Organspende-Skandal Meldung

Im Organspende-Skandal, der im Sommer 2012 aufgedeckt wurde, sind nun neue Zahlen bekannt. Mehrere Unikliniken stehen unter Verdacht, Patienten­listen manipuliert und Kranken­akten gefälscht zu haben, um Menschen bei der Organspende zu bevor­zugen. Im Klinikum rechts der Isar in Münchensoll es in 30 Fällen zu Ungereimtheiten bei der Organ­vergabe gekommen sein. Im Göttinger Organspende-Skandal ermittelt derweil die Staats­anwalt­schaft Braun­schweig in rund 60 Fällen. Das sind mehr, als bislang angenommen. test.de berichtet – und hat zudem Prof. Hans Lilie von der Bundes­ärztekammer zu den Vorfällen befragt.

[Update 22.01.2013: 30 Verdachts­fälle in München]

Offen­bar soll es am Klinikum rechts der Isar in München in knapp 30 Fällen zu Unregelmäßig­keiten bei Leber­verpflan­zungen in den Jahren 2007 bis 2012 gekommen sein – das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dabei soll in drei Fällen Urin in die Blut­proben von Patienten gemischt worden sein, um sie kränker erscheinen zu lassen. Inzwischen ermittelt die Staats­anwalt­schaft München, eine Anklage wurde noch nicht erhoben. Trotzdem werden am Klinikum rechts der Isar seit Monaten keine neuen Patienten mehr auf die Warteliste genommen. [Update Ende]

Verdacht einer Straftat in 11 Fällen

Nachdem in den Trans­plantations­zentren Göttingen, Regens­burg, Leipzig und München Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen fest­gestellt wurden, weitet sich die Zahl der Verdachts­fälle aus. In Göttingen hatten Ermittler bereits im Sommer vergangenen Jahres 23 Fälle untersucht. Diese Zahl hat sich mitt­lerweile mehr als verdoppelt. Bisher bestehe in 11 Fällen der dringende Verdacht einer Straftat, in weiteren 50 Fällen wird noch ermittelt, so Birgit Seel, Sprecherin der Staats­anwalt­schaft Braun­schweig. Ärzte sollen Wartelisten für Organ­empfänger manipuliert und Richt­linien miss­achtet haben.

Unter­suchungen der Prüfungs­kommis­sion dauern an

„Wir machen derzeit Stich­proben in allen Leber­trans­plantations­zentren, da hier die Verdachts­fälle aufgetreten sind“, erklärt Prof. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommis­sion Organ­trans­plantation der Bundes­ärztekammer im Interview mit test.de. Das sind in Deutsch­land über 40 Zentren. Vor einigen Jahren hat die Kommis­sion alle Herz­trans­plantations­zentren untersucht. Nach den Leber­trans­plantations­zentren ist eine Über­prüfung der Nieren­trans­plantations­zentren geplant.

Zahl der Spender dramatisch gesunken

Das Vertrauen in Trans­plantations­zentren ist bei vielen Menschen erschüttert. Nach Informationen der Deutschen Stiftung Organ­trans­plantation (DSO) ist die Zahl der Spender 2012 auf dem nied­rigsten Stand seit 2002. Insgesamt haben vergangenes Jahr 1 046 Menschen nach Ihrem Tod Organe gespendet. Im November 2012 ist ein neues Transplantationsgesetz in Kraft getreten, um die Zahl der Spender wieder anzu­heben. Künftig werden Bürgerinnen und Bürger, die über 16 Jahre alt sind, von den Krankenkassen in regel­mäßigen Abständen über ihre Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod befragt.

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