Pantoffel-Portfolios Special

Unsere neue Anla­gestrategie für Bequeme stößt auf reges Interesse. Viele Leser wollten mehr dazu wissen.

Ein Depot zusammen­stellen, ab und zu nach dem Rechten sehen und es sich ansonsten gemütlich machen. So funk­tionieren die Pantoffel-Portfolios – die neue Anla­gestrategie, die wir im April-Heft vorgestellt haben. Die Portfolios sind bequem, kosten wenig und bieten die Chance auf vernünftige Renditen.

Zunächst entscheiden sich die Anleger, wie sie ihr Geld auf sichere und riskante Fonds aufteilen wollen. Wer viel Wert auf Sicherheit legt, baut sein Portfolio mit einem Aktienfonds­anteil von nur 25 Prozent auf, der risiko­bereite Typ kauft 75 Prozent Aktien. Die ausgewogene Variante besteht zur Hälfte aus Aktienfonds.

Der sichere Teil des Depots besteht immer aus Rentenfonds Euro, das sind Fonds, die in Anleihen investieren.

Der Aktien­anteil besteht je nach Pantoffel­variante aus verschiedenen Aktienfonds. Für Anfänger besonders gut geeignet ist das Welt­portfolio mit Aktienfonds Welt. Wer zusätzlich in Schwellenländer investieren will, wählt das Tigerportfolio. Es gibt insgesamt sieben Pantoffel-Portfolios (www.test.de/pantoffel-portfolio).

Ich habe mich für den Deutsch­land-Pantoffel entschieden. Aber welche Fonds soll ich denn jetzt genau kaufen?

In unserer Unter­suchung haben wir für alle Pantoffel-Portfolios beispielhaft Fonds genannt, die Sie nehmen können. Es sind börsen­gehandelte Indexfonds, ETF, weil sie günstig sind und Sie damit die Märkte ziemlich genau nach­bilden können.

Ein ETF, der den Aktien­index MSCI Deutsch­land abbildet, ist der Amundi MSCI Germany (Isin FR 001 065 571 2). Als Beispiel für den Anleihen­anteil haben wir den Fonds db x-trackers iBoxx € Sover­eigns Eurozone (LU 029 035 571 7) aufgeführt. Sie können auch andere als die von uns genannten ETF kaufen, für Deutsch­land etwa ETF auf den Leit­index Dax. Der Dax enthält allerdings weniger Werte als der Index von MSCI.

Ich weiß nicht, wo ich die Pantoffel­fonds bekommen kann.

Die Fonds bekommen Sie bei jeder Bank. Entweder Sie sagen Ihrem Berater, welchen Fonds er für Sie kaufen soll und nennen ihm die Kenn­nummer Isin oder Sie kaufen online selbst. Online ist meist güns­tiger. Wenn Sie keine Erfahrung mit Fonds haben, ist der Berater die bessere Anlauf­stelle.

Für Ihren Pantoffel brauchen Sie außerdem einen Schrank – ein Depot. Wo Sie ein güns­tiges Depot eröffnen können, haben wir in der Mai-Ausgabe veröffent­licht (siehe www.test.de/depot).

Die Aktienmärkte boomen. Ist es klug, jetzt einzusteigen?

Neue Höchst­stände bedeuten nicht, dass es zwingend wieder abwärts gehen muss. Die Börsen könnten noch weiter gut laufen. Um das Risiko zu umgehen, den schlechtesten Einstiegs­zeit­punkt zu erwischen, investieren Sie Ihr Geld in zwei, drei Teilen im Abstand von ein paar Monaten.

Der von Ihnen für den sicheren Anteil empfohlene Rentenfonds von db x-trackers enthält auch Staats­anleihen aus Italien oder Spanien. Haben Sie das berück­sichtigt?

Ja, haben wir. Aus unserer Sicht bietet dieser Index einen guten Mix aus sehr sicheren Anleihen, etwa aus Deutsch­land, aber auch rent­ableren Papieren. Anleihen der Krisenländer Griechen­land oder Portugal sind nicht dabei, wohl aber spanische und italienische Papiere, die allgemein noch als ausreichend sicher angesehen werden.

Wenn Ihnen das trotzdem zu riskant ist, können Sie auch einen Fonds kaufen, der nur deutsche Staats­anleihen enthält, den ETF iShares eb.rexx Government Germany zum Beispiel (DE 000 628 946 5).

Kann ich auch mehrere Aktienfonds Welt oder mehrere Rentenfonds Euro mischen?

Sie können mischen, ganz wie Sie wollen. Beachten Sie aber, dass sich Ihre Pantoffeln nicht mehr so bequem anfühlen, wenn Sie mehrere Fonds haben. Sie müssen mehr rechnen, wenn Sie Ihr Depot anpassen wollen, und es kann auch deutlich teurer werden, weil Sie kleinere Beträge handeln.

