Im Internet einkaufen – das kann Geld und eine Menge Stress ersparen. Onlineshopper sollten allerdings ein paar Regeln beachten.

Onlineshopping Special

Der Countdown läuft. Wer am Heiligen Abend nicht mit leeren Händen dastehen will, muss spätestens jetzt mit der Jagd nach den passenden Präsenten beginnen. Die Zeit, in der man durch über­füllte Kauf­häuser hetzen musste, ist vorbei. Immer mehr Verbraucher erledigen ihre Besorgungen im Web.

Neun von zehn Internetnutzern kaufen in Deutsch­land online ein. Besonders beliebte Objekte in der schönen neuen Shopping­welt sind Bücher, Mode, Musik, Filme, Elektronik und Computer. Das belegt eine Umfrage des Branchen­verbands Bitkom. Doch so bequem der Einkaufs­bummel vom Sofa aus sein mag: Es lauern auch Tücken. Sechs von zehn Onlineshoppern haben laut der Bitkom-Studie schon schlechte Erfahrungen gemacht. Fast ein Drittel erhielt beschädigte Ware, bei 20 Prozent kam die Lieferung zu spät an, bei jedem Zehnten gar nicht.

Kein schöner Befund, aber auch kein Grund zum Verzweifeln. „Online­kunden haben sehr weitreichende Rechte und sind oft besser geschützt als diejenigen Verbraucher, die im klassischen Laden­geschäft einkaufen“, sagt Christian Solm­ecke, Rechts­anwalt und Experte für Informations­technologie-Recht in Köln.

Probezeit für Präsente

Der wohl wichtigste Unterschied zum stationären Handel: Wer im Netz einkauft, darf die Ware 14 Tage lang ohne Angabe von Gründen zurück­schi­cken und bekommt sein Geld zurück, wenn er schon bezahlt hat. So können Kunden die Produkte zuhause prüfen – und erst danach entscheiden, ob sie sie behalten wollen. Eine Probenacht auf der neuen Matratze? „Kein Problem“, sagt Anwalt Solm­ecke.

Tipp: War die bestellte Ware teurer als 40 Euro, zahlt der Händler das Porto für die Rück­sendung. Erst ab Mitte 2014 dürfen die Anbieter die Kosten stets auf den Käufer abwälzen siehe: Das ändert sich im neuen Jahr.

14 Tage Zeit für den Widerruf

Kunden sollten sich mit ihrem Widerruf nicht unbe­grenzt Zeit lassen. Der Gesetz­geber räumt ihnen eine Frist von 14 Tagen ein. Um sie einzuhalten, genügt ein kurzes Schreiben oder eine E-Mail. Bereits durch das Absenden ist die Frist gewahrt. Ob die Ware selbst binnen zweier Wochen beim Anbieter eintrifft, ist dann nicht mehr so wichtig. „Solange die Sendung nur zeit­nah nach dem Widerruf beim Händler ankommt, hat der Kunde seine Rechte gesichert“, weiß Anwalt Solm­ecke.

Tipp: Gemütlicher können Verbraucher es angehen lassen, wenn der Verkäufer sie fehler­haft über die Widerrufs­möglich­keiten informiert – oder die Aufklärung ganz weglässt. Dann haben sie ein unbe­fristetes Widerrufs­recht. Noch. 2014 stehen auch hier Änderungen bevor siehe: Das ändert sich im neuen Jahr.

Schäden nach der Bescherung

Stellt sich Wochen oder Monate nach dem Kauf heraus, dass die neue Kaffee­maschine ein Montags­modell ist oder dass die sündhaft teure Kamera nur noch Wackel­bilder produziert, gibt es zwei Möglich­keiten.

Gewähr­leistungs­recht ausüben

Variante eins: Der Kunde übt sein gesetzlich verbrieftes Gewähr­leistungs­recht aus. Das gilt für zwei Jahre. Meistens behalten sich Händler zwei Reparatur­versuche vor. Der Kunde muss das akzeptieren. Erst wenn auch der zweite Versuch scheitert, kann er den Kauf rück­gängig machen.

„Ist der Wunsch, den Schaden zu beheben, völlig über­trieben, darf der Verkäufer davon abweichen“, sagt Kerstin Piller-Simon, Fach­anwältin für IT-Recht in München. Selbst wenn der Kunde es möchte, muss der Händler eine kaputte Computer­maus für knapp 10 Euro nicht mit großem Aufwand reparieren. „Umge­kehrt erwirbt kein Kunde einen Anspruch auf ein neues Renn­rad, nur weil das gelieferte Modell einen Platt­fuß hat“, so die Juristin.

Das Gewähr­leistungs­recht unterstellt im ersten halben Jahr nach dem Kauf, dass die Sache bereits bei Vertrags­schluss eine Macke hatte. Ab Monat sieben muss der Kunde selbst den Beweis erbringen. „Das“, so Piller-Simon, „klappt nur selten.“ Händler nutzen die Beweisnot von Kunden dann gern, um sie abzu­wimmeln. Das ist oft unzu­lässig, zum Beispiel wenn ein Bauteil kaputt­geht, auf das der Kunde gar keinen Zugriff hatte, wie etwa das elektronische Innenleben eines Tablets, Fernsehers oder Mobiltelefons.

Garan­tieversprechen einlösen

Variante zwei, wenn ein Gerät kaputt­geht: Der Käufer löst das Garan­tieversprechen ein. Haben Hersteller oder Händler eine Eigenschaft oder die Funk­tions­fähig­keit für einen bestimmten Zeitraum zugesagt, müssen sie sich darauf fest­nageln lassen und reparieren oder Ersatz beschaffen. Eine Garantie ist allerdings freiwil­lig. Hersteller und Händler können wählen, ob sie eine solche Verpflichtung eingehen, was sie garan­tieren und gegen­über welchem Kunden­kreis. Es ist zulässig, dass manche Marken­artikler die Garantie nur jenen Kunden gewähren, die im auto­risierten Fach­geschäft einkaufen. Ist eine Zusage aber erst einmal ausgesprochen, sind Händler und Hersteller daran gebunden.

Tipp: Ob der gekaufte Gegen­stand im Fall einer wirk­samen Garantie bereits am ersten Tag oder 24 Stunden vor Garantie-Ende kaputt­geht, ist egal. Beweis­probleme wie bei der Gewähr­leistung entfallen.

Verschlafenes Christkind

Was aber gilt, wenn das sehnlich erwartete Päck­chen am 24. Dezember immer noch nicht da ist? „Auch hier lässt sich der Onlinekauf widerrufen und der Kunde bekommt sein Geld zurück“, weiß Anwältin Piller-Simon. Nur ist damit noch nicht das Problem des fehlenden Präsents gelöst. Um die Bescherung zu retten, muss der verhinderte Internet­shopper ein Ersatz­geschenk kurz vor Laden­schluss in der realen Welt besorgen. Womöglich gegen Aufpreis.

Kleiner Trost: Kauft der Kunde dort dasselbe Produkt wie beim Onlinehändler – nur eben teurer –, kann er seine Mehr­kosten mitunter ersetzt verlangen. „Das gilt nur, wenn der Händler die recht­zeitige Lieferung bei Vertrags­schluss zugesichert hatte“, so Expertin Piller-Simon.

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