Pannen beim Plastikgeld Meldung

Betrüger spionieren die Daten von Kreditkarten aus und die Banken haben Karten mit defekten Chips ausgegeben. Zwei Datenpannen bei Plastikgeld innerhalb weniger Monate verunsichert viele Bankkunden. Wie sicher ist Plastikgeld überhaupt noch? Finanztest gibt Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Panne 1: Datenleck bei spanischem Zahlungsabwickler

Das neue Jahr hat für Besitzer von Bankkarten und Kreditkarten so schlecht angefangen, wie das alte aufgehört hat: Ende Oktober 2009 erlebte Deutschland die größte Rückrufaktion von Visa- und Mastercard-Kreditkarten in seiner Geschichte. Zahlreiche Banken wie die Karstadt-Quelle Bank, die Hypovereinsbank und einige Genossenschaftsbanken mussten ihre Kreditkarten austauschen. Anlass war der Verdacht auf ein Datenleck bei einem spanischen Zahlungsabwickler. Bis November dauerte der Umtausch, den die Banken als reine „Vorsichtsmaßnahme und Routinevorgang“ verkauften und der für die Kunden kostenlos war.

Panne 2: Probleme mit der Jahreszahl 2010

Nur wenige Wochen später gab es die nächste Panne. Diesmal traf es nicht nur die Kreditkarten, sondern auch die Bankkundenkarten, die viele noch ec-Karte nennen. Kunden bekamen im In- und Ausland an vielen Automaten kein Geld, und im Handel gab es Probleme beim Bezahlen. Etwa 30 Millionen Plastikkarten sollen vorübergehend nicht brauchbar gewesen sein. Schuld war diesmal ein Fehler im Chip auf der Vorderseite der Karten. Er konnte die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten. Die Banken beteuerten, dass es zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko gab. Doch bei zwei Pannen in so kurzer Zeit fragen uns viele Bankkunden, wie sicher Plastikgeld überhaupt noch ist. Wir geben Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Ist Plastikgeld noch vertrauenswürdig? Sollte ich jetzt lieber bar zahlen?

Sie können Plastikgeld noch vertrauen, aber Sie sollten nicht ausschließlich darauf bauen. Es ist gut, wenn Sie noch eine weitere Möglichkeit haben, Bargeld zu bekommen oder zu bezahlen. Das kann zum Beispiel eine zweite Karte von einer anderen Bank sein. Bei wichtigen Einkäufen sollten Sie so viel Bargeld mitnehmen, dass Sie im Notfall auch ohne Karte zahlen können.

Für eine Auslandsreise ist die Mischung der Reisekasse jetzt besonders wichtig. Neben einer Bankkarte und Kreditkarte – möglichst von verschiedenen Banken – sollten Sie für die ersten Reisetage Bargeld dabeihaben. Für Fernreisen können Sie ergänzend Reiseschecks einstecken.

Wie kommen Betrüger überhaupt an meine Kartendaten?

Gauner manipulieren Geldautomaten technisch so, dass sie die Daten vom Magnetstreifen Ihrer Karte kopieren können, zum Beispiel mit Minilesegerät und -kamera am Kartenschlitz oder mit einer nachgebildeten Tastatur. Ein Sender leitet die Daten weiter. Damit können die Betrüger Dubletten herstellen und sie wie echte Karten einsetzen.

Manche Gauner täuschen Automatenpannen vor und tun so, als wollten sie dem Bankkunden helfen. Dabei spähen sie die Geheimzahl aus.

Im Herbst 2009 haben sich Betrüger offenbar in Computer der spanischen Firma eingehackt, die Kreditkartenzahlungen abwickelt und dafür Daten von hunderttausenden Kreditkarten verwaltet.

Solche Angriffe gibt es auch auf einzelne Rechner von Bankkunden, die Onlinebanking machen. Die Gauner schleusen eine Schadsoftware ein, die Kartendaten an sie weiterleitet. Manchmal verschicken sie auch E-Mails, in denen sie den Adressaten auffordern, über den mitgeschickten Link auf die Bankseite zu gehen und dort Geheimzahl und Transaktionsnummern einzugeben.

Was tun die Banken für die Sicherheit von Plastikgeld?

Die Banken statten die Karten zum Beispiel mit Chips aus. Die Ironie des Kartenproblems im Januar lag darin, dass ausgerechnet die Chips defekt waren, die den Karteneinsatz sicherer machen sollen.