Ich würde gerne drei Pantoffeln gleich­zeitig haben. Geht das?

Genauso wenig, wie Sie drei Paar Schuhe über­einander anziehen würden, sollten Sie sich mehrere Pantoffeln ins Depot legen. Die Pantoffel­idee bezieht sich auf das gesamte Portfolio.

Wenn Sie sich zum Beispiel für das Tiger- und das Rohstoff­portfolio interes­sieren, splitten Sie den Aktien­teil einfach. Angenommen, Sie wählen die riskante Variante, die zu dieser Idee wohl am besten passen würde, dann enthielte Ihr Depot 25 Prozent Rentenfonds und 60 Prozent Aktienfonds Welt, ein Anteil von je 7,5 Prozent würde zudem in einen Schwellenländerfonds und einen Rohstoff­fonds fließen.

Bei dem genannten Rentenfonds von db x-trackers handelt es sich um einen ausländisch thesaurierenden Fonds. An anderer Stelle weisen Sie darauf hin, dass das steuerlich ungünstig ist und man mehr Aufwand mit dem Finanz­amt hat. Kann da von einer bequemen Geld­anlage noch die Rede sein?

Ein thesaurierender Fonds behält die Erträge im Fonds. Das hat den Vorteil, dass Sie sich nicht andauernd um die Wieder­anlage der ausgeschütteten Erträge kümmern müssen, was aufwendiger sein kann als eine Steuererklärung. Außerdem können die ständigen Orders für die Wieder­anlage ganz schön ins Geld gehen.

Das Problem bei ausländischen thesaurierenden Fonds ist, dass es zu einer Doppel­besteuerung kommen kann. Die Erträge werden zwar im Fonds behalten, trotzdem müssen Sie sie jähr­lich in Ihrer Steuererklärung angeben. Verkaufen Sie den Fonds später, zieht Ihnen die Bank aber noch einmal Steuern ab. Zum einen behält sie die Steuer auf eventuelle Kurs­gewinne ein, zum anderen aber auch auf die jähr­lichen Erträge – die Sie bereits versteuert haben.

Um die zuviel gezahlte Steuer wieder­zubekommen, müssen Sie Ihre bisherigen Zahlungen dem Finanz­amt nach­weisen. Bewahren Sie daher Ihre Unterlagen gut auf.

Bei deutschen thesaurierenden Fonds kommt es nicht zu dieser Doppel­besteuerung. Allerdings gibt es solche Fonds so gut wie nicht.

Wenn Sie die Bürokratie mit dem Finanz­amt vermeiden und trotz der Nachteile lieber die Ausschüttungen wieder anlegen wollen, können Sie auch einen ausschüttenden Fonds kaufen. Eine Auswahl finden Sie unter www.test.de/fonds in unserem kosten­pflichtigen Produktfinder.

Sie sollten aber wissen, dass die Fonds­gesell­schaften ändern können, wie sie mit den laufenden Erträgen der Fonds umgehen. Aus einem ausschüttenden Fonds kann ein thesaurierender werden.

Wenn das Depot aus dem Gleichgewicht geraten ist, muss ich dann Geld nach­schießen?

Nein. Sie schichten um. Sie verkaufen Anteile an dem Fonds, dessen Gewicht im Depot zu groß geworden ist. Für dieses Geld kaufen Sie von dem anderen Fonds nach. Wir empfehlen umzu­schichten, wenn sich das Gewicht eines Fonds um mehr als 20 Prozent verschoben hat, wenn er also zum Beispiel statt der Hälfte auf einmal 60 Prozent des Depot­wertes ausmacht.

Wie oft muss ich umschichten? Einmal im Jahr?

Nein, Sie sollten das Depot zwar einmal im Jahr kontrollieren, aber umschichten müssen Sie nur, wenn die Fonds um mehr als 20 Prozent von ihrer anfäng­lichen Gewichtung abweichen. Sollte sich an den Märkten viel getan haben – nach einem Crash oder bei neuen Höchst­ständen – sollten Sie Ihr Depot sicher­heits­halber auch zwischen­durch einmal kontrollieren.

Einige der von Ihnen genannten ETF machen Swaps. Ist das sicher? Ich habe gehört, dass es sich bei diesen Fonds nicht um Sonder­vermögen handelt.

Das ist falsch. ETF sind Sonder­vermögen, genau wie aktiv gemanagte Fonds. Dabei spielt es keine Rolle, auf welche Weise der Fonds den Index nach­bildet, ob mithilfe eines Swaps, eines Tausch­geschäfts oder mit den Original­werten aus dem Index. Mehr zur Konstruktion von ETF finden Sie unter www.test.de unter dem Stich­wort „Swaps“.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema haben, schi­cken Sie uns eine E-Mail:
pantoffel@stiftung-warentest.de

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