Nur 6 der 24 Säfte im Test sind „gut“.    An einen frisch gepressten Apfelsinensaft reicht aber kein Industrieprodukt heran. „Mangelhaft“ heißt es auch für bekannte Namen.

Der Sieger im Geschmack steht fest: Es ist ein frisch gepresster Orangensaft. Nicht nur unsere geschulten Prüfer attestierten ihm ein „inten­sives“ Orangenaroma und einen „deutlich süßen“ Geschmack. Auch die Konsumenten fanden ihn einfach prima. Wir haben nämlich jeden Orangensaft von 126 Verbrauchern probieren und beurteilen lassen.

So viel Lob würde sich auch jeder Hersteller wünschen. Aber für unseren Supersaft waren eben nicht technologisches Geschick, sondern nur die Natur – und letztlich die Saftpresse – verantwortlich. Den Geschmackssieger ließ die Stiftung Warentest jedoch nur im Sensoriktest mitlaufen. Dabei stellte dieser frisch gepresste alle 24 industriell gefertigten Orangensäfte in den Schatten.

Wesergold-Saft schmeckte bitter

Dort, im Schatten, findet sich vor allem der Orangensaft von Wesergold. Er roch schalig, schmeckte wenig nach Orange, dafür aber stark nach anderen Zitrusfrüchten und außerdem besonders bitter. Kurzum: Das ist sensorisch stark fehlerhaft. Eine Gemeinsamkeit aber hat der Orangensaft von Wesergold mit dem frisch gepressten: Unsere geschulten Prüfer und die Konsumenten waren sich in ihrem Urteil einig – dieses Mal allerdings in negativer Hinsicht.

Außerdem fand sich im Wesergold-Saft zu viel alpha-Terpineol. Dieser Aromastoff kann entstehen, wenn der Apfelsinensaft stark erhitzt wird, beispielsweise während der Pasteurisation. Im Saft kann er ein Fehlaroma erzeugen. Auch der Bio-Saft von Beutelsbacher (demeter) und Albi Unser Bester! enthalten zu viel unerwünschtes alpha-Terpineol.

Konzentrate und Direktsäfte

Von den 24 Orangensäften im Test sind 20 aus Konzentrat hergestellt, 3 sind Direktsäfte, und einer ist eine Mischung aus beidem: Dittmeyer's Valensina. Doch egal, welche Art der Hersteller wählt, der Apfelsinensaft muss zu 100 Prozent aus der Frucht bestehen, also aus gepressten Orangen.

Für das Konzentrat werden die Früchte in ihrem Ursprungsland gepresst. Dann werden Fruchtfleisch, Aromen und Saft in der Regel getrennt. Letzterem entzieht man das fruchteigene Wasser, bis der Saft auf etwa ein Sechstel seines Volumens verdichtet ist. Im Verkaufsland muss der Saft dann vorschriftsmäßig rückverdünnt werden.

Direktsäfte gehen nach dem Pasteurisieren mitsamt Aromen und Wasser auf die Reise. Das Fruchtfleisch wird meist vorher abgetrennt. Direktsaft gilt Verbrauchern oft als hochwertiger. Er kostet deutlich mehr als Konzentratsaft.

Kein Direktsaft ist „gut“

Aber ist der Direktsaft auch besser? Im Test schneidet keiner „gut“ ab. Der Bio-Direktsaft von Voelkel (demeter), das teuerste Produkt im Test, kassierte sogar ein „Mangelhaft“. Nicht etwa, weil er sensorisch nicht in Ordnung wäre: Die Prüfer fanden keine Fehler und den Konsumenten schmeckte er auch. Aber im Voelkel-Saft fanden wir Zucker, der nicht aus der Orange stammt und auf der Verpackung nicht angegeben ist. Mit diesem nicht deklarierten Fremdzucker verstößt der Hersteller nicht nur gegen die Regularien der demeter-Bio-Produkte, sondern auch gegen die Fruchtsaftverordnung.

