Organspende­ausweis Special

Deutsche Ärzte sind im Verdacht, eigene Pa­ti­en­ten durch Manipu­la­tion­en bei der Vergabe von Spender­organen bevor­zugt zu haben. Die Bundes­ärztekammer gibt jetzt zudem bekannt, dass bei der Organ­vergabe auch in weiteren Fällen Wartelisten nicht beachtet wurden. Viele Menschen fragen sich: Ist es noch sinn­voll, einen Organspende­ausweis auszufüllen? Finanztest hat aufgeschrieben, was wichtig ist rund um die Organspende.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuel­lere Informationen: Organspende.

Skandal um Spender­organe erschüttert Vertrauen

An den Universitäts­kliniken in Göttingen und Regens­burg haben Ärzte offen­bar die Wartelisten für Organ­empfänger manipuliert und so ihre Patienten bevor­zugt. Das Vertrauen in die Organspende und Trans­plantation scheint erschüttert. In mehreren Fällen haben Angehörige, die für einen sterbenden Menschen zur Organspende entscheiden mussten, die Organ­entnahme mit Hinweis auf die Vorfälle in Göttingen und Regens­burg abge­lehnt. Das berichtet die Deutsche Stiftung Organ­trans­plantation, die Organ­entnahmen in Deutsch­land koor­diniert.

[Update 29.08.]: Bundes­ärztekammer zählt 119 Vorfälle

Die Prüfungs­kommis­sion der Bundes­ärztekammer hat 119 Organspende-Vorfälle seit dem Jahr 2000 dokumentiert und analysiert. Sie stellt fest: Mal haben Ärzte die Organe eigenmächtig zugeteilt, die zuständige Stiftung Euro­trans­plant nicht informiert oder schlicht die Rang­folge der Warteliste nicht beachtet. Einige Trans­plantationen schlugen fehl, weil Daten falsch über­mittelt wurden. In einem Fall über­sahen Ärzte offen­bar, dass eine Organspenderin an Toll­wut erkrankt war. Drei Empfänger starben. Nicht alle Fälle sind gravierend. Lediglich in 30 der 119 Fälle gehen die Prüfer von einem Verstoß gegen das Trans­plantations­gesetz aus. Seit 2000 wurden in Deutsch­land rund 51 000 Organe trans­plantiert. Die Prüfer unter­suchen stich­proben­artig die Zuteilung von Organen und gehen Hinweisen nach. [Update Ende]

Die Angehörigen müssen entscheiden

Vertrauen in die Organspende und deren Ablauf ist ein wichtiges Gut in der Trans­plantations­medizin. Für die Entnahme von Organen kamen im Jahr 2011 gerade einmal rund 1 800 hirntote Patienten in Frage. In einem Drittel der Fälle, für rund 600 Patienten, lehnten die Angehörigen die Organspende ab. Da nur wenige Menschen einen Organspende­ausweis bei sich tragen, müssen in Deutsch­land fast immer die Angehörigen entscheiden. Schwindet ihr Vertrauen, sinkt also sehr leicht auch die Zahl der Organspenden.

Ein knappes Gut

Das Nach­sehen haben die Patienten, die auf ein Spender­organ warten. Davon gibt es derzeit rund 11 700 Menschen in Deutsch­land. Vor allem Nieren oder Lebern werden gebraucht, aber auch Herzen, Lungen und Bauch­speicheldrüsen. Verläuft die Trans­plantation erfolg­reich, kann sie einen Nierenkranken von der Dialyse befreien. Gerade Leber­kranke, Lungen- und Herz­patienten bewahrt ein Spender­organ zuweilen vor dem Tod.

Organspende verändert das Sterben

Die Organspende bleibt eine sinn­volle Tat – doch sie verändert auch das Sterben. Anstatt die Maschinen abzu­stellen, behandeln die Intensivmediziner den hirntoten Patienten bis zur Organ­entnahme weiter. Die Angehörigen müssen akzeptieren, dass der vertraute Mensch, der ihnen womöglich noch lebendig erscheint, bereits hirntot ist und seinen Körper zur Organspende freigegeben. Daher sind Organ­entnahmen bis heute umstritten.

Zwei Mütter, ein Schick­sal

Finanztest stellt zwei Mütter vor, die für ihre sterbenden Söhne zur Organspende entschieden haben – und ihre Entscheidung heute völlig unterschiedlich bewerten. Anhand ihrer Schick­sale erklären die Finanztest-Autoren, wie Ärzte den Hirn­tod eines Menschen fest­stellen, wie sicher diese Diagnosen sind und wie genau eine Organspende abläuft.

Tipp: Sie möchten stets auf dem Laufenden gehalten werden über wichtige Neuig­keiten aus diesem Lebens­bereich? Dann sollten Sie den kostenlosen Newsletter der Stiftung Warentest abonnieren. Sie können bestimmen, ob Sie sämtliche Newsletter erhalten – oder nur Newsletter zu den Themen­bereichen Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist hilfreich. 197 Nutzer finden das hilfreich.