Optikerketten Test

Die Branche verspricht hohe Qualität. Doch nur eine Augen­optikerkette im Test ist wirk­lich gut: Optiker Bode. Der Rest ist befriedigend.

Kaum zu glauben, dass ein und derselbe stark weitsichtige Mann mit rund +7 Dioptrien zwei so verschiedene Brillen bekam. Bei der einen, hergestellt von Fielmann, bilden die Gläser fast eine Linie mit ihrer milli­meterdünnen Fassung. Bei der anderen, produziert von Apollo Optik, ragen sie weit über die Metall­ränder hinaus.

Optikerketten Test

Die zarte Brille oben und das wuchtige Modell unten sollen denselben Sehfehler ausgleichen.

An der dicksten Stelle messen sie fast einen Zenti­meter – klobige Klötze vor den Augen (siehe Foto). Aber nicht nur auf die Ästhetik wirkt sich die Mach­art aus. Die Apollo-Brille wiegt 36 Gramm, doppelt so viel wie die von Fielmann. Und nicht mal Geld spart das Schwergewicht. Es kostet 300 Euro, ihr zartes Gegen­stück 299 Euro.

Doch verallgemeinern lassen sich diese Beispiele nicht. Insgesamt ist Apollo-Optik etwas besser als Fielmann, zeigt unser Test. Dafür besuchten fünf fehlsichtige Tester 45 Filialen neun großer Augen­optikerketten und ließen jeweils eine Brille anfertigen. Im Auftrag der Stiftung Warentest über­prüften zwei unabhängige Gutachter die Fehlsichtig­keits­messung und die Brillenqualität. Auch die Beratung und die Kunden­orientierung haben wir bewertet.

Ergebnis: Nur eine Augen­optikerkette ist gut – entgegen den hohen Qualitäts­versprechen der Branche. Für eine best­mögliche Brille sollten Kunden also einiges beachten. Um zu erfahren, was bei diesem Thema interes­siert, führten wir eine Leser­umfrage durch (www.test.de/umfrage-optiker).Wir beant­worten Fragen, die den Teilnehmern besonders am Herzen lagen:

Kann ich mich auf Sehtests beim Augen­optiker verlassen?

In den meisten Fällen ist darauf Verlass.

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Die Fehlsichtig­keit lässt sich zum Beispiel mit einer Mess­brille und -gläsern bestimmen.

Im Test lieferten die Ketten bis auf Fielmann und Binder Optik gute Ergeb­nisse bei der Bestimmung der Fehlsichtig­keit. Dazu kombinieren Augen­optiker meist zwei Methoden: erstens eine Messung mit einem „Auto­refrakto­meter“ und zweitens eine mit Mess­brille oder „Phoropter“. Solche Tests machen auch Augen­ärzte. Doch seit die Krankenkassen nur noch ausnahms­weise Geld zu Sehhilfen beisteuern, ist eine Brillen­ver­ordnung meist unnötig.

Tipp: Sie können also direkt zum Augen­optiker gehen, auch um Warte­zeiten zu vermeiden. Nehmen Sie, falls vorhanden, Ihre alte Brille und Ihren Brillenpass mit. So lassen sich Änderungen der Sehkraft fest­stellen. Fehlsichtige mit Augen­krankheiten gehören regel­mäßig zum Augen­arzt. Das wird auch stark Kurz­sichtigen empfohlen. Denn sie haben ein erhöhtes Risiko für Netzhaut­ablösungen.

Wie sollte ein Augen­optiker seine Kunden beraten?

Erst einmal sollte er viele Fragen stellen – sie bilden die Grund­lage jeder Beratung.

Im Test wollten manche aber kaum etwas wissen. Dabei müssten sie ihre Kunden zumindest nach dem letzten Augen­arzt­besuch fragen. Auch persönliche Anforderungen an die Brille durch Beruf, Hobbys, Sport und Lesege­wohn­heiten sind wichtig.

Tipp: Erzählen Sie, wenn der Augen­optiker nicht fragt, von sich aus möglichst viel zu Ihren Ansprüchen an die Brille.

Etwas besser informierten die Optiker über Gläser und Fassungen. Insgesamt war die Beratung höchs­tens befriedigend.

Was ist bei der Fassung zu beachten?

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Der Kunde sucht sie nach seiner Vorliebe und Preis­vorstellung aus. Aber der Optiker sollte dabei helfen. Denn Fassungen müssen zum Gesicht passen und gut sitzen, vor allem auf der Nase und hinter den Ohren. Daher brauchen Optiker bei der Auswahl ein gutes Händ­chen. Einiges können sie nach­träglich mit Fingerspitzengefühl richten, etwa die Bügel an die Schädelknochen hinter den Ohren anpassen (siehe Infografik).

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Die Brille sitzt schief. Der Optiker stimmte sie nicht auf das etwas unsym­metrische Gesicht ab.

Im Test aber stimmten manche Optiker die Brillen zu wenig auf die Kopf­form ab. Zum Beispiel lagen Pads nicht auf dem Nasenflügel auf, Metall­ränder gruben sich in die Haut, Brillenbügel erzeugten Segel­ohren. Eine schlecht sitzende Fassung wirkt aber nicht nur unschön und unangenehm – oft torpediert sie sogar die Sehqualität. Denn die ist nur optimal, wenn das optische Zentrum jedes Brillenglases exakt vor der Pupillen­mitte liegt. Diesen Punkt müssen Optiker individuell ermitteln. Im Test klappte diese „Zentrierung“ bei allen gut oder befriedigend. Wenn die Brille aber schlecht angepasst ist, blickt der Träger womöglich nicht mehr an der richtigen Stelle durchs Glas, und das belastet die Augen.

