Nur computeruniverse punktet im Test rundum. Ansonsten gibt es Schwächen bei den Lieferzeiten, der Rückabwicklung und in den Geschäftsbedingungen.

Zweieinhalb Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Fotoapparate, Camcorder und Zubehör ausgegeben, schätzt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Immer mehr Kunden zieht es bei solchen Einkäufen nicht mehr ins Fotofachge­schäft oder zu den Technikdiscountern, sondern zu Händlern im Internet.

Billig einkaufen im Netz

Was die Onlineshops so attraktiv macht: Wegen fehlender Ladenmieten und ge­ringerer Personalkosten können sie die Ware oft zu deutlich günstigeren Preisen anbieten. Doch der Kauf per Mausklick ist eine recht anonyme Angelegenheit. Auf der Website eines unbekannten Internethändlers einzukaufen, ist deshalb auch ein ziemlicher Vertrauensvorschuss. Woher weiß der Kunde, wie solide und zuverlässig der Anbieter arbeitet? Kann er wirklich sicher sein, dass seine bezahlte Ware auch ankommt? Und was ist, wenn er sie zurückgeben will?

Dass solche Sorgen berechtigt sind, mussten unsere Tester auf recht drastische Weise erfahren. Mithilfe von Preissuchmaschinen hatten wir zehn Onlinehändler für den Test ausge­sucht, die zu besonders günstigen Preisen eine möglichst breite Auswahl an Fotoartikeln anbieten. Her­aus kam eine bunte Mischung von Fotogeschäften mit angeschlossenem Onlineshop und reinen Inter­nethändlern.

Pluspark.de ging im Test Pleite

Doch mitten im Test war eine der Websites, www.pluspark.de, auf einmal nicht mehr zu erreichen. Auch das Geld für Waren, die wir dem Händler zurückgeschickt hatten, ließ immer länger auf sich warten. Nach einigen Wochen kam stattdessen Post vom Insolvenzverwalter: Anscheinend hatte der Anbieter beim harten Preiskampf nicht mehr mithalten können. Damit war das Testfeld von zehn auf nunmehr neun Anbieter reduziert.

Insolvenzen kommen in allen Branchen vor, auch der Laden um die Ecke kann Pleite gehen. Dennoch verdeutlicht das Beispiel: Besonders bei Onlinehändlern, bei denen man in der Regel per Vorkasse zahlt, sollte man vor dem Kauf schon sehr genau hinsehen, statt sich blindlings auf das billigste Angebot zu stürzen.

Den ersten Eindruck von einem Internethändler erhält man auf seiner Website. Erfreulich: Bei allen Shops im Test sind Namens-, Adress- und Kontaktinformationen der Anbieter vollständig und gut zu finden. Doch ansonsten klaffen teils ärgerliche Informationslücken. So bekommt man nur bei computeruniverse und Directshopper ausführliche Auskunft dar­über, wie bei Reklamati­onen zu verfahren ist. Auch beim Datenschutz ist das Bild zwiespältig: Zwar verschlüsseln alle außer Pixxass beim Bestellen wenigstens Konto- und Kreditkarteninformationen, der gesamte Bestellvorgang ist aber nur bei computeruniverse und fotomeile verschlüsselt. Und vollständig löschen kann der Kunde die gespeicherten Daten nur auf der Website von computeruniverse.

Für Leute, die wissen, was sie wollen

Bei der Handhabung hapert es besonders bei den Suchfunktionen: Selbst die ein­fache Suche ist nur bei computeruni­verse, Nurtec und Technikdirekt wirklich brauch­bar, eine erweiterte Suche haben die wenigsten. Zudem sind die Beschreibungen der Waren oft lückenhaft und ­unsystematisch. Der Onlinekauf ist etwas für Leute, die schon genau wissen, was sie wollen. Eine Beratung im Fachgeschäft können die Websites nicht ersetzen.

Alle liefern – manche spät

Wie seriös ein Händler seine Geschäfte tatsächlich abwickelt, erkennt man erst, wenn man etwas bestellt. Hier haben unsere Tester zunächst überwiegend gute Erfahrungen gemacht: Alle Shops lieferten die bestellte Ware vollständig und zum vereinbarten Preis. Nur bei den Lieferzeiten sollte man sich nicht unbedingt auf die Angaben der Händler verlassen: Wir hatten im Test ausschließlich Artikel bestellt, die mit Hinweisen wie „sofort lieferbar“ oder „versandfertig in 24 Stunden“ versehen waren. Trotzdem dauerten die Lieferungen im Schnitt fast fünf Tage. Am langsamsten war mit durchschnittlich neun Tagen Foto Erhardt: Eine Lieferung brauchte hier sogar fast vier Wochen! Am schnellsten lieferten Pixxass, Nurtec und computeruniverse.

Ärger bei der Rückgabe

Die massivsten Probleme tauchten auf, als die Testkäufer von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machten (siehe „Tipps“) und die Ware zurückschickten. Rühmliche Ausnahme auch hier computeruniverse: Der Testsieger erstattete nicht nur zügig den kompletten Kaufpreis, sondern auch die Kosten für Rücksendung und die Erstlieferung. Die anderen zahlten dagegen teilweise unvollständig zurück, und auch das dauerte zuweilen noch unerfreulich lange. Bei Directshopper, dnet24 und Nurtec warteten die Tester sogar über einen Monat auf ihr Geld.

Dass der Komfort für den Kunden nicht immer im Mittelpunkt steht, zeigt sich aber auch bei anderen Details der Kaufabwicklung. So quittierte keiner der Anbieter die Onlinebestellung mit einer verbindlichen Auftragsbestätigung. Alle bestätigten zunächst nur den Erhalt der Bestellung. Erst beim Versand der Ware legten sie sich fest, ob sie den Auftrag auch tatsächlich annehmen. Das ist umso ärgerlicher, als es nur bei den Websites von computeruniverse und Directshopper möglich ist, eine einmal aufgegebene Bestellung wieder zu stornieren.

Der Eindruck mangelnder Kundenfreund­lichkeit drängt sich auch beim Durchlesen mancher allgemeiner Geschäftsbedingungen auf. Immer wieder stößt man da auf Klauseln, die den Kunden unangemessen benachteiligen. So versuchen sich einige Anbieter aus der Gewährleistungspflicht herauszumogeln, indem sie unzulässig kurze Fristen von unter 14 Tagen setzen, in denen ein Kunde bestimmte, „offensichtliche“ Mängel melden muss. Andere wollen sich vorbehalten, Ware zu liefern, die von der bestellten abweicht. Oder sie versuchen, bestimmte Artikel vom gesetz­lichen Rückgaberecht auszu­nehmen.

Vor Gericht hätten solche Klauseln keinen Bestand, da sie gegen geltendes Recht verstoßen. Bei drei Anbietern fanden sich so viele, so gravierende Verstöße dieser Art, dass wir das test-Qualitätsurteil abgewertet haben. Technikdirekt hat sich auf diese Weise den zweiten Platz in der Testtabelle vermasselt.

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