Pauschalreisen Meldung

Pauschaltouristen stehen jedes Jahr vor der Frage: Frühbucherrabatte nutzen oder auf Last-Minute-Schnäppchen warten? Lesen Sie hier, was günstiger ist.

Das Sommergeschäft lief in diesem Jahr nicht so gut für die Reiseanbieter. Im Mai lag der Umsatz bei den Vorausbuchungen deutlich unter den Vorjahreswerten. Um den Verkauf anzu­kurbeln, lockten die Veranstalter im Mai und Juni mit Sonderaktionen und Spezialkatalogen, die diverse Preisabschläge versprachen. Außerdem wurden die Frühbucherfristen immer weiter nach hinten verschoben, sodass selbst die Fachpresse sarkastisch von „Frühbu­cher­rabatten für Spätbucher“ sprach.

Diejenigen, die schon vor Monaten ihre Sommerreise gebucht hatten, müssen sich angesichts dieser vermeintlichen Schnäppchenflut verwundert die Augen gerieben haben. Sollten sie etwa etwas falsch gemacht haben mit ihrer frühen Festlegung? Möglicherweise. Unser Preisvergleich hat jedenfalls keine großen Vorteile für Frühbucher zutage gefördert.

85 Reisen im Vergleich

Seit Jahren versuchen die Reiseveranstalter ihre Kunden mit tollen Versprechungen zum frühen Buchen zu animieren. Wir wollten es jetzt einmal genau wissen: Was ist dran an den Frühbucherrabatten?

Wir haben für 85 Pauschalreisen jeweils zweimal die Preise ermittelt. Die erste „Buchung“ fand Ende Januar bei den Internet-Reiseanbietern Expedia, Holidaycheck und Onlineweg.de statt, und zwar für Reisen, die ausdrücklich als Frühbucherangebote gekennzeichnet waren. Knapp vier Monate später, 14 Tage vor Reisebeginn, wurden die Preise für genau dieselben Reisen erneut gecheckt. Es handelte sich um 14-tägige Pauschaltrips für zwei Personen, die Anfang Juni zu sechs beliebten Zielen – Bulgarien, Griechenland, Spanien, Türkei, Kuba und Dominikanische Republik – starten sollten. Abflughafen war immer Düsseldorf.

Keine großen Vorteile für Frühbucher

Das Ergebnis des Preisvergleichs hat uns in mehreren Punkten überrascht:

  • Nahezu alle Reisen konnten im Mai noch gebucht werden. Lediglich eine Reise nach Mallorca war ausgebucht.
  • Einige Angebote waren selbst 14 Tage vor dem Abflug immer noch als Frühbu­cherangebot gekennzeichnet.
  • Nur bei knapp der Hälfte der Reisen waren die im Januar ermittelten Frühbu­cherpreise etwas billiger als die Spätbucherpreise. In vielen Fällen hatte sich der Preis kaum verändert.
  • Bei Fernreisen nach Kuba und in die Dominikanische Republik haben Frühbu­cher sogar deutlich mehr bezahlt.

Wie die Tabelle zeigt, waren die Frühbucherpreise bei Reisen an die bulgarische Schwarzmeerküste, nach Griechenland (Kreta, Rhodos) und vor allem nach Mallorca häufig günstiger als die Last-Minute-Angebote. Der Preisvorteil betrug im Schnitt allerdings nur 50 bis 90 Euro pro Person. Ob sich dafür die frühe Bindung und eine Anzahlung von bis zu 20 Prozent des gesamten Reisepreises lohnt, ist fraglich.

Fernreisende zahlen drauf

Fernreisende nach Kuba und in die Dominikanische Republik haben in diesem Jahr mit einer frühen Buchung sogar viel Geld verschenkt. Denn die Preise, die zwei Wochen vor Abflug verlangt wurden, waren im Durchschnitt deutlich niedriger als vier Monate zuvor. Im schlimmsten Fall hätte der Urlaub in der Dominikanischen Republik für zwei Personen bei einer Frühbuchung 562 Euro mehr gekostet (im Azzuro Club Estrella & Cabarete).

In einzelnen Fällen ergab unsere Stichprobe zwar auch ansehnliche Vorteile für Frühbucher (siehe „Frühbucher-Hits“), doch insgesamt zeigt der Preisvergleich kaum jene angeblichen Segnungen, die eine frühe Buchung haben soll. Nur einer hat einen garantierten Nutzen davon: der Reiseveranstalter.

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