Panono Camera Schnelltest

Kamera hoch­werfen, wieder auffangen, einige Minuten warten, fertig ist das Kugel­panorama. Die Idee des Berliner Studenten Jonas Pfeil, eine solche Kamera für Normal­verbraucher zu bauen, wurde dank Crowdfunding bis zur Serien­reife entwickelt. Nun hat der Anbieter Panono Insolvenz angemeldet. test.de erklärt, was Nutzer von der rund 1 500 Euro teuren Panono-Ball­kamera erwarten können – und womit Kunden rechnen müssen, die das Produkt jetzt noch kaufen.

36 Kameras auf eine Kugel verteilt

Die Panono Camera hat die Form einer Kugel mit einem Durch­messer von etwa elf Zenti­metern. Im Inneren der Kugel sind 36 Fixfokus-Kameras montiert, deren Objektive in gleich­mäßigen Abständen über die Kugel verteilt sind. Bei einer Aufnahme werden alle 36 Kameras gleich­zeitig aktiv. Ausgelöst werden kann die Panono auf dreierlei Art:

  • auto­matisch (nach dem Hoch­werfen, über einen Bewegungs­sensor am höchsten Punkt)
  • manuell via App über Smartphone oder Tablet oder
  • über den Auslöseknopf, der an der Kamera montiert ist.

Video: Die Panono-Kamera im Schnell­test

Einzel­fotos werden zu einem Panorama­bild zusammengefügt

Nach dem Auslösen benötigt die Kamera etwa zwölf Sekunden zum Speichern der Bild­daten, die aus 36 Einzel­fotos bestehen. Diese haben zusammen eine Größe von etwa 108 Megapixeln. Die Bild­daten via WLan von der Kamera aufs Smartphone zu über­tragen dauert rund fünf Sekunden, das Laden vom Smartphone in die Panono-Cloud etwa eine Minute. Auf dem Panono-Server werden die 36 Einzel­aufnahmen zu einem einzigen Kugel­panorama-Bild zusammenge­rechnet. Für diese aufwendige Berechnung benötigt der Panono-Server etwa zehn Minuten. Anschließend bekommt der Fotograf einen Link zuge­schickt. Damit er das Bild über­haupt zum Server senden kann, muss er sich allerdings zuvor mit seiner E-Mail-Adresse registriert haben. Das Einloggen über die App funk­tionierte bei unserem Test allerdings nicht auf Anhieb, beim zweiten Versuch mit neuer Mail­adresse und neuem Pass­wort ging es jedoch ohne Probleme.

Wenig manuelle Einstell­möglich­keiten

An der Kamera selbst gibt es keine manuellen Einstell­möglich­keiten; außer dem Ein-/Aus-Schalter, der auch als Auslöser dient. Über die zugehörige App können die Verschluss­zeit, die ISO-Einstellung und der Weiß­abgleich einge­stellt werden. Verschluss­zeit und ISO-Einstellung können nicht unabhängig, sondern nur zusammen auf „auto­matisch“ einge­stellt werden. Manuell kann der Nutzer zwischen Verschluss­zeiten zwischen 1/4000 Sekunde und zwei Sekunden sowie zwischen einem ISO-Wert zwischen ISO 50 und ISO 800 wählen. Der Weiß­abgleich kann auf fünf Werte zwischen 3 000 und 8 000 Kelvin einge­stellt werden – je nachdem, bei welchem Umge­bungs­licht fotografiert werden soll.

Besser nicht fallen lassen

Panono Camera Schnelltest

Geschick­lich­keit ist nicht von Nachteil, wenn man die Ball­kamera in die Luft wirft. Und hier gibts das Kugel­panorama-Bild zum Reinzoomen

Einfacher als mit der Panono-Kamera lassen sich Kugel­panorama-Fotos kaum schießen. Allerdings sollte der Nutzer die etwa 480 Gramm schwere Kugelkamera nach dem Hoch­werfen wieder sicher auffangen und Fehl­griffe tunlichst vermeiden – einen Sturz aus mehreren Metern Höhe auf einen Steinboden dürfte die Panono wahr­scheinlich nicht unbe­schadet über­stehen. Zumindest garan­tiert der Hersteller nicht dafür und weist ausdrück­lich darauf hin, dass sie nur geworfen werden darf, wenn sie sicher gefangen werden kann.

Bild­qualität bei Außen­aufnahmen passabel

Bei Außen­aufnahmen ist die Bild­qualität durch­aus passabel. Die Farben werden ordentlich wiederge­geben, die Einzel­bilder nahezu nahtlos zusammengefügt. Ist die Sonne im Bild, wirkt diese allerdings an den Rändern ziemlich ausgefranst. Bei Innen­aufnahmen sind deutlich mehr Bild­fehler zu sehen, beispiels­weise, dass Bild­kanten nicht korrekt aneinander­gefügt sind. Nahaufnahmen in einem Bereich von weniger als einem Meter weisen die meisten Fehler auf.

Bilder können nur auf dem Panono-Server angeschaut werden

Um andere an seinen Panoramaauf­nahmen teilhaben zu lassen, verschickt der Fotograf einfach via E-Mail oder Messenger-App den entsprechenden Link zum Panono-Server an seine Freunde und Bekannten. Betrachter können die Fotos auf dem Bild­schirm nach Belieben in alle Richtungen drehen und auch in diese hinein­zoomen.

