Paket­dienste Test

Die gute Nach­richt zuerst: Nach ein bis zwei Tagen sind Pakete in Deutsch­land meist am Ziel. Zerbrech­liches ist nicht bei jedem Versender gut aufgehoben. Im Test ging bei einem Anbieter in jeder dritten Sendung etwas zu Bruch. Beim CSR-Test, der Unter­suchung von Arbeits­bedingungen und Umwelt­schutz der fünf großen Paket­dienste DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS zeigte sich: Die Mitarbeiter gehen oft an ihre Grenzen – und das für meist sehr wenig Geld. Doch es gibt auch Licht­blicke.

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TestPaket­dienstetest 12/2014
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Fünf Teller, zwei Sekt­gläser und ein Bilder­rahmen aus Glas

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Täglich rund 7,5 Millionen Pakete befördern Versender in Deutsch­land. In der Vorweihnachts­zeit sind es deutlich mehr. Wir haben geprüft, wie gut die Dienst­leistung bei fünf großen Anbietern funk­tioniert und 100 gleiche Pakete kreuz und quer durch Deutsch­land geschickt, mit jedem Versender 20. In allen lag die gleiche, zerbrech­liche Ware: fünf Teller, zwei Sekt­gläser und ein Bilder­rahmen aus Glas.

Viele Scherben

Obwohl alles sorgfältig verpackt war, sind 21 der 100 Pakete mit Scherben beim Empfänger ange­kommen. Meist war der Bilder­rahmen zerbrochen. Dass es beim Trans­port unsanft zugegangen sein muss, zeigen zudem viele ramponierte Kartons. Rund 20 Prozent Bruch ist zu viel, wenn auch deutlich weniger als im Test vor vier Jahren Paketdienste: Oft beschädigt, test 12/2010. Damals kamen mehr als 40 Prozent der Pakete mit Scherben an. Trans­port­schäden sind aber kein Schick­sal. Das zeigen die Unterschiede zwischen den Versendern. Bei einem Paket­dienst blieb der Inhalt aller Sendungen heil. Doch auch hier kamen bei etlichen Sendungen die Kartons ramponiert ans Ziel. Wie lange die Test-Sendungen diesmal unterwegs waren, ob sich Express-Versand lohnt und ob tatsäch­lich alle Pakete ange­kommen sind, verrät der aktuelle Test.

Probleme bei der Zustellung

Haupt­problem bei den Paket­diensten ist die Zustellung. Die Beschwerden sind bekannt. Viele Kunden klagen über schlechten Service. Die Liefer­zeiten passen nicht zum Lebens­rhythmus vieler Menschen. Da nützt auch die Sendungs­verfolgung im Internet nicht viel. Immer wieder wird der Verdacht geäußert, dass der Paket­zusteller gar nicht klingelt, auch wenn der Empfänger zuhause ist, und einfach eine Benach­richtigung in den Brief­kasten wirft. Im Test ist das zweimal vorgekommen. Andere Ärger­nisse traten häufiger auf. Bis auf einen Anbieter ließ die Abwick­lung bei allen getesteten Diensten zu wünschen übrig. Da wurden Pakete ohne Absprache einfach vor der Tür, auf der Terrasse oder in einer Garage abge­stellt. Andere Pakete landeten beim Nach­barn beziehungs­weise in einem Geschäft, ohne dass der Empfänger darüber informiert wurde.

Privatkunden nur zweite Wahl?

Wer etwas verschi­cken will, informiert sich oft zuerst im Internet. Dort findet man Angaben zu Versand­möglich­keiten und Preise. Der Kunde kann den Paket­schein am Rechner erstellen und die Sendung frankieren. Meist stehen mehrere Bezahl­möglich­keiten zur Wahl. Wir haben die Websites der Anbieter begut­achtet. Nicht alle sind über­sicht­lich und informativ. Ein Anbieter irritiert Privatkunden mit einer fast unbrauch­baren Website. Ohne intensive Beschäftigung ist sie für Privatnutzer aufgrund vielfältiger Optionen, Varianten und Vorkonfigurationen kaum hand­habbar. Zum Umgang mit Nutzer­daten äußern sich alle Anbieter vage. Im Internet findet man nur spärliche Informationen zu diesem Thema. Einfach löschen lassen sich persönliche Daten nicht.

Der Alltag der Zusteller

Um die gesell­schaftliche Unter­nehmens­ver­antwortung (CSR, Corporate Social Responsibility) der Paket­dienste zu prüfen, haben wir mit jedem Anbieter zusätzlich je drei Pakete durch Deutsch­land verschickt und die Firmen anschließend gebeten, die Trans­portwege offen­zulegen und über Arbeits­bedingungen und Umwelt­schutz entlang der Lieferkette Auskunft zu geben. Die Angaben über­prüfte die Stiftung Warentest etwa anhand der Arbeits­verträge, Lohn­abrechnungen und Arbeits­zeit­aufzeichnungen.

Lange Arbeits­zeiten, knapper Lohn

Nur DHL und Hermes haben den Zugang zu ihren Arbeits­stätten gewährt, DPD, GLS und UPS verweigerten ihn. Um trotzdem etwas über die Verweigerer zu erfahren, sind wir auf die Suche nach Zustel­lern und Subunternehmern der Paket­dienste gegangen. Einige Informanten erhoben schwere Vorwürfe. Die den Test ergänzende Recherche lieferte Hinweise auf Miss­stände, denen wir bei der systematischen Über­prüfung gezielt nachgegangen sind. Es zeigten sich zum Teil deutliche Unterschiede bei den Arbeits­zeiten und Löhnen der Mitarbeiter. Während manche Zusteller 11,48 Euro brutto die Stunde verdienen, müssen sich andere mit 7,50 Euro begnügen. Selbst dieser Lohn wird wohl nicht über­all einge­halten. In Hessen ging vor einigen Monaten ein Zusteller gegen seinen Arbeit­geber vor Gericht. Der Subunternehmer soll für eine 60-Stunden-Woche einen sittenwid­rigen Stunden­lohn von nur 2,69 Euro brutto gezahlt haben.

„Zwei-Klassen-System“ bei den Beschäftigten

Die Unter­suchung legt nahe, dass die Unterschiede zwischen den Paket­diensten in ihren unterschiedlichen Strukturen begründet sein könnten: Manche Anbieter wickeln ihr Geschäft über­wiegend mit eigenen Mitarbeitern ab, andere dagegen legen die Arbeit der „letzten Meile“ fast ausschließ­lich in die Hände von Subunternehmern. Die Gewerk­schaft Verdi spricht von einem „Zwei-Klassen-System, das beim Paket­dienst angestellte Mitarbeiter deutlich besser stellt als Beschäftigte der Fremdfirmen.“ Dies spiegelt sich auch in den Ergeb­nissen des CSR-Tests. Nur bei einem Unternehmen bewertet die Stiftung Warentest das Engagement für Mitarbeiter und Umwelt­schutz mit gut.

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