Immer mehr Menschen kümmern sich um ihre recht­liche Vorsorge, damit sie bis zum Lebens­ende selbst­bestimmt bleiben. Im eigenen Interesse regeln sie in einer Patienten­verfügung, für welche Krank­heits­situation sie in bestimmte medizi­nische Behand­lungen einwilligen oder welche Maßnahmen sie ablehnen. Die Umsetzung von Patienten­verfügungen stellt Ärzte im Klinikall­tag jedoch vor Heraus­forderungen.

Patienten­verfügung gehört zum guten Ton

Die Patienten­verfügung ist im deutschen Klinikall­tag ange­kommen. „Es gehört jetzt zum guten Ton bei der Aufnahme danach zu fragen“, sagt Karl-Heinz Wehkamp, Professor für Medizinmanagement und -ethik an der Universität Bremen. In einer Patienten­verfügung legen Menschen schriftlich im Voraus fest, für welche Krank­heits­situation sie in bestimmte medizi­nische Behand­lungen einwilligen und welche sie ablehnen. Je konkreter die Vorstel­lungen formuliert sind, um so einfacher für Ärzte, dem Willen zu folgen. Die Verfügung schützt Menschen vor Fremd­bestimmung, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen zu äußern. Doch es gibt immer noch Unsicherheit im Umgang mit Patienten­verfügungen. Und manche Ärzte und Medizin­ethiker sind der Ansicht, dass Laien die medizi­nische Fachkennt­nis fehlt, um allein oder nur mit einer recht­lichen Beratung eine Patienten­verfügung sachgerecht zu verfassen.

Tipp: Das Spezial Vorsorge-Ratgeber informiert über notwendige Voll­machten: Die Vorsorgevoll­macht, die Betreuungs­verfügung und die Patienten­verfügung. Unser Ratgeber erklärt auf 104 Seiten Unterschiede und Fall­stricke – und enthält alle Formulare zum Heraus­trennen mit Ausfüll­hilfe. Das Spezial Vorsorge-Ratgeber ist im test.de-Shop erhältlich, es kostet als gedrucktes Heft 10 Euro und als PDF 8 Euro. Damit die Verfügungen präzise und rechts­sicher sind, haben die Finanztest-Experten zudem Vorsorgeformulare mit interaktiven Ausfüllhilfen entwickelt. Das 17-seitige Infodokument kann für 5 Euro herunter­geladen werden.

Medizi­nische Kennt­nisse helfen

„Nur wenige Menschen holen sich ärzt­lichen Rat, bevor sie ihre Patienten­verfügung verfassen. Das sehe ich als über­aus problematisch“, sagt Kurt Schmidt, Pfarrer und Leiter des Zentrums für Ethik in der Medizin am Agaplesion Markus Kranken­haus in Frank­furt am Main. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die Verfügungen oft zu vage verfasst sind. Das Kranken­haus entschied sich, Beratungs­seminare anzu­bieten. „Ein Groß­teil der Teilnehmer sah nach unserem Seminar einen erheblichen Korrekturbedarf an ihren bereits erstellten Verfügungen“, sagt er. Tatsäch­lich kann ein Laie kaum absehen, welche Lebens­chancen er verwirkt, wenn er eine künst­liche Ernährung grund­sätzlich ablehnt. Er weiß auch nicht, wie Schmerz- und Betäubungs­mittel die Lebens­qualität Schwerkranker verbessern können. Auch Georg Marck­mann, Professor am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der Ludwig-Maximilians-Universität München sieht ein Haupt­problem darin, dass Patienten­verfügungen in den meisten Fällen ohne eine qualifizierte ärzt­liche Beratung verfasst werden.

Ärzte unter Zeit­druck

An den Problemen in der Praxis sind aber nicht allein die Verfasser der Verfügungen schuld. Karl-Heinz Wehkamp, der zehn Jahre als Arzt gearbeitet und ein Forschungs­projekt zum Therapie­verzicht geleitet hat, hält auch den Mangel der Ärzte an Zeit und Gesprächs­kompetenz für ein Problem. Das Umsetzen von Patienten­verfügungen erfordere oft Fingerspitzengefühl und Interpretations­vermögen. „Bei unklaren Verfügungen müssen Ärzte mit dem Bevoll­mächtigten oder Betreuer erforschen, was der Patient wollen würde, wenn er seine Situation gut einschätzen könnte“, sagt der Bremer Professor. Eine Verfügung, die auf die konkrete Behand­lungs­situation zuge­schnitten ist, macht es den Ärzten leichter. „Anhand klarer Vorgaben kann das Behand­lungs­team eine konsequente Behand­lungs­strategie entwickeln“, sagt Wehkamp.

Unser Rat

Eine Patienten­verfügung ist sinn­voll, denn sie hilft Bevoll­mächtigten, Betreuern und Ärzten, Ihren Willen zu erkennen, wenn Sie sich nicht äußern können. Holen Sie sich medizi­nischen Rat, zum Beispiel beim Haus­arzt, bei unabhängigen Patientenberatern, Hospiz­ver­einen, Kliniken oder einem Fach­anwalt für Medizinrecht.

Dieser Artikel ist hilfreich. 63 Nutzer finden das hilfreich.