Onlinetests zur Selbsteinschätzung Test

Vor der Berufswahl, einem Jobwechsel oder einer Existenzgründung ist es wichtig, sich selbst realistisch einzuschätzen. Eignungstests im Internet können dabei helfen.

Ob Schulabgänger, Jobwechsler oder Existenzgründer – wer sich beruflich orientieren will, sollte sich und seine Fähigkeiten realistisch einschätzen können. Leichter gesagt als getan. Hilfe versprechen Tests zur Selbsteinschätzung im Internet. Die Stiftung Warentest hat 23 getestet.

Lisa Krinowsky besucht die 12. Klasse eines Berliner Gymnasiums. Bis zum Abitur hat sie noch ein Jahr Zeit. Schon jetzt macht sie sich Gedanken darüber, für welchen Beruf sie geeignet sein könnte. Wo ihre Stärken und Schwächen liegen, weiß die 18-Jährige in etwa. „Mathe und Englisch sind nicht so mein Ding“, sagt sie kopfschüttelnd. „Dafür zeichne ich gern.“ Kunst ist eines ihrer Prüfungsfächer. Doch welcher Beruf passt zu ihrem Interesse? Bühnenbildnerin, Fotografin oder vielleicht Kunsthistorikerin? Bei rund 350 Ausbildungsberufen und über 2 000 Studiengängen fällt die Orientierung nicht gerade leicht.

Auseinandersetzung mit sich selbst

Vielen Schülern, die vor der Berufswahl stehen, geht es heute wie Lisa Krinowsky. Sie müssen sich mit ihren Neigungen und Fähigkeiten auseinandersetzen und gleichzeitig versuchen, sich realistisch einzuschätzen.

Aber auch diejenigen, die schon länger im Berufsleben stehen, sind in Zeiten von Stellenabbau und zunehmend befristeten Arbeitsverhältnissen immer wieder gezwungen, sich neu zu orientieren. Ob Jobwechsler oder Existenzgründer – alle müssen sich fragen, ob sie für eine berufliche Veränderung auch die richtigen Fähigkeiten mitbringen.

Hilfe bei der Selbsteinschätzung versprechen Testverfahren im Internet, meist von Psychologen entwickelt. Diese Onlinetests bestehen aus einem Fragenkatalog mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, die der Nutzer anklicken kann. Die Auswertung kann er meist kurz nach Testende abrufen oder bekommt sie per Mail oder Post zugeschickt.

Die Stiftung Warentest hat 23 dieser kostenlosen bzw. kostenpflichtigen Onlinetests geprüft, davon 14 für Erwachsene und neun für Jugendliche. Alle untersuchten Verfahren wollen berufliche Orientierung geben. Je nach Test können Nutzer aber ganz unterschiedliche Dinge über sich herausfinden. Einige Tests klopfen berufliche Interessen ab, andere messen Eigenschaften der Persönlichkeit. Einige ermitteln nur die Fähigkeiten des Testnutzers, andere prüfen darüber hinaus die Eignung für bestimmte Berufsbereiche (siehe auch Kasten „Welche Testarten gibt es?“).

Nicht berücksichtigen konnten wir den Onlinetest der Bundesagentur für Arbeit (www.machs-richtig.de), da er seinen Nutzern zwar Berufe vorstellt, aber keine Interessen, Fähigkeiten oder Eigenschaften misst. Zusätzlich zu den Onlineverfahren haben wir exemplarisch ein Buch mit Testverfahren untersucht (siehe Kasten „Nur eingeschränkt geeignet“).

Das Fazit unseres Tests: Empfehlenswerte Angebote gibt es sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene.

Nutzer brauchen Durchhaltevermögen

Testsieger bei den Onlinetests für Jugendliche sind der „Eignungstest Berufswahl“ vom Geva-Institut – mit 38 Euro der teuerste im Testsegment – und „Mein Berufsweg“ von der Ruhr-Universität Bochum, der kostenlos zu haben ist. Mit knappem Vorsprung haben beide Verfahren ein „Sehr gut“ erreicht. Außerdem gab es vier „gute“, zwei „befriedigende“ und ein „ausreichendes“ Angebot.

Die beiden Testsieger lassen sich ohne große Probleme durchführen und informieren ihre jugendlichen Nutzer im Ergebnisbericht ausführlich und fundiert darüber, zu welchen Berufsbildern ihre Fähigkeiten passen könnten. Nutzer brauchen allerdings Durchhaltevermögen: „Mein Berufsweg“ dauert 100 Minuten, „Eignungstest Berufswahl“ sogar bis zu drei Stunden.

