Pauschal­reise Wenn der Veranstalter Flughafen oder Abflug­zeit ändert

11.07.2017
Pauschal­reise - Wenn der Veranstalter Flughafen oder Abflug­zeit ändert
Reise­zeit. Sie birgt nicht nur Freude pur, sondern gelegentlich auch Ärger. © iStockphoto

Wer eine Pauschal­reise bucht, muss sich zunächst an den Veranstalter wenden, wenn es Ärger mit Hotel, Transfer oder Flug gibt. Im Interview mit test erklärt Holger Hopperdietzel, Rechts­anwalt und Reise­rechts­experte aus Wiesbaden, welche Rechte Kunden haben, wenn Veranstalter nach der Buchung Flug­zeug­typ, Flughafen oder Abflug­zeit ändern.

Änderung darf keine Verschlechterung sein

Pauschal­reise - Wenn der Veranstalter Flughafen oder Abflug­zeit ändert
Holger Hopperdietzel © Privat

Ein Mann bucht einen Club­urlaub auf Mallorca, fliegen soll er mit Condor. Später heißt es, den Rück­flug über­nimmt Avion Express, die litauische Partner-Air­line von Condor. Ist das erlaubt?

Wenn dem Reisenden eine bestimmte Air­line genannt wurde, ist das zwar grund­sätzlich verbindlich, aber die Veranstalter behalten sich im Klein­gedruckten oft Änderungen vor. Es darf sich aber nichts qualitativ verschlechtern.

Laut Condor gibt es nur einen Unterschied: Die Avion-Flugzeuge haben keine Monitore zur Bord­unterhaltung.

Das ist zwar eine Verschlechterung. Bei einem Zwei­stunden­flug nach Mallorca wiegen solche Komfortmängel aber nicht so schwer. Eine minimale Reise­preis­minderung könnte drin sein, ein kostenloses Storno der Reise nicht.

Reiser­ücktritt bei Verlegung

Was gilt, wenn der Abflug­ort von Berlin nach Düssel­dorf verlegt wird?

Bei einer Verlegung um mehrere hundert Kilo­meter darf der Kunde zurück­treten und er erhält den vollen Reise­preis zurück. Will er trotz der Änderung reisen, kann er sich einen Teil des Reise­preises zurück­holen. 70 Prozent vom Tages­preis, 215 Euro, bekam 2011 ein Kunde vom Gericht zugesprochen, dessen Zielairport beim Rück­flug von Leipzig nach Paderborn verlegt worden war.

Was können Kunden tun, wenn kurz vor Reiseantritt die Abflug­zeit um Stunden verschoben wird?

Bei erheblichen Flug­zeit­änderungen ist ein Rück­tritt möglich. Aber häufig wollen die Kunden ja in den Urlaub reisen. Wenn der Veranstalter trotz nochmaliger Aufforderung die ursprüng­lichen Zeiten nicht einhält, können Betroffene einen Ersatz­flug buchen und Kosten­erstattung fordern. Wer die Änderung hinnimmt, kann eine Minderung des Reise­preises geltend machen. Da es oft nur ein paar Prozent vom Tages­reise­preis zurück­gibt, fällt sie aber meist klein aus.

Wichtig!

Pauschal­reisende haben, wenn sie ihr Reiseziel mehr als drei Stunden später als geplant erreichen, auch einen Anspruch auf Entschädigung gemäß der europäischen Flug­gast­rechte-Verordnung – und zwar gegen­über der Air­line. Mehr zum Thema in unserem umfang­reichen Special Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung.

11.07.2017
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