Organspende Special

Immer dabei. Der Ausweis zeigt dem Arzt im Notfall auch ein Nein.

Ob für oder gegen eine Spende – der Organspende­ausweis dokumentiert den eigenen Willen. Jeder sollte sich entscheiden – und Vertraute informieren.

Er hat seine Meinung geändert. Heute ist Jan Tischer* für die Organspende. Nicht so im Oktober 2012. In diesem Monat verstarb sein Vater plötzlich. Mit seiner Mutter stand der 35-Jährige vor der Wahl: Vaters Organe spenden – ja oder nein? Der hatte sich nie dazu geäußert. „Als wir vom Arzt gefragt wurden, waren wir über­fordert und entschieden uns dagegen“, erzählt die Mutter. Die Vorstellung, dass ihrem Mann Organe entnommen werden, machte ihr Angst, ihrem Sohn auch.

„Ich habe es verdrängt“

Weder sie noch ihr Sohn hatten sich bis dahin mit dem Thema auseinander­gesetz. Jan Tischer: „Ich habe das verdrängt. Eine Information der Krankenkasse hätte mich darüber sicher nach­denken lassen.“

Noch bis Ende Oktober 2013 schi­cken die gesetzlichen Krankenkassen und die privaten Kranken­versicherer Aufklärungs­material samt Organspende­ausweis an alle Versicherten ab 16 Jahren. Seit Inkraft­treten des Trans­plantations­änderungs­gesetzes im November 2012 sind sie nun alle zwei Jahre dazu verpflichtet.

Das Gesetz gibt den Kassen vor, ihre Versicherten aufzuklären, etwa über die Voraus­setzungen für eine Organ­entnahme und die recht­lichen Folgen für die Angehörigen. Entscheidet sich ein Mensch und hält das schriftlich auf dem Organspende­ausweis fest, sind seine Angehörigen an diese Entscheidung gebunden.

Voraus­setzung für die Organspende

Organspende Special

Hat sich jemand für die Organspende entschieden, gibt der Arzt diese Information nach seinem Tod an die Deutsche Stiftung Organ­trans­plantation weiter. Sie koor­diniert jede Trans­plantation von der Meldung bis zur Über­gabe der Organe.

Ein Spender kann auch einge­schränkt zuge­stimmt haben. Dann entnehmen Ärzte nur die Körperteile, für die es eine Erlaubnis gibt, die Hornhaut der Augen oder Blutgefäße zum Beispiel. Genauso möglich ist es, eine Organspende auf dem Ausweis komplett abzu­lehnen oder einen Angehörigen zu nennen, der nach dem Tod über die Spende entscheidet – ein Jein also.

Um einem Menschen Organe oder Gewebe entnehmen zu dürfen, muss neben der Zustimmung des Verstorbenen oder seines Angehörigen eine weitere Bedingung zwingend erfüllt sein: Der Hirn­tod muss eindeutig fest­gestellt sein.

„Die größte Angst“

„Unsere Erfahrung ist, dass viele nicht wissen, was Hirn­tod heißt. Die größte Angst ist, dass Organe zu früh entnommen werden“, sagt Angela Kotter. Sie ist Mitgründerin des Vereins Junge Helden, der Jugend­liche in Schulen und auf Partys über Organspende aufklärt (siehe Interview).

Zwei Ärzte müssen Hirn­tod fest­stellen

Hirntot ist ein Mensch, wenn das gesamte Gehirn nicht mehr arbeitet und dazu nie mehr fähig sein wird. So legen es die Richt­linien der Bundes­ärztekammer fest. Verschiedene Unter­suchungen müssen den kompletten Ausfall sowie die Irre­versibilität nach­weisen. Eine Bedingung ist, dass zwei Fach­ärzte völlig unabhängig voneinander die Diagnose Hirn­tod stellen (Details unter www.bundesaerztekammer.de, Stich­wort: Richt­linien, Hirn­tod).

Ohne Ausweis geht es auch

Nicht jeder kann sich zu einem Kreuz auf dem Organspende­ausweis durch­ringen. Auch ein Gespräch in der Familie gibt Orientierung, wie im Ernst­fall zu entscheiden ist. Nach dem Tod des Vaters hat sich Jan Tischer informiert: „Der Entnahme einzelner Körperteile wie der Netzhaut würde ich nun zustimmen.“ Mit seiner Frau hat er darüber gesprochen, damit sie eines Tages nicht denselben Konflikt durch­stehen muss wie er nach dem Tod des Vaters.

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