Interview: Liefern im Akkord

Paket­dienste Test

Der Druck auf die Beschäftigen in der Paketbranche ist groß. Werner Schäffer von ver.di über die Gründe, warum es um die Qualität der Paket­dienste nicht zum Besten steht.

Sind die Arbeits­bedingungen der Fahrer wirk­lich so miserabel?

Das hängt davon ab, ob sie angestellte Arbeitnehmer oder Subunternehmer sind. Letztere arbeiten im Akkord – bei DPD etwa betrifft das fast 100, bei Hermes rund 90 Prozent der Fahrer. Wer pro Sendung bezahlt wird, und das auch noch schlecht, muss sich ranhalten, um sein Grund­einkommen zu sichern. Am Montag bringt der Fahrer vielleicht noch optimale Leistung, spätestens am Donners­tag nach 50 Stunden Arbeit ist die Belastungs­grenze erreicht. So leidet die Qualität.

Warum setzen Paket­dienste trotzdem auf Subunternehmer?

Sie wollen sich von der Personal­ver­antwortung und vor allem von den Kosten befreien. Sozial­versicherungs­pflicht, Steuern, Unfall­versicherung – der Subunternehmer trägt das volle Risiko und die vollen Kosten. Die Folge: Manch einer verzichtet auf ausreichenden Versicherungs­schutz und Alters­vorsorge, um mehr Geld zum Leben zu haben.

Was fordern Sie von der Branche?

Wenn es nach uns ginge, wären alle Fahrer sozial­versicherungs­pflichtige Arbeitnehmer. Wo ein Tarif­vertrag gilt und es Betriebs­räte gibt, ist die Situation wesentlich besser. Ein Problem ist der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Viele Fahrer haben keine Berufs­ausbildung. Ihnen fehlt oftmals die Orts­kennt­nis und die Erfahrung im Umgang mit Kunden. Dabei sind sie das Aushängeschild der Unternehmen.

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