Die Insolvenz­verwalter der Containergesell­schaften P&R stellen eine Abschlags­zahlung in Aussicht, wenn viele Anleger ihren Vergleichs­vorschlag annehmen. Unabhängig davon wollen die Insolvenz­verwalter in Muster­verfahren klären, ob Container-Käufer ausgeschüttetes Geld zurück­zahlen müssen. test.de erklärt, was das für die Anleger bedeutet.

Abschlags­zahlung für 2020 in Aussicht gestellt

Die Insolvenz­verwalter der 2018 kollabierten P&R-Gesell­schaften aus Grün­wald stellen Anlegern in einem Schreiben vom 29. April 2019 eine Abschlags­zahlung auf ihre Forderung in Aussicht. Damit die Zahlung im Jahr 2020 erfolgen kann, müssen allerdings viele P&R-Anleger einem Vergleich zustimmen. Etwa 54 000 Anleger hatten mehrere Milliarden Euro in Container von P&R investiert. Im Früh­jahr 2018 meldeten vier deutsche P&R-Gesell­schaften Insolvenz an. Es stellte sich heraus, dass ein Groß­teil der verkauften Container gar nicht existierte. Der Schaden beläuft sich auf knapp 3 Milliarden Euro. Im Sommer 2018 meldeten die Geschädigten ihre Forderungen zur Insolvenz­tabelle an.

Tipp: Die Vorgeschichte lesen Sie in unserem Special Container: Insolvenzanträge beim Marktführer P&R

Vergleichs­betrag weicht von erster Berechnung ab

Der Vergleichs­betrag, den die Insolvenz­verwalter anbieten, weicht von der Summe ab, die sie Anlegern im vergangenen Jahr mitgeteilt hatten, als es um die Anmeldung zur Insolvenz­tabelle ging. Damals hatten sie einen Maximal­betrag errechnet, aber schon darauf hingewiesen, dass dieser nicht zur Auszahlung kommen werde. Das gilt auch für den neuen Betrag. Dass er in vielen Fällen nied­riger sein dürfte als der alte, muss die Anleger nicht beunruhigen: Er dient ebenso wie der frühere Betrag lediglich als Basis, um die Auszahlung anhand der Insolvenzquote zu berechnen. Da die Forderungen aller Anleger tendenziell nied­riger ausfallen, ändert sich nur wenig für sie.

Neue Berechnungs­methode für die Forderungen ...

Die Vergleichs­beträge fallen anders aus, weil die Insolvenz­verwalter nun eine andere Berechnungs­methode verwendet haben. Sie gingen diesmal von dem Betrag aus, der erforderlich wäre, um einen Anleger so zu stellen, als hätte er nie investiert. Dazu setzten sie die jeweils tatsäch­lich geleisteten Zahlungen an. Im vergangenen Jahr hatten sie dagegen betrachtet, welche Zahlungen Anleger noch zu erwarten gehabt hätten. Da aber in vielen Fällen keine verbindlichen Rück­kaufs­werte vereinbart waren, gingen die Insolvenz­verwalter von den Werten aus, die P&R beim Verkauf der Container an die Anleger in Aussicht gestellt hatte. Solche Berechnungen sind immer mit Unsicherheiten behaftet und können leicht zu Streitig­keiten führen.

... stellt Anleger nicht schlechter

Die neue Methode vermeidet solche Probleme weit­gehend. Sie stellt die Anleger insgesamt auch nicht schlechter. Über­schlags­rechnungen von Stiftung Warentest ergaben, dass Anleger mit alten Verträgen durch die neue Methode etwas besser gestellt werden. Der Unterschied ist aber gering­fügig, das Vermeiden lang­wieriger Rechts­streitig­keiten bringt den Anlegern mehr.

Anleger müssen auf Ansprüche verzichten

Anleger müssen bei dem Vergleich aber verzichten, Ansprüche gegen die Schweizer P&R-Gesell­schaft zu stellen, die das Container­geschäft betreibt. Außerdem sollen sie erklären, dass sie auf eine Verjährung verzichten. Im Gegen­zug dazu tun dies auch die Insolvenz­verwalter gegen­über den Anlegern. Auch diese Erklärung ist sinn­voll: Bei Sach­verhalten, die noch nicht geklärt sind, müssten die Insolvenz­verwalter sonst recht­liche Schritte ergreifen, um eine Verjährung zu vermeiden. Diesen Aufwand und die zugehörigen Kosten soll die Hemmungs­erklärung vermeiden.

Nach­weis der Eigentümerschaft schwierig

Wer Ansprüche gegen die Schweizer P&R-Gesell­schaft geltend machen will, muss nach­weisen, Eigentümer der Container geworden zu sein und dann einen Rechts­streit durch­fechten. Angesichts der vielen fehlenden Container dürfte das aber nur einem winzigen Bruch­teil der Anleger möglich sein.

Rück­forderungen: Muster­verfahren soll Klarheit bringen

Die Insolvenz­verwalter wollen zudem in einigen Muster­verfahren vor dem Bundes­gerichts­hof (BGH) klären, ob im Fall P&R Ausschüttungen zurück­zufordern sind. Falls der BGH das so sieht, müssten Anleger Geld zurück­zahlen, das sie bis zu vier Jahre vor der Insolvenz von P&R erhalten haben. Pech hätten diejenigen, deren Verträge vor der Insolvenz ausgelaufen sind und von P&R ausbezahlt wurden. Glück hätten Anleger, die spät einge­stiegen sind, weil die Insolvenzmasse größer würde und ihre Forderungen zu einem größeren Prozent­satz bedient würden.

Annahme des Vergleichs schützt nicht vor Rück­forderungen

Der Vergleich und etwaige Rück­forderungen haben nichts miteinander zu tun. Auch wer den Vergleich akzeptiert, müsste mit Rück­forderungen rechnen. Wer das Geld aus Auszahlungen aber gleich wieder in neue Container investiert hat, wie es etliche Anleger getan haben, hätte die Möglich­keit zu argumentieren, sich dadurch „entreichert“ zu haben. Die persönliche Entreicherung ist – unabhängig von der Entscheidung des Bundes­gerichts­hofs, ob bei P&R Anfechtungen notwendig sind oder nicht – ein Weg, um Rück­zahlungen vermeiden zu können.

Unser Rat: Vergleich annehmen

Die Finanz­experten der Stiftung Warentest meinen: Für viele Anleger ist es sinn­voll, dem Vergleich zuzu­stimmen und sich einverstanden zu erklären, dass Ansprüche nicht verjähren. Denn ein Groß­teil der Anleger dürfte Probleme haben, nach­zuweisen, dass Container ihnen gehören. Jeder Anleger sollte vor Annahme des Vergleichs aber prüfen, ob der Betrag plausibel ist.

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