Online­shops Test

Fast so einfach und sicher wie im richtigen Kauf­haus ist auch das Bezahlen von Online-Einkäufen. Finanztest hat die großen Shops getestet.

Einkaufen im Internet ist fast wie ein richtiger Einkaufs­bummel. Der Kunde betritt das Geschäft, stöbert im Angebot, legt die Ware in den Korb und geht zur Kasse. Auch das Bezahlen ist nicht viel anders. Fast 60 Prozent mehr als 2009 – insgesamt 22 Millionen Deutsche – wollen dieses Weih­nachten im Internet auf Einkaufs­tour gehen. Das ist jeder dritte Bundes­bürger ab 14 Jahre, ergab eine Umfrage des Bundes­verbands der Hightech­branche Bitkom.

Aber noch immer sind rund 17 Millionen Deutsche skeptisch. Sie interes­sieren sich zwar für Online-Einkauf – scheuen aber noch vor der Bestellung im Internet zurück.

Informativ und über­sicht­lich

Wir haben uns auf den Internet­seiten von 30 umsatz­starken Onlinehänd­lern umge­sehen und geschaut, ob und wie sie ihre Kunden über die Bezahlarten informieren und wie über­sicht­lich der Bezahl­vorgang gestaltet ist. Das Ergebnis ist über­raschend gut.

Mehr als die Hälfte der Onlinehändler informiert dort, wo man es auch erwartet: gleich auf der Eingangs­seite oder in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB). Die AGB sind meist ganz unten auf der Home­page als Button anklick­bar.

Doch manchmal muss der Kunde nicht erst in die AGB schauen. Unter den Stich­worten „Service“, „Hilfe“, „Liefer- und Zahlungs­bedingungen“ oder „Kunden­service“ findet er häufig detaillierte Erläuterungen der angebotenen Bezahlarten. Nur bei Amazon (Allroundhändler), Baby-Walz, Beate Uhse (Erotik), Viking (Büro) und Walbusch (Bekleidung) waren die Hinweise etwas versteckt.

Auf Rechnung und mit Kreditkarte

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In fast allen betrachteten Online­shops stehen den Kunden mindestens vier Bezahl-arten zur Auswahl. Über­rascht hat uns, dass das meist die klassischen Verfahren sind: Rechnung, Last­schrift, Nach­nahme und Voraus­kasse. Fast alle Händler akzeptieren eine Kreditkarte von Visa, Mastercard oder American Express.

Bei Apple können Kunden nur per Voraus­kasse und Kreditkarte bezahlen, beim Allroundhändler Heine und dem Bürohändler Viking nur per Rechnung und Kreditkarte.

Keine Wahl lassen Walbusch (Rechnung) und Ikea (Nach­nahme). Wobei das schwe­dische Möbel­haus sicher kein typischer Onlinehändler ist.

Alternative Bezahl­verfahren

Zwei Drittel der betrachteten Internethändler bieten neben den klassischen Bezahlarten auch inno­vative Verfahren an, die extra für Onlinezah­lungen entwickelt wurden. Sie sollen unterschiedliche Interessen von Händler und Kunde ausgleichen. So ist die Vorkasse für den Händler am sichersten: Bevor er die Ware verschickt, hat er das Geld. Der Kunde dagegen fährt mit der Bezahlung per Rechnung am besten, weil er die Ware vor der Bezahlung erst prüfen kann. Die neuen Verfahren bieten dem Händler Sicherheit. Gleich­zeitig muss der Kunde nicht lange warten.

Bei zwölf Händ­lern und damit am häufigsten wird Paypal angeboten. Auf den Plätzen liegen sofort­über­weisung.de (7), Click­andbuy (5) und giropay (1). Es gibt keinen Shop in unserem Test, der alle diese Zahlarten bietet.

Der Kunde kann sie kostenlos und ohne zusätzliche Software nutzen. Sie funk­tionieren mit jedem Internet­provider, Betriebs­system und mit allen gängigen Browsern.

Bei einigen müssen sich Nutzer anmelden. Das geht vor oder während des Einkaufs (siehe: Die häufigsten alternativen Bezahlverfahren)

Auch die Stiftung Warentest verkauft unter www.test.de Bücher, Sonder­hefte und Software. Die kann man per Rechnung, Bank­einzug, Kreditkarte und Paypal bezahlen. Diese Informationen findet der Nutzer mit zwei Klicks unter „Online-Bestellung“ oder „Shop-Hilfe“. Dagegen findet er bei uns keine AGB. Damit gelten uneinge­schränkt die gesetzlichen Regeln für online geschlossene Kauf­verträge. Das ist für Kunden meist güns­tiger.

Sicherheit vor Betrug

Die Skeptiker des Online-Einkaufs sind nicht nur von den vielen Bezahlarten verwirrt. „Zusätzlich verunsichern sie die Berichte über Betrugs­fälle“, sagt Sonja Rodenkirchen vom E-Commerce-Center Handel am Institut für Handels­forschung in Köln. „Die sind zwar keinesfalls unwahr, sie sind aber auch nicht der Normalfall.“

So versuchen Betrüger oft, die Finanz­daten der Nutzer von Paypal und Click­andbuy abzu­fangen. Sie verschi­cken E-Mails im Namen der Anbieter und locken die Nutzer auf gefälschte Webseiten. Hier erfragen sie Kreditkarten­daten und Pass­wort.

Giropay wirft dem banken­unabhängigen Anbieter sofort­über­weisung.de vor, seine Nutzer würden persönliche Geheimzahl ihres Kontos und Trans­aktions­nummer einem unbe­rechtigten Dritten zur Verfügung stellen. Das verbieten nun die neuen Geschäfts­bedingungen der Banken. Aber sofort­über­weisung.de leitet diese Daten sofort verschlüsselt an die jeweilige Bank des Kunden weiter. Miss­brauchs­fällle gab es bisher nicht.

Dieser Streit wurde vor Gericht getragen. Bevor ein Urteil erging, schaltete sich das Bundes­kartell­amt ein. Eine Entscheidung steht aus.

Gegen den betrügerischen Gebrauch von Kreditkarten­daten haben Visa und Mastercard unter den Begriffen Verified by Visa und Mastercard Secure Code einen zusätzlichen Pass­wort­schutz einge­führt. Das Pass­wort wählt der Karten­inhaber selbst. Er muss es dann zusätzlich angeben.

Einen 100-prozentigen Schutz vor Betrügern bietet kein Onlinebezahl­verfahren. „Verbraucher sollten Internet­dienste weder komplett ablehnen noch ihnen blind vertrauen“, sagt Dieter Kempf, Chef des Vereins Deutsch­land Sicher im Netz. „Vielmehr gilt es, sich im Internet aufmerk­sam zu verhalten und den Rechner richtig auszustatten. Wer mit Bedacht surft und mailt und keine Stan­dard­pass­wörter verwendet, wird kaum ein Opfer von Cyberkriminellen.“

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