Pauschalreise Meldung

Ein Reisesicherungsschein schützt Urlauber bei Insolvenz des Veranstalters. Dies gilt auch, wenn die Reise mangels Nachfrage abgesagt wird, entschied der BGH. Neue Hoffnung bringt das Urteil auch Geschädigten des insolventen Reiseveranstalters Delphin Cruises. test.de informiert, worauf Pauschalreisende achten sollten.

Urlaub fällt aus

Veranstalter von Pauschalreisen müssen sich für den Pleitefall versichern. Haben Kunden ihr Geld an den Veranstalter überwiesen und sagt dieser die Reise wegen Insolvenz ab, bekommen sie ihr Geld vom Versicherer zurück. Dies gilt auch, wenn ein Veranstalter eine Reise mangels Nachfrage absagt und einen Monat später die Insolvenz beantragt, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem aktuellen Urteil (Az. X ZR 44/11).

Sicherungsschein ist Pflicht

Reisebüros haben die Pflicht, ihren Kunden vor Beginn einer Pauschalreise einen Sicherungsschein auszuhändigen. Mit diesem Schein haben Kunden den Nachweis, dass der Veranstalter eine Insolven­zversicherung abgeschlossen hat. Das gilt auch für Last-Minute-Reisen. Ausgegeben wird der Schein aber erst für Reisen ab einem Preis von 75 Euro und einer Reisedauer von mindestens 24 Stunden.

Warum der Schein wichtig ist

Der Insolvenzversicherer zahlt im Ernstfall bereits gezahltes Kundengeld zurück. „Urlauber sollten die Angaben auf dem Sicherungsschein unbedingt beim darauf angegebenen Versicherer überprüfen,“ sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Es gab vereinzelt Fälle, in denen unseriöse Veranstalter einen Sicherungsschein gefälscht haben.“ Kunden standen ohne Versicherungsschutz und ohne Urlaub da. Ihre bereits bezahlten Beträge erhielten sie nicht zurück.

Gut informieren

Bei Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Veranstalters können sich Kunden im Reiseveranstalterregister www.tip.de darüber informieren, ob der Versicherer die Reise versichert hat. Die Angaben der Versicherer sind aber freiwillig. Noch sicherer ist es daher, sich vor Reisebeginn direkt beim entsprechenden Insolvenz­versicherer nach der Gültigkeit des Versicherungsschutzes für die Reise zu erkundigen. Die Versicherer haben eine Auskunftspflicht. Adresse und Telefonnummer stehen auf dem Sicherungsschein. Wer den Schein nicht erhält, sollte sich an die Gewerbeaufsicht wenden. Auf Verstöße stehen Geldbußen bis zu 5 000 Euro.

Kalte Füße statt Sonne

In dem Fall, über den der BGH jüngst urteilte, hatte ein Ehepaar im Jahr 2009 eine Kreuzfahrt für den Winter 2010 gebucht. Sie überwiesen je 7 400 Euro an den Reiseveranstalter, nachdem sie den „Sicherungsschein für Pauschalreisen“ erhalten hatten. Anfang August 2009 teilte der Veranstalter mit, die Reise finde mangels Nachfrage nicht statt. Im Dezember 2009 wurde das Insolvenzverfahren gegen den Veranstalter eröffnet. Der Insolvenzversicherer wollte nicht zahlen. Grund: Die Reise sei nicht wegen der Insolvenz abgesagt worden, sondern mangels Nachfrage.

BGH stärkt Insolvenzschutz

Das ließ der BGH nicht gelten. Die EU-Richtlinie für Reiseveranstalter schreibt vor, dass der Veranstalter für den Fall seiner Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz „die Erstattung gezahlter Beiträge oder die Rückreise des Verbrauchers sicherzustellen hat“, betont der BGH. Die Insolvenz muss nicht ursächlich für den Reiseausfall sein. Der Sicherungsschein greift auch bei einer vorherigen Absage der gebuchten Reise mangels Nachfrage. Das Ehepaar bekommt das Geld daher zurück.

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