Interview: „Klären, was in der Kranken­akte steht“

Patientenquittung Special

Beate-Kathrin Bexterm­öller ist Projektleiterin im Team Versicherungen und Recht bei Finanztest.

Berufs­unfähigkeits­versicherer holen ärzt­liche Auskünfte über ihre Kunden ein. Patienten sollten zuvor mit dem Arzt die Akten auf Unstimmig­keiten durch­gehen, rät Beate-Kathrin Bexterm­öller.

Was kann einem Verbraucher passieren, wenn sein Arzt der Berufs­unfähigkeits­versicherung Unterlagen mit über­triebenen Diagnosen schickt?

Er wird beur­teilt, als hätte er die Krankheiten wirk­lich. Wir haben mehr­fach Leser befragt, die sich gegen Berufs­unfähigkeit versichern wollten. Wegen Vorerkrankungen wurden manche abge­lehnt oder erhielten Verträge mit Leistungs­ausschlüssen. Kunden wissen dann in der Regel nicht, was dazu führte – eine fehler­hafte Information oder eine echte Krankheit, die der Versicherer als gravierend einschätzt.

Falls man schon eine Berufs­unfähigkeits­versicherung hat – sind falsche Angaben dann egal?

Nein, sie können bis zu zehn Jahre nach Vertrags­schluss noch Folgen haben: Wenn jemand berufs­unfähig wird, prüft der Versicherer die Kranken­geschichte erneut. Stößt er dabei auf eine Krankheit, die der Kunde nicht im Antrag angegeben hat, kann der Kunde den Versicherungs­schutz verlieren – ohne dass er gezahlte Beiträge zurück­bekommt.

Nicht nur der Haus­arzt ist wichtig

Wie können Kunden sich schützen?

Hinterher zu beweisen, dass die Angabe des Arztes falsch ist und man selbst nichts davon wusste, ist schwierig. Deshalb: Bevor Kunden eine Versicherung beantragen, sollten sie unbe­dingt abklären, was in ihren Akten beim Arzt steht, und Fehler bereinigen. Wichtig ist auch, sich mit dem Arzt abzu­sprechen und ihn zu bitten, nur Daten für den im Versicherungs­antrag genannten Zeitraum weiterzugeben, beispiels­weise die letzten fünf Jahre. Versicherer begrenzen ihre Abfrage oft nicht zeitlich, wenn sie Auskünfte von Ärzten einholen. Nicht nur der Haus­arzt ist wichtig, sondern beispiels­weise auch der Ortho­päde oder Frauen­arzt. Fordern Sie Patientenquittung und -akte an. Erscheinen Sie dort kränker, als Sie sind, drohen bei Versicherungen Nachteile.

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