Stark fehlsichtige Menschen bekommen aber schon beim Aussuchen der Fassung ein Problem: Sie können sich mit der Brille im Spiegel kaum erkennen, weil sie ja unge­schliffenes Glas enthält. Sie brauchen Hilfs­mittel wie Fotos oder Tages­kontaktlinsen.

Tipp: Fragen Sie danach. Die Tester bekamen solche Hilfen nur selten spontan.

Ist auf die Gläser­empfehlung Verlass?

Welche Gläser der Optiker empfiehlt, orientiert sich am Bedarf des Kunden, an der Augen­prüfung und gewählten Fassung, aber natürlich auch an Geschäfts­interessen.

Im Test erlebte das ein Test­kunde in einer Bode-Filiale haut­nah. Obwohl er dort ausdrück­lich eine Einstärkenbrille („für die Computer­arbeit“) verlangte, bekam er eine Gleitsicht­brille – übrigens mit 760 Euro die teuerste im ganzen Test.

Tipp: Lassen Sie sich die Vorteile angeblich höher­wertiger Brillengläser genau erklären, ebenso die Nachteile und Preise.

Was ist wichtig bei Gleitsicht­brillen?

Sie vereinen Korrekturen für verschiedene Entfernungen, etwa bei Kurz­sichtigen mit zusätzlicher Alters­weitsichtig­keit, in einem Glas. Unten befindet sich eine Sehzone für die Nähe, oben eine für die Ferne, in der Mitte eine für die Zwischen­stufen. Alle Bereiche gehen fließend ineinander über. Dadurch entsteht eine völlig neue Sehsituation, an die sich Erst­anwender meist einige Tage gewöhnen müssen.

Tipp: Wenn Ihnen die Umstellung längere Zeit nicht gelingt, fragen Sie bei Ihrem Augen­optiker nach. Vielleicht kann er das Problem lösen. Und wie sie uns mitteilten, gewähren alle getesteten Augen­optikerketten ein Rück­gaberecht, wenn Kunden ihre Gleitsicht­brille nicht vertragen.

Worauf sollte ich beim Abholen der Brille achten?

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Die Brille drückt. Der Optiker hat den Bügel hinter dem Ohr nicht angepasst.

Im Test gab es an der Fertigungs­qualität wenig zu bemängeln. Fünf­mal hieß es da gut, bei Optiker Bode und Krass Optik sogar sehr gut. Doch fanden wir Ausrutscher, einen spektakulären ausgerechnet bei der Fielmann-Brille mit den kunst­voll dünnen Gläsern: Eins stand auf dem Kopf. Es war verkehrt herum in die Fassung einge­baut. Der Tester sah den Fehler nicht – aber mit der Brille auf der Nase Doppel­bilder.

Tipp: Kontrollieren Sie beim Abholen: Hat die Brille Kratzer oder andere Mängel? Sitzt sie richtig? Können Sie damit scharf und ohne Probleme sehen? Sagen Sie, was nicht stimmt – jetzt ist die beste Gelegenheit.

Kann ich die Brille später reklamieren?

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Das Glas rechts steht auf dem Kopf, das optische Zentrum verrutscht. Folge: Doppel­bilder.

Laut Gesetz haften Augen­optiker zwei Jahre für Mängel an verkauften Brillen. Viele teilten uns längere oder umfang­reichere Garan­tien mit, etwa „bei Nicht­gefallen“. Die Branche zeigt sich kulant.

Im Test bestätigte sich das, zumindest bei einem recht harmlosen Problem. Nachdem die Fach­gut­achter alle Brillen geprüft hatten, haben wir sie leicht beschädigt, etwa die Bügel verbogen. Damit gingen die Tester zurück in die Filialen und baten um Reparatur, die über­all kurz­fristig und kostenlos erfolgte. Auch der Fall mit dem verdrehten Glas von Fielmann fand ein gutes Ende: Der Tester beschrieb die Doppel­bilder, ein Augen­optikermeister plus Geselle suchten eine Stunde erfolg­los nach dem Fehler und machten dann ein groß­zügiges Angebot: kostenlos eine neue Brille anzu­fertigen.

Lohnt sich eine Brillen­versicherung?

Optikerketten Test

Der weiße Schleier am Glasrand ist nicht gewollt, sondern ein Fertigungs­fehler.

Brillen­versicherungen, die beim Brillen­verkauf mit angeboten werden, decken oft Fälle außer­halb der Garan­tien ab: vor allem Verlust, Bruch oder Veränderungen der Sehfähig­keit. Wenn solche Policen im Kauf­preis enthalten sind oder nur wenige Euro kosten, spricht nichts ernst­haft gegen den Abschluss. Sonst müssen Kunden den möglichen Nutzen gegen die Kosten abwägen. Dabei zählt vor allem der Preis der Brille.

Tipp: Es gibt private Zusatz­versicherungen, die in regel­mäßigen Abständen Brillen­kosten über­nehmen. Oft handelt es sich um Paket­angebote für mehrere Gesund­heits­leistungen (siehe Test Heilpraktiker, Brille, Zahnersatz).

Wie kommen Brillen­preise zustande?

Den Haupt­anteil machen oft die Gläser aus. Sie stammen in der Regel von etablierten Produzenten, wie Essilor, Hoya, Roden­stock, Zeiss, und nennen sich „Markengläser“. Die Preise lassen sich für Kunden nur schwer nach­voll­ziehen. Sie hängen unter anderem von der Markt­politik der Hersteller und Rabatt­aktionen ab. Gute Qualität kann also teuer sein – muss aber nicht. Und ob sich die Teile zur perfekten Brille fügen, liegt in der Hand des Augen­optikers.

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