Millionen von Singles suchen im Internet nach einem Partner. Der Test zeigt, welche Portale dafür am besten geeignet sind.

Bei der Online-Singlebörse Flirtcafe fallen schon nach kurzer Zeit zwei Nutzer­gruppen besonders auf: unglaubwürdige Frauen und verzweifelte Männer. So schreibt ein offensicht­lich genervter Sven, der sich die Part­nersuche auf dem Portal wahr­scheinlich 114 Euro hat kosten lassen, an unsere Testerin: „Ich schreibe jetzt mal jeden an, nur um zu testen, ob hier über­haupt irgend­jemand aktiv ist ... Du bist bestimmt auch nur ein Bild.“

Bikini-Beautys mit üppiger Ober­weite

Svens Zweifel sind berechtigt. Denn bei fast jeder Suche nach einer Frau bis etwa 35 Jahre zeigt Flirtcafe jede Menge Biki­nisch­önheiten mit üppiger Ober­weite an, oft in aufreizenden erotischen Posen. Offen­bar zu schön, um wahr zu sein. Kontakt­versuche mit diesen Beautys blieben im Test jedenfalls immer erfolg­los.

Parship schneidet gut ab

Part­nerbörsen Test

Testsieger: Bei der Partner­vermittlung Parship warten viele Singles, die an einer längeren Beziehung interes­siert sind. 180 Euro für drei Monate sind aber kein Pappen­stiel.

Testsieger: Bei der Partner­vermittlung Parship warten viele Singles, die an einer längeren Beziehung interes­siert sind. 180 Euro für drei Monate sind aber kein Pappen­stiel.

Doch es gibt auch seriöse Datingportale im Internet. Bis auf Testsieger Parship schneiden alle aber bestenfalls befriedigend ab. Das liegt jedoch weniger an der Vermitt­lung, sondern häufig am laxen Umgang der Anbieter mit den Nutzer­daten und an unfreundlichen Geschäfts­bedingungen.

Rund sieben Millionen Singles sollen in Deutsch­land in Online-Part­nerbörsen auf der Suche sein. Ein lukratives Geschäft für die Betreiber, die mit Slogans werben wie „Hier verliebt man sich“, „Einfach den richtigen Partner finden“ oder „Jemand wartet auf Dich“. Der Branchen­umsatz hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht und lag im Jahr 2009 bei rund 180 Millionen Euro.
Wir haben zwei Varianten der Part­nersuche im Internet getestet:

  • Singlebörsen werden eher von jüngeren Leuten genutzt. Hier geht es nicht primär um den Partner fürs Leben, sondern mehr ums Flirten, Spaß­haben und Neue-Freunde-Finden. Dafür müssen die Mitglieder selbst aktiv werden, das heißt, sie durch­forsten anhand von selbst­gewählten Kriterien die Daten­bank nach passenden Part­nerprofilen.
  • Partner­vermitt­lungen unterbreiten ihren Mitgliedern nach einem Persönlich­keits­test Part­nerv­orschläge. Das Publikum ist hier etwas älter und eher an lang­fristigen Part­nerschaften interes­siert.

Echte Singles als Tester

14 Singles aus Berlin und Köln haben drei Monate lang acht beliebte Singlebörsen und sechs Partner­vermitt­lungen im Internet für uns getestet. Jeder Anbieter wurde jeweils von zwei Frauen und zwei Männern unter realen Bedingungen in Anspruch genommen. Zusätzlich haben zwei Experten alle Portale gründlich gecheckt.

Gefunkt hat es nicht

Im Gegen­satz zu unserem letzten Test (siehe „Online-Partnersuche“ aus test 10/2005) hat es diesmal nicht gefunkt. Jedenfalls war der oder die Richtige für unsere Test-Singles nicht dabei. Was aber nicht gegen die Online-Part­nersuche spricht. Selbst die Anbieter beziffern die Erfolgs­quote meist nur auf 30 bis 40 Prozent.

Dass es nicht klappt, könnte freilich auch an einer über­zogenen Erwartungs­haltung liegen. Wem suggeriert wird, dass er unter Millionen Singles auswählen kann, der sucht nach Mister oder Miss Perfect. „Paar­bildung ist aber immer ein Kompromiss“, sagt der Wuppertaler Sozial­psychologe Manfred Hassebrauck, der seit 30 Jahren Paarbeziehungen erforscht. Er findet, dass die Anbieter der Onlinebörsen deutlicher darauf hinweisen sollten.

Das Blaue vom Himmel versprochen

Die vermitteln aber eher das Gegen­teil. Vor allem die Partner­vermitt­lungen, die meist wesentlich mehr Geld verlangen als die Singlebörsen, versprechen geradezu das Blaue vom Himmel. Mit wissenschaftlichen Methoden wollen sie für jeden den absolut passenden Partner finden. Das Zauber­wort heißt „Matching“ (eng­lisch to match: abgleichen). Mithilfe eines mehr oder weniger umfang­reichen Persönlich­keits­tests werden angeblich nur Partner vorgeschlagen, die wirk­lich passen.

