PC-basierte Mediacenter: PC im Schafspelz

Sehen aus wie Unterhaltungselektronik, sind es aber nicht. Spezia­lisierte PCs vom Typ „Mediacenter“ sollen Stereoanlage und DVD- oder Videorekorder ersetzen.

Die Idee: Ein „Home-Mediacenter“ soll ein perfekt auf den Einsatz im Wohnzimmer abgestimmter Multimedia-PC sein. Der Nutzer bedient über den angeschlossenen Fernseher ein Bildschirmmenü und holt sich aus dem Mediacenter die gewünschten Musikstücke, Fotos oder Videos. Dass im Hintergrund ein Computer arbeitet, ist dabei im Idealfall gar nicht zu bemerken.

Im Test: Wir testeten das Activy Media Center von Fujitsu-Siemens und den E2 MCE des Spezialanbieters Hush. Beide Geräte ähneln eher hochwertigen Hifi- oder Videokomponenten als herkömmlichen Personalcomputern, beide sind besonders leise. Das Modell von Hush (englisch für „Sei leise“) hat keinen aktiven, lauten Lüfter: Nur das DVD-Laufwerk ist im Betrieb zu hören. Das lässt sich der Anbieter allerdings teuer bezahlen: Der Hush kostet 2 485 Euro!

Da die getesteten Mediacenter nur für Musik- und Videozwecke gedacht sind, werden weder Maus noch Tastatur mitgeliefert. Beim Hush-Gerät wird aber für den ersten Start eine Tastatur benötigt! Ohne sie lässt sich das Betriebssystem Windows XP Media Center Edition nicht einrichten.

Angesichts des Preises geradezu unverschämt ist die Dokumentation des Hush: Statt eines Handbuchs gibt es ein paar Zettel und einen Stapel Broschüren zu den verbauten PC-Einzelteilen wie der Hauptplatine und der Grafikkarte. Hier wird besonders deutlich: Ein PC ist weniger „aus einem Guss“ als ein DVD-Rekorder. Stattdessen besteht er aus einer Reihe austauschbarer Bauteile und läuft mit einem Betriebssystem, das mit einer Vielzahl solcher Komponenten zurechtkommen muss. Und ist entsprechend anfällig für die von herkömmlichen PCs bekannten Treiberkonflikte und Abstürze.

Das ist beim Activy von Fujitsu-Sie­mens zumindest rein äußerlich eleganter gelöst: Es gibt ein ausführliches Handbuch, das alle wichtigen Funktionen erklärt. Und vom eigentlichen Betriebssystem (ebenfalls aus dem Hause Microsoft) bekommt man beim Activy nichts zu sehen. Stattdessen startet das Gerät gleich mit dem anbietereigenen Bildschirmmenü. Dafür zeigt der Ac­tivy andere Probleme: Bei Videoaufnah­men auf Festplatte sind Bild- und Tonspur leicht zeitversetzt, was sehr irritierend ist. Außerdem hat auch das Media Center von Fujitsu-Siemens mit gelegentlichen Abstürzen zu kämpfen. Und in Sachen Bildqualität können weder der Activy noch der Hush mit dem DVD-Rekorder von Panasonic mithalten.

Unser Fazit: Auch die Mediacenter im Test sind letztlich PCs und zeigen ähnliche Einschränkungen wie Multimedia-PCs.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1520 Nutzer finden das hilfreich.