Kaum Kontroll­möglich­keiten bei der Aufnahme

Ein Foto mit hoch­geworfener Ball­kamera ist mehr oder weniger immer ein Zufalls­produkt. Es erfordert einige Übung, die Kamera senkrecht so hoch­zuwerfen, dass diese sich dabei nicht allzu sehr dreht. In letzterem Fall wird die Aufnahme nämlich unscharf – oder die Kamera löst gar nicht erst aus. Bedauerlich ist, dass sich die fertigen Pano­ramen beim Betrachten nicht horizontal ausrichten lassen, wenn sie bei der Aufnahme nicht zufäl­liger­weise bereits parallel zum Horizont aufgenommen wurden. Wie uns der Anbieter mitteilte, können angemeldete Nutzer ihre Pano­ramen manuell auf dem Panono-Server ausrichten. Das geschieht mit drei Reglern und ist wenig intuitiv. Da kein Raster oder Lineal einge­blendet wird, klappt das eher nach der Methode „Versuch und Irrtum“.* Befestigt der Fotograf die Panono bei der Aufnahme an einem Stab oder Stativ, sind die Kontroll­möglich­keiten diesbezüglich besser. Ein solcher Stab (Stick) ist als optionales Zubehör im Panono-Shop erhältlich.

Panono-Server stehen in Irland

Obwohl Panono ein deutsches Unternehmen ist, stehen die Panono-Server in Irland. Dort sind die Daten­schutz­bestimmungen bekann­termaßen erheblich laxer als hier­zulande. So schreibt Panono in seinen Datenschutzbestimmungen beispiels­weise: „Panono nutzt die durch das Setzen von Cookies gespeicherten Daten, um auf den Nutzer und seine Interessen abge­stimmte Werbung zu erstellen (sogenanntes Onsite-Targeting). Panono nutzt diese Informationen ausschließ­lich in pseudonymisierter Form zur Verbesserung des eigenen Internet­angebots sowie zum Versand individueller Werbung, die für den Nutzer interes­sant und nützlich ist.“ Wer eine Panono-Kamera benutzt, muss einen solchen Umgang mit seinen Daten akzeptieren.

Auf dem eigenen Rechner zusammensetzen

Angemeldete Nutzer können die 36 Einzel­fotos ihrer Pano­ramen in einem speziellen Dateiformat (Unstitched Picture Format, UPF) herunter­laden, mit dem kostenlosen Panono UPF Converter in das gebräuchliche JPEG-Format umwandeln und mit einem für die Montage von Pano­ramen geeigneten Bild­bearbeitungs­programm selbst zusammensetzen.*

Wo gibt es die Panono zu kaufen?

Erhältlich ist die Panono-Kamera in einigen ausgewählten Media-Märkten und direkt über die Panono-Website. Die Bestellung wird laut Anbieter in der Regel binnen 24 Stunden bearbeitet.

Fazit: Die teuerste Auto­matik-Knipse der Welt

Die Panono Camera ist ein nettes Experimentier­spielzeug für verspielte Foto-Enthusiasten, die 1 500 Euro übrig haben und gezielt werfen und gut fangen können. Eine wesentlich bessere Bild­qualität lässt sich aber schon für deutlich weniger Geld erzielen: Die entsprechende Kamera muss dazu entweder eine Panorama­schwenk-Funk­tion haben oder eine Panorama­zusammenfügung ermöglichen. In ersterem Fall nimmt die Kamera einen Video­clip auf, während sie geschwenkt wird, und setzt anschließend geeignete Einzel­bilder auto­matisch zu einem Panorama­bild zusammen. Im zweiten Fall nimmt der Fotograf mehrere Einzel­bild­aufnahmen auf, während die Kamera geschwenkt wird, und die Kamera oder eine Computer­software setzt die Einzel­bilder auto­matisch zu einem Panorama­bild zusammen. Ausführ­liche Test­ergeb­nisse zu mehr als 1 500 Kameras finden Sie in unserem Produktfinder Digitalkameras. Die Test­ergeb­nisse zu den beiden oben genannten Gruppen von Kameras finden Sie unter den folgenden Links:

Kameras, die Panorama aus Videoschwenk ermöglichen
Kameras, die Panorama aus Einzelbildern ermöglichen

[Update 1.6.2017] Was die Insolvenz für Panono-Kunden bedeutet

Im Mai 2017 gab Panono bekannt, zahlungs­unfähig zu sein. Kauf­interes­senten können die Kamera derzeit trotzdem noch erwerben – zum Beispiel über den Online-Shop des Herstel­lers oder bei Amazon. Der Kauf ist allerdings mit Risiken verbunden: Sollte das Gerät Probleme aufweisen, ist der Händler zwar inner­halb der ersten zwei Jahre zu einer Reparatur oder einem Umtausch verpflichtet. Ob sich diese Pflicht auch in der Praxis umsetzen lässt, ist aber ungewiss angesichts der Insolvenz des Herstel­lers. Klappen Reparatur oder Umtausch nicht, so hat der Kunde Anspruch auf Rück­zahlung oder Minderung des ursprüng­lichen Kauf­preises – doch auch hierbei ist zweifelhaft, ob der Käufer sein Recht tatsäch­lich durch­setzen könnte.

Tipp: Fragen zu den Themen Garantie, Gewähr­leistung, Umtausch und Reklamation beant­worten wir in unseren FAQ Kaufrecht.

Dieser Schnell­test ist erst­mals am 7. März 2016 auf test.de erschienen. Er wurde am 1. Juni 2017 über­arbeitet – anläss­lich der Insolvenz von Panono.

Dieser Artikel ist hilfreich. 41 Nutzer finden das hilfreich.