Pauschal­reise Special

Wird der Rück­flug aus dem Urlaub um zehn Stunden vorverlegt, so dass Reisende mitten in der Nacht zum Flughafen aufbrechen müssen, stellt dies einen Reise­mangel dar. Dadurch mindert sich der Reise­preis. Statt den Preis zu kürzen, können Betroffene in bestimmten Fällen aber auch auf eigene Faust einen späteren Rück­flug buchen und sich die Auslagen vom Veranstalter zurück­holen. Das hat jetzt der Bundes­gerichts­hof entschieden.

Abholung vom Hotel nachts um 01.15 Uhr

Auch so kann ein schöner Urlaub zu Ende gehen: Am letzten Urlaubs­tag um 16.30 Uhr gibt der Reise­ver­anstalter durch einen Aushang im Hotel bekannt, dass der Rück­flug von der Türkei nach Deutsch­land am nächsten Tag nicht nach­mittags um 16.40 Uhr, sondern bereits um 5.15 Uhr früh statt­findet. Die Urlaubs­gäste mögen sich bitte für den Bus­transfer vom Hotel zum Flughafen um 01.25 Uhr bereit halten. So hatten es zwei Pauschal­urlauber aus München Ende Mai 2009 erlebt – und wollten sich nicht vor voll­endete Tatsachen setzen lassen: Sie ließen den frühen Flug sausen und buchten statt­dessen auf eigene Faust einen späteren Rück­flug für 14.00 Uhr. Die Tickets bezahlten sie selbst – zuhause in Deutsch­land verlangten sie dann vom Veranstalter Ersatz für ihre Kosten in Höhe von rund 500 Euro.

Kosten­ersatz für selbst organisierte Abreise

Da sich der Reise­ver­anstalter und die verärgerten Urlauber nicht einigen konnten, ging der Fall vor Gericht und landete schließ­lich beim Bundes­gerichts­hof (BGH). Die Bundes­richter entschieden: Die Vorverlegung der Abreise um zehn Stunden war in diesem Fall ein Reise­mangel. Pauschal­reisende wie das betroffene Münchner Pärchen dürfen diesen Mangel auch selbst beheben, in dem sie Rück­flüge selbst organisieren. Der Veranstalter muss die Kosten über­nehmen, wenn er selbst keine Alternativen angeboten habe. Aber: Bevor Betroffene eigen­ständig buchen, müssen sie den Reise­ver­anstalter zur Abhilfe des Mangels auffordern und dafür eine angemessene Frist setzen, so die Richter (Az. X ZR 76/11). Erst wenn der Veranstalter der Aufforderung nicht nach­komme, müsse er die Rück­reise auf eigene Faust ersetzen. Ob das Paar den Veranstalter am Urlaubs­ort zur Abhilfe aufgefordert hatte, blieb im Türkei-Fall unklar. Die Richter verwiesen den Fall deshalb an die Vorinstanz zurück. Das Land­gericht Düssel­dorf muss nun prüfen, ob die Pauschal­reisenden tatsäch­lich zuvor Abhilfe verlangt hatten oder so ein Verlangen ausnahms­weise gar nicht nötig war.

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