Der Chip ist wie ein kleiner Computer, der programmiert werden muss. Er verhindert, dass Betrüger Dubletten der Karte herstellen können. Diesen sogenannten EMV-Chip tragen schon rund 80 Prozent der Bankkundenkarten. Bis Ende 2010 sollen auch alle Kreditkarten damit ausgestattet sein.

Viele Banken betreiben zusätzlich ein eigenes Warnsystem. In welchen Fällen sie sich an den Kunden wenden oder die Karte sperren, machen sie zwar nicht öffentlich. Es gibt aber Hinweise.

Banken registrieren etwa, wenn ein Kunde bisher nur kleine Beträge, plötzlich aber Luxusartikel mit der Karte bezahlt. Auffällig ist auch, wenn die Karte sonst nur für Dienstleistungen wie Hotel- oder Mietwagenbuchungen eingesetzt wird, dann aber für teure Elektrogeräte, die womöglich leicht weiterverkauft werden können. Auch Menschen, die ihre Karte selten nutzen und plötzlich in wenigen Tagen besonders häufig und viel im Internet kaufen, müssen mit einer Nachfrage der Bank rechnen.

Für Interneteinkäufe bieten viele Banken das Verfahren 3D Secure als Extraschutz an. Der Kunde lässt sich von seiner kartenausgebenden Bank registrieren und bekommt ein Passwort. Bezahlt er bei einem Händler, der an diesem System teilnimmt, muss er dieses Passwort zusätzlich zu den üblichen Daten angeben.

Und wenn dann doch was passiert ist? Wer haftet für den Schaden?

Es kommt darauf an, wie der Kartenmissbrauch erfolgt. Wenn die Karte von Betrügern mit der Geheimzahl (Pin) oder einem Passwort eingesetzt wurde, dann haften Sie nach der Kartensperre gar nicht. Vorher in vollem Umfang oder bis zu Ihrem Kartenlimit nur, wenn Sie grob fahrlässig oder in betrügerischer Absicht gehandelt haben.

Bei leichter Fahrlässigkeit müssen Sie seit dem 31. Oktober 2009 mit maximal 150 Euro haften. Für Kreditkarten sehen einige Banken vor, dass Kunden bis zur Sperre nur mit 50 Euro haften.

Eine Umfrage von Finanztest bei 67 Kreditinstituten ergab, dass viele Banken wie Sparkassen und Volksbanken zugunsten des Kunden von der neuen gesetzlichen Regelung abweichen und darauf verzichten, den Kunden mit maximal 150 Euro am Schaden zu beteiligen, sofern dieser seine Sorgfaltspflichten nicht grob fahrlässig verletzt hat.

Wenn Betrüger Ihre Kreditkarte für Einkäufe im Internet genutzt haben, haftet der Händler für den Schaden. Wenn jemand nur die Kartendaten missbraucht, muss die Bank falsche Buchungen unverzüglich rückgängig machen – so als ob nie etwas gewesen wäre.

Wie kann ich mich am besten vor Kartenbetrügern schützen?

Beim Geldabheben sollten Sie Automaten bevorzugen, die in den Vorräumen der Banken stehen. Meiden Sie auch die Türöffnergeräte an diesen Vorräumen. Warten Sie lieber ab, ob ein Kunde vielleicht gerade herauskommt, oder benutzen Sie zum Öffnen eine andere Karte.

Verdecken Sie die Eingabe der Pin. Sorgen Sie auch für Sichtschutz, wenn Sie im Handel bezahlen. Haben Sie den Mut, Kassierer und Mitmenschen an den Ladenkassen um Sicherheitsabstand zu bitten, damit Sie die Nummer unbeobachtet eingeben können.

Geben Sie Ihre persönlichen Kartendaten wie die Geheimnummer an keinen anderen Menschen weiter – weder an Bekannte oder Verwandte noch an Polizisten oder Bankmitarbeiter. Manchmal geben sich Betrüger als solche aus.

Für Internetzahlungen sollte Ihr Computer vor Angriffen von außen technisch geschützt sein. Firewall und Virenscanner sind Pflicht. Achten Sie darauf, dass der Händler für Ihre Daten eine verschlüsselte Übertragung gewährleistet. In der Internetadresse muss mindestens ein „https“ stehen. Etwas mehr Sicherheit bringt die Abfrage der dreistelligen Prüfnummer von Ihrer Kreditkarte.

Sie haben keinen Einfluss darauf, wie der Händler oder auch die Bank mit den Kundendaten umgeht oder wie gut sie diese schützen. Deshalb sollten Sie die Buchungen auf Ihrem Girokonto regelmäßig prüfen und alle Belege von Kartenzahlungen aufheben.

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