer ist der Verzicht auf Hinterbliebenenleistungen kein Problem, sofern er seine Angehörigen durch eine preiswerte Risikolebensversicherung ausreichend für den Fall seines Todes absichert.

Feste Zusatzleistungen gibt es teilweise auch für den Fall von Erwerbsminderung. Meistens müssen sie aber gegen Aufpreis zugekauft werden. Für Leistungen bei Berufsunfähigkeit gilt das durchgängig.

Rabatte und Flexibilität

Wissen wollten wir außerdem, ab welcher Mitarbeiterzahl ein Pensionsfonds Rabatte gibt und wie sie sich auswirken. Geprüft haben wir ferner, ob sie beim Wegfall der Voraussetzungen gestrichen werden.

Entfällt ein Rabatt, schränkt das die Flexibilität eines Arbeitnehmers ein, wenn er beispielsweise die Firma wechselt und sich seine Konditionen dann verschlechtern.

Einbußen bei seiner Betriebsrente kann ein Arbeitnehmer in solchen Fällen auch erleiden, wenn ein Pensionsfonds ihm ­einen Großteil der Kosten gleich bei Vertragsbeginn berechnet. Verlässt der Mitarbeiter sein Unternehmen bereits nach wenigen Jahren und nimmt er den Betriebsrentenvertrag mit oder stellt ihn beitragsfrei, ist es ungünstig, wenn sein Sparkapital in den ersten Jahren überdurchschnittlich belastet wurde.

Besser ist eine gleichmäßige Verteilung aller Kosten über die gesamte Laufzeit. Bei Pensionsfonds ist das ­keine Seltenheit, wie die Tabellenspalte „Keine starke Minderung der Rendite bei Beitragsfreistellung (nach drei Jahren)“ zeigt.

Besonders für jüngere Arbeitnehmer ist das wichtig, denn sie wechseln häufiger den Arbeitgeber als ältere.

Neben der Chance von Börseninvestments ist das noch ein Grund, warum sich für jüngere Leute ein guter Pensionsfondstarif für ihre Betriebsrente eignen kann.

Helmut Nickel von der ZF Sachs AG in Schweinfurt sieht das auch so. Beim ­Betriebsrat ist er unter anderem für den Nachwuchs zuständig, auch für die ­jährlich 400 Auszubildenden seiner Firma. Nickel: „Bei den jungen Leuten werben wir regelrecht für den Pensionsfonds.“

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