In Onlinetests gewinnen Neulinge und alte Hasen im Berufsleben Einsichten über sich selbst. Die Programme sind nützlich, aber noch nicht perfekt. Die erst fünf Jahre alten Verfahren leiden an Kinderkrankheiten.

Junge Menschen suchen nach beruflicher Orientierung. „Eigne ich mich zum Arzt?“, fragen sie sich. „Zum Ingenieur, zum Lehrer?“ „Bin ich eher handwerklich begabt, oder sollte ich mein Berufsleben in einem Labor oder an einem Schreibtisch verbringen?“

Auch Menschen, die schon im Arbeitsleben stehen, müssen heutzutage immer wieder ihre Fähigkeiten neu einschätzen. Denn sie stehen häufiger als früher vor einem Berufswechsel.

Sie alle sollten sich vor Berufswahl und beruflicher Veränderung ein Bild von ihren Eignungen, Stärken und Schwächen machen. Schließlich warten im Bewerbungsverfahren kritische Fragen auf sie. Viele müssen sich in psychologischen Tests bewähren. In Assessmentcentern werden die Bewerber zum Beispiel in Rollenspielen Situationen ausgesetzt, die so ähnlich am Arbeitsplatz eintreten könnten.

Die im Internet angebotenen Tests helfen bei der Selbsteinschätzung und der Vorbereitung. Ob ein Mensch ein begnadeter Arzt oder Jurist wird, können sie aber nicht vorhersagen.

Finanztest hat zehn Angebote geprüft, sowohl die kostenpflichtigen als auch die kostenlosen.

Perfekt ist keines dieser getesteten ­Angebote. Die Finanztest-Experten haben festgestellt, dass kein Onlinetest den Anforderungen genügt. Die vier mit „gut“ bewerteten Onlinetests sind sehr nützlich. Sie bewerteten gleiche Testpersonen auch weitgehend einheitlich. Von den übrigen sechs Selbsteinschätzungstests haben vier mit „befriedigend“ und zwei mit „ausreichend“ ­abgeschnitten.

Selbst die guten Tests waren nur mühsam anzuwenden. Die Testnutzer bemängelten unter anderem die Fülle der Aufgaben, unverständlich formulierte Fragen und die zu kleine Schrift.

In vielen Fällen beanstandeten die Nutzer die Darstellung der Ergebnisse. Ohne Fremdwörterlexikon konnten die Anwender die Auswertungen kaum nachvollziehen.

Im Überbringen schlechter Nachrichten sind manche Onlinehelfer recht grob. Da heißt es zum Beispiel schon mal: „Sie sind für Ihren Wunschberuf völlig ungeeignet.“ Die Fachleute fordern mehr Sensibilität und mehr Angebote zur Hilfe beim Umgang mit der Enttäuschung.

Nutzer sollten ohnehin nicht erwarten, dass ihnen ein konkreter Arbeitsplatz oder eine bestimmte Position empfohlen wird. Dafür wissen die Anbieter der Internettests zum Beispiel zu wenig über das Erscheinungsbild des Absolventen und seine sprachlichen Fähigkeiten.

Die Ergebnisse können auch nur so gut sein, wie der Absolvent sich unbeschönigt selbst einschätzt. Wer keine ehrlichen Angaben macht, bekommt kein ehrliches Ergebnis.

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