Elite­partner und die Glücks­formel

Part­nerbörsen Test

Für die Generation 50plus: Als Besonderheit haben wir eine Part­nerbörse für Ältere getestet. Sie bietet einen umfang­reichen Service, hat aber auch deutliche Schwächen.

Für die Generation 50plus: Als Besonderheit haben wir eine Part­nerbörse für Ältere getestet. Sie bietet einen umfang­reichen Service, hat aber auch deutliche Schwächen.

So soll die Vermitt­lung bei be2 auf einem wissenschaftlichen Analysever­fahren basieren, „das anhand von psycho­logischen, anthro­pologischen und soziologischen Kriterien die Kompatibilität von zwei Persönlich­keiten ermittelt“. Elite­partner will sogar eine wissenschaftliche Glücks­formel gefunden haben. Ob sich ein so komplexes und subjektives Gefühl wie Liebe mithilfe von mathematischen Formeln vermitteln lässt, sei dahin­gestellt. Immerhin gab es bis auf Flirtcafe bei allen getesteten Part­nerbörsen etliche passende Part­ner­angebote, zumindest der Papierform nach.

Kommunizieren können die Liebes­hung­rigen meist erst, wenn sie bezahlt haben. Auch mit Infos zu Kosten und Vertrags­bedingungen halten viele Anbieter lange hinter dem Berg. Dafür werden diejenigen, die sich kostenlos angemeldet haben, häufig mit einer Flut von Kontakt­anfragen geködert. Nur ein zahlender Kunde ist ein guter Kunde.

Doch warum Geld ausgeben, wenn man den nahezu gleichen Service auch umsonst bekommt? Im Test bei Finya. Das Portal ist sogar besser als viele kosten­pflichtige Anbieter. Nur bei der Daten­verschlüsselung hapert es. Doch in diesem Punkt sind viele andere auch nicht besser.

Angreifer können Daten einsehen

Part­nerbörsen Test

Kostenlos: Bei Finya kann jeder gratis nach einem Partner suchen. Das Angebot ist sogar besser als bei vielen kosten­pflichtigen Börsen. Bei der Daten­verschlüsselung hapert es aber.

Kostenlos: Bei Finya kann jeder gratis nach einem Partner suchen. Das Angebot ist sogar besser als bei vielen kosten­pflichtigen Börsen. Bei der Daten­verschlüsselung hapert es aber.

So sind die Daten­schutz­ver­einbarungen von eDarling, Flirtcafe, Friends­cout24, neu.de und partner.de unwirk­sam, weil sich die Anbieter beispiels­weise ein zu weit­gehendes Recht an der Nutzung der Kunden­daten einräumen. Und bei der Daten­über­tragung wird oft viel zu wenig Sorgfalt auf die Verschlüsselung gelegt. Zwar schützen bis auf Flirtcafe alle die sensiblen Zahlungs­daten, nicht aber persönliche Angaben und Anmelde­daten. Die werden häufig lesbar über­mittelt. Für Angreifer ist es damit möglich, einen Zugriff auf das Profil zu erhalten. Nur Elite­partner schützt die Kunden­daten vorbild­lich. Auch Testsieger Parship sollte beim Verschlüsseln nachbessern. Bei den Vertrags­bedingungen ist das bereits geschehen. Kunden, die ihren Vertrag widerrufen, werden nicht mehr 120 Euro in Rechnung gestellt, allerdings erst nach einer Abmahnung durch die Verbraucherzentrale Hamburg. Per Unterlassungs­erklärung verpflichtet sich Parship, das Widerrufs­recht für das Persönlich­keits­gut­achten nicht mehr vom Widerruf auszuschließen.

Verträge über das Internet können meist inner­halb von 14 Tagen widerrufen werden. Darauf muss der Anbieter eindeutig hinweisen. Doch einige Widerrufs­belehrungen sind nicht korrekt und damit unwirk­sam. Folge: Der Kunde kann in diesem Fall jeder­zeit widerrufen. Im Test ist das bei Friends­cout24, Flirtcafe, flirt-fever und part­nersuche.de der Fall.

Vier Anbieter haben deutliche und zwei sogar sehr deutliche Mängel in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen. Sie verwenden unwirk­same Klauseln, etwa zu Kündigungs­fristen und Rück­zahlungs­modalitäten, die die Verbraucher benach­teiligen. Seriosität sieht anders aus.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Die Anony­mität des Internets lockt zwielichtige Gestalten an. So gibt es Mitglieder, die es offen­bar erregt, Frauen obszöne Nach­richten zu senden. Andere versuchen, Mitglieder auf obskure und teure Internet­seiten abzu­werben. Eine andere Masche bezeichnen Juristen als Vorschuss­betrug. Dabei versuchen gewiefte Betrüger, Leicht­gläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie gaukeln ihnen vor, der lange gesuchte Traum­partner zu sein. Um sich treffen zu können, müsse aber erst Geld über­wiesen werden, zum Beispiel für das Flugti­cket oder Visum.

Ein Tester wurde gleich 14-mal mit unseriösen Abwerbungen belästigt, und das bei einer einzigen Singlebörse: Flirtcafe.

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