Mindern statt selbst buchen

Wer urplötzlich in den Nach­stunden zum Rück­flug aufbrechen soll, kann möglicher­weise auf eigene Faust einen anderen Flug zu vernünftigen Zeiten buchen. Es ist in solchen Fällen häufig auch alternativ möglich, den Reise­preis zu mindern.

Wegen Vorverlegung Reise­preis mindern

Die kurz­fristige Buchung der Rück­reise auf eigene Faust kann recht teuer werden. Deshalb ist zu erwarten, dass die Reise­ver­anstalter ihren Kunden gerade bei Billig-Pauschal­reisen nicht ohne weiteres selbst gebuchte Rück­flugti­ckets erstatten werden. Wer einen Rechts­streit scheut und den Ärger durch die Flug­verlegung schluckt, sollte zurück in Deutsch­land aber wenigs­tens seinen Anspruch auf Reise­preis­minderung gegen­über dem Reise­ver­anstalter geltend machen. Zwar gelten Flug­zeit­änderungen am An- und Abreisetag grund­sätzlich als hinzunehmende Unannehmlich­keit. Gerichte sehen diese Tage als Reis­etage und nicht als Erholungs­tage an. Wird die Nacht­ruhe beein­trächtigt, wird eine Flug­vorverlegung aber häufig doch zu einem Mangel, der eine Reise­preis­minderung recht­fertigt. Hier gibt es schon recht viele kundenfreundliche Urteile. So hat etwa das Amtsgericht Düsseldorf in der Vorverlegung des Rück­flugs von 17.30 Uhr auf 5.10 Uhr einen Mangel gesehen, da der Bus­transfer zum Flughafen bereits um 01.35 Uhr beginnen sollte. Das Amts­gericht Hannover hingegen verneinte einen Mangel trotz Vorverlegung des Flugs um mehr als 9 Stunden von 18.45 Uhr auf 9.25 Uhr früh (Az. 560 C 4074/02) – die Nacht­ruhe der betroffenen Urlauber war durch die Flug­zeit­änderung nicht beein­trächtigt.

46 Euro Reise­preis­minderung für betroffenen Urlaubs­tag

Ist die Nacht­ruhe beein­trächtigt, billigen die Gerichte als Minderungs­quote bis zu 100 Prozent des Reise­preises für einen Urlaubs­tag zu. Im BGH-Fall hatten die beiden Urlauber für die Vorverlegung vom Veranstalter freiwil­lig rund 21 Euro pro Person erstattet bekommen. Die Vorinstanzen hatten den Reisenden weitere 25 Euro zugebilligt. Da der sieben­tägige Türkei-Urlaub pro Person 369 Euro gekostet hatte, entsprach die Gesamt­minderungs­summe pro Person in Höhe von 46 Euro rund 87 Prozent – bezogen auf den betroffenen letzten Urlaubs­tag.

Kein Ersatz für entgangene Urlaubs­freuden

Allerdings hatte das Münchner Pärchens nicht primär die Zahlung der Reise­preis­minderung als Ziel. Neben der Erstattung ihrer selbst organisierten Rück­fluge wollten sie wegen der Vorverlegung der Flug­zeit den Reise­vertrag insgesamt kündigen. Sie verlangten fast den gesamten Reise­preis zurück und zusätzlich eine Entschädigung für entgangene Urlaubs­freuden in Höhe von insgesamt rund 2 600 Euro. Diesen Forderungen wider­sprach der Bundes­gerichts­hof in seiner Entscheidung jedoch. Der Reise­mangel sei nicht so erheblich, dass der Reise­vertrag gekündigt werden könne. Auch Ersatz für entgangene Urlaubs­freude käme nicht in Betracht.

Der Weg zur Reise­preis­minderung

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die richtige Reklamation bei Reisemängeln finden Sie im Gewusst wie: Reisepreis mindern. Einen ersten Anhalt über die mögliche Minderungs­höhe bietet die Tabelle: So viel können Sie zurückverlangen. Wollen Sie direkt gegen die Fluggesell­schaft etwa wegen einer Verspätung oder einer Flugannullierung vorgehen und scheuen Sie die Kosten eines Rechts­streits, dann finden Sie möglicher­weise Hilfe bei sogenannten Fluggasthelfern. Sie arbeiten auf Provisions­basis und verlangen nur dann etwas für ihre Dienste, wenn das Vorgehen der Reisenden gegen die Flug­linien Erfolg hat.

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