Im Deutschen Bundes­tag lehnten 379 von 674 Abge­ordneten den Vorschlag des Bundes­gesund­heits­ministers Jens Spahn zur Neuregelung der Organspende namentlich ab.

Am 16. Januar 2020 haben die Abge­ordneten im deutschen Bundes­tag über eine Reform der Organspende­regelung abge­stimmt. Angenommen wurde der Vorschlag, dass Bürger künftig bei Behördengängen und von Haus­ärzten auf das Thema Organspende angesprochen werden. 432 Abge­ordnete stimmten namentlich für diesen Entwurf, der von Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Vorsitzenden Katja Kipping einge­bracht worden war. Den Gesetz­entwurf einer sogenannten doppelten Wider­spruchs­lösung von Gesund­heits­minister Jens Spahn (CDU) lehnte dagegen eine deutliche Mehr­heit von 379 Abge­ordneten ab.

Erweiterte Entscheidungs­lösung kommt

Die post­mortale Organspende darf in Deutsch­land heute und auch künftig nur nach strengen Auflagen erfolgen. Der jetzt akzeptierte Vorschlag einer Entscheidungs­lösung sieht vor, dass eine Organ­entnahme – wie bisher – nicht ohne ausdrück­lich geäußerten Willen des Spenders möglich ist. Allerdings soll die Spenden­bereitschaft regel­mäßig von Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter öffent­licher Institutionen, zum Beispiel beim Abholen eines neuen Personal­ausweises oder bei der Führer­scheinprüfung, erfragt werden. Auch Ärzte sollen ihre Patienten in Zeit­abständen auf das Thema aufmerk­sam machen. Für ihre Beratung zur Organspende sollen sie eine Vergütung bekommen. Der Vorschlag bewahre das Recht auf Unver­sehrt­heit des eigenen Körpers, erhöhe aber die Spenden­bereitschaft und sei zeit­nah umsetz­bar, so Grünenchefin Baerbock. Sie hatte den Vorschlag fraktions­übgreifend mit 194 Abge­ordneten einge­bracht.

Wider­spruchs­lösung ist vom Tisch

Die abge­lehnte Wider­spruchs­lösung von Bundes­gesund­heits­minister Spahn hatte dagegen vorgesehen, dass jeder Mensch ab 18 Jahren auto­matisch Organspender ist, es sei denn, er wider­spricht. Der gegen­teilige Wille sollte in einem staatlichen Spender­register dokumentiert werden. Angehörige hätten bei der Wider­spruchs­lösung später noch das Recht gehabt, einer Organspende zu wider­sprechen. Eine Organspende sollte weiter nur zulässig sein, wenn sie dem tatsäch­lichen oder mutmaß­lichen Willen des Verstorbenen entspricht.

Spenderzahlen 2019 wieder gesunken

An die Vermitt­lungs­stelle Euro­trans­plant wurden 2019 insgesamt fast 3 000 Organe zur Trans­plantation übergeben. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Organspender mit 932 nach Angaben der Deutschen Stiftung für Organ­trans­plantation aber im Vergleich zu 2018 wieder leicht zurück. Im Vorjahr waren Organe von 955 Menschen nach ihrem Tod an Empfänger gegangen. Am häufigsten werden Niere, Leber, Herz und Lunge gespendet (mehr zum Thema Organspende). Aktuell warten derzeit in Deutsch­land etwa 9 000 Menschen auf ein Spender­organ.

Organspende­ausweis ab dem 16. Geburts­tag möglich

In einem Organspende­ausweis kann jeder Mensch ab dem 16. Geburts­tag erklären, ob er bereit ist, seine Organe nach seinem Tod zu spenden oder nicht. In dem Ausweis kann ange­kreuzt werden, ob die Spende uneinge­schränkt gestattet oder auf bestimmte Organe beschränkt ist. Eine Ober­grenze gibt es beim Alter nicht. Auch die Organe älterer Menschen können schwerkranken Menschen helfen. Entscheidend ist der Zustand der Organe, nicht das Lebens­alter des Spenders. Sinn­voll ist es, den ausgefüllten Organspende­ausweis stets bei sich zu führen.

Regelung in einer Patienten­verfügung treffen

Auch in einer Patientenverfügung können Menschen dokumentieren, ob sie bereit sind, nach ihrem Tod ihre Organe zu spenden oder nicht. Ist der Wille eines Verstorbenen nicht hinterlegt, können nahe Angehörige oder Verwandte nach seinem mutmaß­lichen Willen befragt werden.

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