Mit einem Computerprogramm lernt man eine Sprache zwar allein – aber lange noch nicht wie von selbst. Wer genug Disziplin mitbringt, hat mit drei „guten“ Produkten am meisten Erfolg.

Welche Vokabeln lernt ein Anfänger wohl mit einer Spanisch-Software? Jene für „Name“, „Stadt“ und „Eisenbahn“ zum Beispiel? Ganz sicher. Es geht allerdings auch exotischer: „Weißschwanzgnu“ prüfen die Programme von Trend und Gekko allen Ernstes ab. Sie verlangen damit einiges von den Sprachanfängern. Andere Bereiche kommen in den beiden Programmen dagegen viel zu kurz: Willkürlich ausgewählte Grammatik und wenig abwechslungsreiche Übungen ist unsere Kritik aus dem Test.

Wir untersuchten 13 Sprachlernprogramme für den Computer. Zwei Gutachter und fünf PC-Nutzer prüften, wie gut Anfänger und Wiedereinsteiger mit der Software Spanisch lernen. Am besten schnitt das Produkt von Auralog ab: „Tell me more“ trainiert die vier Kernkompetenzen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben sowie Wortschatz und Grammatik besonders gut.

Ganz anders die Software-Pakete auf den hinteren Rängen, darunter die beiden Produkte mit dem merkwürdigen Vokabelangebot: Bei ihnen legten die Hersteller vor allem Wert auf das Vokabeltraining; Dialogübungen zum Aufbau der Sprechkompetenz fielen aber meist gänzlich unter den Tisch. Die Bezeichnung „Sprachkurs“ ist deshalb oft nicht gerechtfertigt. Die Software „small talk Spanisch“ von bhv ist inhaltlich sogar so schlecht, dass das test-Qualitätsurteil nur „mangelhaft“ lauten kann.

Billig heißt oft auch schlecht

Im Test waren zwei Paare jeweils gleicher Sprachlernprogramme. Die Produkte von Hueber und von Gekko unterscheiden sich lediglich im Prüfpunkt Produktinformationen von ihren gleich strukturierten Gegenstücken von bit media beziehungsweise von Trend. Eine gute Entscheidungshilfe ist in diesen Fällen der Preis: Die Hueber-Software „Spanisch online für Anfänger“ ist mehr als doppelt so teuer wie „Spanisch für Anfänger“ von bit media.

Die besten drei Produkte im Test kosten zwischen 40 und 50 Euro. Greift man aber zu einem billigeren Lernpaket, leidet oft die Qualität. Der Spanischkurs „Rosetta Stone Español 1“ von unisono media fällt allerdings heraus: Mit fast 200 Euro ist er das teuerste Sprachlernprogramm im Test, erhielt aber nur ein „Befriedigend“ im Qualitätsurteil.

Ohne Disziplin läuft nichts

Im Vergleich zum normalen Schulunterricht ist das Sprachenlernen per PC wie eine einzige große Hausaufgabe. Ganz allein sitzt der Schüler vor dem Computer und klickt sich durch die Übungen. Die Vorteile des „E-Learnings“ – des Lernens mithilfe des Computers – liegen auf der Hand: Der Lernende bestimmt selbst, wann, wo und wie er lernt. Mit dem Notebook ist das sogar im Park oder im Café möglich. Allein zu Hause lacht auch niemand, wenn es bei der Aussprache mal hapert; Das Programm fordert geduldig zum zweiten Versuch auf. Lerntempo und -inhalte kann der Lernende oft selbst wählen.

So viel Selbstständigkeit kann aber auch überfordern. Der Lernende braucht schon eine gute Portion Motivation und Disziplin, um sich allein per PC eine Sprache beizubringen. Wer auf das Feedback vom Lehrer angewiesen ist oder das persönliche Gespräch mit anderen Lernenden sucht, ist in einem Kurs an einer Sprachenschule vermutlich besser aufgehoben.

Man muss zwar kein Technikfreak sein, um einen Sprachkurs am PC zu absolvieren. Ganz ohne ein gewisses Maß an Medienkompetenz funktioniert es aber nicht. Immerhin muss der Lernende das Programm erst auf seinem Computer einrichten. Langenscheidt machte es unseren Testern nicht leicht: Schon die Installation gestaltete sich schwierig. War sie endlich geglückt, brauchten die einzelnen Lektionen extrem lange, um geladen zu werden. Nur „ausreichend“ hieß es deshalb in diesem Prüfpunkt.

Nichts für Neulinge

Genau wie die Lernsoftware für Spanischanfänger „Interaktive Sprachreise“ von digital publishing zeichnet sich auch der „Business Intensivkurs“ vom selben Anbieter durch leichte Bedienbarkeit und eine gute Gestaltung aus. Im Mündlichen werden die wirtschaftsbezogenen Themen Telefonieren, Verhandeln und Präsentieren umfassend geübt, im Schriftlichen aber vernachlässigt. Unterschiedliche interkulturelle Gepflogenheiten, die für einen Geschäftserfolg durchaus entscheidend sein können, kommen in dem Sprachlernprogramm überhaupt nicht vor.

Der Wirtschaftssprachkurs von Strokes hat keine spezielle thematische Ausrichtung. Stattdessen werden Mini-Situationen geübt: vom nicht funktionierenden Kopierer bis hin zu technischen Detailproblemen („die Löcher sind zu klein“). Die immer gleichen Übungen – Übersetzungen, Zuordnungen, Ausfüllen von Lückentexten – werden schnell langweilig. „Schwerfällig und trocken“ urteilte ein Nutzer über das Programm.

Für absolute Neulinge der spanischen Sprache sind die speziellen Wirtschaftskurse nicht geeignet. Vorwissen wird vorausgesetzt. Schließlich sollen die beiden Programme den Lernenden auf das Sprachniveau für Fortgeschrittene B2 beziehungsweise C1 bringen. Die Übersetzung von „Weißschwanzgnu“ ist da sicher weniger gefragt.

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