Organspende Meldung

Der Organspende­ausweis schafft Klarheit

Heute tritt die neue Regelung für die Organspende in Kraft. Der Bundes­tag hatte die entsprechende Änderung des Trans­plantations­gesetzes im Mai beschlossen. Demnach wird die zuvor geltende Zustimmungs­lösung durch die sogenannte Entscheidungs­lösung ersetzt. Künftig werden Bürgerinnen und Bürger, die über 16 Jahre alt sind, regel­mäßig von den Krankenkassen über ihre Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod befragt.

Trans­plantations­gesetz geändert

Schon in den nächsten zwölf Monaten sollen die gesetzlichen und privaten Kranken­versicherungen ihre Versicherten erst­mals anschreiben. Das teilte das Bundes­gesund­heits­ministerium mit. Die Briefe sollen Infos zur Organspende enthalten – und die Aufforderung, die persönliche Spende­bereitschaft zu dokumentieren. Ein Zwang zur Entscheidung ist nicht vorgesehen. Die Versicherten können ihre Bereitschaft erklären, bestimmte Organe zu spenden, die Bereitschaft komplett verneinen oder den Brief einfach wegwerfen. Dokumentiert wird die Erklärung wie bisher auf einem mitgeschickten Organspende­ausweis aus Papier, später auch auf der elektronischen Gesundheitskarte – wenn diese tech­nisch dafür ausgestattet ist.

12 000 Menschen warten auf ein Spender­organ

Hintergrund der Änderung ist der Organ­mangel in Deutsch­land. Rund 12 000 Kranke warten hier­zulande auf ein Spender­organ. Doch standen im Jahr 2011 nur rund 4 000 Organe zur Verfügung, so die Statistiken der Deutschen Stiftung Organ­trans­plantation (DSO). Derzeit sinkt die Spenden­bereitschaft sogar – vermutlich eine Folge der Skandale, die die Trans­plantations­medizin in den letzten Monaten erschütterten. Bislang dürfen Organe in Deutsch­land nur entnommen werden, wenn der Verstorbene dem zu Lebzeiten zuge­stimmt hat, zum Beispiel per Organspende­ausweis. Hat der Verstorbene zuvor seinen Willen zur Organspende in einer Vorsorgevollmacht nieder­geschrieben, entscheiden dem Willen entsprechend die Bevoll­mächtigten – also zumeist Angehörige. Ist nicht bekannt, ob ein Verstorbener zu Lebzeiten eine Organspende in Betracht gezogen hat, kann ein Arzt Organe entnehmen, wenn er dies dem nächsten Angehörigen des Verstorbenen mitteilt und dieser schriftlich sein Einverständnis erklärt. „Jeder, der sich zu Lebzeiten bei der Organspende entscheidet, entlastet seine Angehörigen, die sonst in einer für sie sehr schwierigen Phase befragt werden“, betonte Bundes­gesund­heits­minister Daniel Bahr, als die Gesetzes­änderung in Kraft trat.

Kluft zwischen Denken und Handeln

74 Prozent der Deutschen sind grund­sätzlich zur Organspende bereit, so eine Umfrage der Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung. Aber nur 25 Prozent haben das tatsäch­lich im Organspende­ausweis dokumentiert. Es gibt also offen­bar eine Lücke zwischen Denken und Handeln. Sie durch regel­mäßige Erinnerung an das Thema verkleinern – diese Hoff­nung steckt hinter der neuen Entscheidungs­lösung.

Tipp: Was Sie wissen sollten, wenn Sie sich jetzt mit dem Thema „Organspende“ beschäftigen wollen, verrät Ihnen unser Gewusst wie. Hintergrund­wissen zu den jüngsten Skan­dalen in der Trans­plantations­medizin und zur Organspende finden Sie in unserem Special Organspende: Das sollte jeder wissen. Der Link führt zu einem Artikel von Finanztest über zwei Mütter, die für ihre sterbenden Söhne zur Organspende entschieden haben – und ihre Entscheidung heute völlig unterschiedlich bewerten.

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