Auch acht Konzentratsäfte entsprechen nicht dieser Verordnung: Ihr Aroma war nicht vorschriftsmäßig wieder- herge­stellt. Ist das Konzentrat in Deutschland angekommen, müssen die Safthersteller es mit Wasser rückverdünnen, aber auch das Orangenaroma in den ursprüngli­chen Zustand zurückversetzen. Doch das vollständige Aroma konnten wir bei diesen Säften nicht feststellen. Die Vorschrift kennt da kein Pardon: Gesetzlich handelt es sich nicht um Fruchtsaft. Sie hätten so überhaupt nicht verkauft werden dürfen. Qualitätsurteil „mangelhaft“. Die mangelhafte Rearomatisierung schmeckt man allerdings nicht unbedingt: Die Prüfer stellten bei der Hälfte dieser Säfte keine Fehler fest; auch den Konsumenten schmeckten sie.

Ohnehin lieben die Deutschen Saft. Nirgendwo auf der Welt wird mehr Saft getrunken. Der Vitamin-C-reiche Orangensaft steht auf der Beliebtheitsskala an zweiter Stelle: Rund 9 Liter trinkt jeder pro Jahr. Nur der Apfelsaft ist mit 13 Litern noch beliebter.

Kritik an Dittmeyer's Valensina

Ein Glas Apfelsinensaft (200 Milliliter) enthält etwa 80 Milligramm Vitamin C. Das deckt fast die hierzulande empfohlene Tageszufuhr. Unüblich und äußerst fragwürdig ist es aber, mit dem Slogan „Reich an Vitamin C“ zu werben, wenn es sich dabei nicht um fruchteigenes, sondern nur um zugesetztes handelt. Genau das macht aber die Firma Dittmeyer beim Valensina-Saft. Übrigens ist diese Kritik für den Hersteller nicht neu: Schon einmal, im Jahr 1999, hatte die Stiftung Warentest diese Praxis beanstandet.

Fitmacher aus der Flasche

Doch nicht nur wegen seines Gehalts an Vitamin C ist der Saft der Apfelsine, des „chinesischen Apfels“, ein echter Fitmacher aus der Flasche: Neben den Vitaminen B1 und B2 enthält er unter anderem die Mineralstoffe Kalium, Kalzium und Magnesium. Außerdem sind Orangen reich an sekundären Pflanzenstoffen. Darunter sind zum Beispiel Flavonoide und Carotinoide, die der Frucht die sonnige Farbe verleihen und antioxidativ wirken. Konservierungs- und Farbstoffe dürfen dem Saft indes nicht zugesetzt werden. Kein Wunder also, dass der Saft nicht nur beliebt ist, weil er gut schmeckt. Der Verein „5 am Tag“ schlägt in seiner Gesundheitskampagne vor, eine der fünf Portionen Obst und Gemüse, die man täglich verzehren sollte, als Saft zu trinken. Dafür eignet sich Orangensaft bestens.

Die Freude am Genuss schmälern allerdings schlechte Nachrichten aus der Industrie. Von den bunt bedruckten Kartons kann die Chemikalie ITX, die in Druckfarben vorkommt, in den Fruchtsaft gelangen. Der „ausreichende“ Pfanner-Orangensaft wies im Test einen ITX-Wert auf, der den Richtwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) deutlich überschreitet. Ob und welchen Effekt der Stoff auf die Gesundheit des Menschen hat, steht bisher noch nicht fest. Immerhin gibt das BfR in einem Punkt Entwarnung: Eine Erbgut schädigende Wirkung der Substanz ist auszuschließen.

Tipp. Wenn Sie Ihren Saft selber pressen, Orangen gut waschen und trocken reiben: Meist werden sie nämlich mit Mitteln gegen Schimmelbildung behandelt, die auch leicht in den Saft gelangen könnten. Und nichts sollte den Geschmack eines Siegers trüben, oder?

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