Pauschalr­eisen Hohe Umbuchungs­kosten weiter erlaubt

27.09.2016
Pauschalr­eisen - Hohe Umbuchungs­kosten weiter erlaubt
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Pauschalr­eisende, die ihren Urlaub nicht antreten können, müssen auch künftig hohe Zusatz­kosten an ihren Reise­ver­anstalter zahlen, wenn sie ihre Reise anderen über­lassen. Dies gilt auch für Kosten, die durch eine Neubuchung von Flugti­ckets entstehen. Das hat der Bundes­gerichts­hof (BGH) heute entschieden.

Umbuchung auf Dritte wegen Erkrankung vor Reiseantritt

Der BGH verhandelte zwei Fälle (Az. X ZR 107/15 und Az. X ZR 141/15). Es ging dabei um Pauschalr­eisen nach Dubai beziehungs­weise Thai­land, die die Kläger wegen Erkrankungen jeweils nicht antreten konnten. Zwei Tage vor Reiseantritt baten sie ihren Reise­ver­anstalter um Umbuchung auf Dritte. Das war möglich, sollte sie aber einiges kosten. Denn in beiden Fällen mussten nicht nur die Namen geändert, sondern ganz neue Flugti­ckets gebucht werden. Hintergrund: Die Tarifbedingungen der Luft­verkehrs­unternehmen ließen nach der Buchung keinen Personenwechsel des Flug­gastes („name change“) zu. Die Kosten für die Umbuchung von je über 1 000 Euro sollten die Kläger über­nehmen. Weil beide damit nicht einverstanden waren, traten sie von ihren Reise­verträgen zurück. Der Reise­ver­anstalter verlangte darauf­hin von den Kunden Storno­gebühren in Höhe von 85 beziehungs­weise 90 Prozent und zahlte nur den restlichen Reise­preis zurück. Dagegen wehrten sich die Kläger und gingen vor Gericht. Sie forderten die Rück­zahlung des vollen Reise­preises.

Wenn die Reise nicht angetreten werden kann – die Rechts­lage

Grund­sätzlich gilt: Wer seine Reise nicht antreten kann, darf jeder­zeit und ohne besondere Gründe von einer Reise zurück­treten. Meist entstehen dabei aber Storno­gebühren. Wie hoch sie sind, steht in den Reisebedingungen des Anbieters. Je näher der Reise­termin rückt, desto höher sind die Kosten. Üblich sind zum Beispiel 20 Prozent vom Reise­preis bis 30 Tage vor Reiseantritt. Bei Absage einen Tag vor oder am Tag der Anreise sind es oft 70 bis 90 Prozent. Wer nicht auf hohen Storno­kosten sitzenbleiben möchte, kann seine Urlaubs­reise Dritten über­lassen. Denn Reisekunden haben das Recht, bis zum Beginn einer Pauschalreise einen Reise­teilnehmer durch einen anderen zu ersetzen. Wider­sprechen darf der Veranstalter nur, wenn der neue Reisende bestimmte Eigenschaften nicht erfüllt – etwa wenn er kein Visum für das Urlaubs­land erhält. Dafür gewährt das Gesetz dem Reise­ver­anstalter Anspruch auf „die durch den Eintritt des Dritten entstehenden Mehr­kosten“. Was Mehr­kosten sind und die Reisekunden zusätzlich bezahlen müssen, hat der Bundes­gerichts­hof in den heute verhandelten Fällen geklärt.

Das Urteil

Der BGH wies die Klagen auf Erstattung des gesamten Reise­preises ab. Begründung: Der Reise­ver­anstalter könne dem Reisekunden alle Kosten in Rechnung stellen, die durch einen Personenwechsel entstehen. Das gelte auch für die teure Umbuchung von Flügen. Reise­ver­anstalter könnten zur Erfüllung ihrer Reise­leistung auch Flüge wählen, die nicht mehr umge­bucht werden können, so die Richter. Die Veranstalter seien nicht verpflichtet, ihre Verträge mit zum Beispiel Fluggesell­schaften so zu gestalten, dass eine Über­tragung auf andere Personen für Reisekunden möglichst kostengünstig bleibt.

Tipp: Risiko mit Reiser­ücktritts­versicherung absichern

Wenn Sie dem Risiko hoher Storno­gebühren aus dem Weg gehen wollen, können Sie sich mit einer Reiser­ücktritts­versicherung absichern. Besonders für teure Reisen kann eine Police sinn­voll sein. Finanztest hat 128 Tarif­varianten für Reiser­ücktritts- und Reise­abbruch­versicherungen getestet: Einzel- und Familien­tarife jeweils für eine Reise und als Jahres­verträge, mit und ohne Selbst­beteiligung. Von 92 Voll­schutz-Tarifen schneiden 36 gut ab. Zum Test Reiserücktrittsversicherung.

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27.09.2016
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