Bei der Testauswahl sollten Jugendliche nicht nur auf das Qualitätsurteil der Stiftung Warentest achten, sondern auch auf die Personengruppe, für die der Test konzipiert wurde. „Mein Berufsweg“ richtet sich zum Beispiel nur an Abiturienten, die sich für ein Studium interessieren, der „M + E Berufseignungstest“ vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie hingegen an Haupt- und Realschüler, die wissen möchten, für welche Berufe der Metall- und Elektroindustrie sie geeignet sind. Mit dem „Berufswahltest“ von Adicor Medien Service können Jugendliche, die sich für Medien, Marketing und Werbung interessieren, herausfinden, ob diese Branchen etwas für sie sind (siehe Kurzkommentare).

Vier Onlinetests für Existenzgründer

Von den 14 Onlinetests für Erwachsene richten sich zehn an Hochschulabsolventen, Führungskräfte, Berufstätige, Jobwechsler und Arbeitsuchende. Vier weitere sind speziell für Existenzgründer konzipiert, die überprüfen wollen, ob sie für die Selbstständigkeit geeignet sind.

Die Angebote von Herrmann International Deutschland und Insights International Deutschland umfassen zusätzlich zum Test eine persönliche Beratung. Sie sind daher nur bedingt mit den übrigen Tests vergleichbar. Deshalb haben wir sie in der Tabelle abgegrenzt.

Ein „sehr gutes“ Angebot haben wir in dieser Gruppe nicht gefunden, dafür aber fünf „gute“. Zwei davon kosten nichts: der „Perspektiven-Test für junge Berufstätige“ von der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG und „Profiling Portal“ vom Diplom-Psychologen Stefan Pitz. „Welcher Job passt zu mir?“ vom Unicum Verlag ist nur dann umsonst, wenn man sich auf der Homepage registrieren lässt. Sonst kostet er 20 Euro. Für den „Neue Chancen Test zur beruflichen Orientierung“ vom Geva-Institut müssen Interessierte 38 Euro, für „Self Assessment“ von Alpha-Test 49 Euro bezahlen.

Nicht überzeugen konnten die vier Onlinetests für Existenzgründer: Mit einem „Befriedigend“ erzielte die „F-DUP Diagnose unternehmerischer Potenziale“ von Innovate Testcenter das beste Ergebnis. Die übrigen drei waren „ausreichend“.

Unsere Hauptkritikpunkte bei den Verfahren für Erwachsene: Die Tests sind häufig langweilig in der Anwendung und motivieren kaum, bis zum Ende durchzuhalten. Auch die Auswertungen sagen nicht viel aus: zu allgemein, kaum Konkretes, wenig Neues. Solche Ergebnisberichte bringen kaum weiter.

Die Produktinformationen – hier sollten unter anderem die Bedingungen für die Testdurchführung beschrieben sein – mussten wir in fünf Fällen mit „mangelhaft“ bewerten. Diese Produkte informierten zum Beispiel im Vorfeld nicht darüber, was der Test kostet oder dass nach Beantwortung aller Fragen nur mit Kreditkarte bezahlt werden kann.

Ergebnisse unbedingt reflektieren

Kein Onlineverfahren zur Selbsteinschätzung kann vorhersagen, ob jemand ein begnadeter Rechtsanwalt oder Arzt wird. Die Tests liefern Momentaufnahmen von Interessen und Fähigkeiten und geben Orientierung – mehr nicht.

Nutzer von Onlinetests, die jüngeren im Besonderen, sollten das Testergebnis unbedingt reflektieren und mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen abgleichen. Jugendliche tun das am besten im Gespräch mit Eltern, Freunden, Lehrern oder einem Berufsberater. Bei einigen Anbietern von Onlinetests besteht auch die Möglichkeit, sich nach dem Test persönlich beraten zu lassen oder zumindest Fragen zu stellen, ohne dass es zusätzlich etwas kostet.

Natürlich ist die Eignung nur ein Argument von vielen bei der Entscheidung für einen Beruf, Jobwechsel oder eine Existenzgründung. Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sollte man auf jeden Fall mit im Blick haben. Dennoch ist sicher: Wer einen Beruf ausübt, der ihm liegt und Spaß macht, wird im Arbeitsleben auf lange Sicht zufriedener sein.

Lisa Krinowsky hat das Ergebnis aus ihrem Onlinetest motiviert. „Der Test hat mir bestätigt, dass ich beruflich in die richtige Richtung denke. Ein kreativer Handwerksberuf wie Fotografin oder Dekorateurin kommt für mich durchaus infrage“, sagt sie. „Jetzt kann ich mich gezielter über diese Berufe informieren.“

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