Onlineshopping Meldung

Pakete aus Fern­ost – der Zoll schaut genauer hin.

Viele Kunden landen beim Onlineshopping bei Läden aus Fern­ost – ohne es zu merken. Betroffenen kann das reichlich Probleme bescheren: Es drohen zum Beispiel lange Warte­zeiten und Probleme beim Reklamieren. Wenn dann noch unerwartet Einfuhr­umsatz­steuer und Zoll­abgaben fällig werden, wird es nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. test.de nennt acht Probleme beim Onlinekauf aus Fern­ost.

Bei vielen Produkten güns­tige Preise

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Audio: Die Tücken des Online-Shoppings

„Ich habe Nike Schuhe bestellt, mit Mastercard bezahlt, das Geld wurde zweimal abge­bucht plus 10 Euro Aufschlag. Nun soll ich noch 85 Euro Zoll­gebühren bezahlen. Der Shop will das Geld nicht erstatten“. Das schreibt eine enttäuschte Tina auf der Internetseite china­shops.info. Ähnlich geht es anderen Verbrauchern: Sie bestellen im Internet bei Händ­lern in Fern­ost – oft ohne es zu merken. Die Läden bieten Billigst­preise. In vielen Produktkategorien – vor allem Elektronik wie bei MP3-Playern, bei LED-Lampen, Spielzeug, Unter­wäsche und Schmuck – kommt bei einigen Online-Portalen inzwischen ein Groß­teil der Händler aus Ländern außer­halb der Europäischen Union.

Problem 1: Versteckte Standort­angaben

Viele Kunden merken gar nicht, dass sie bei einem „China­shop“ landen. Die Platt­form Amazon etwa zeigt zwar den Namen des Verkäufers an. Aber wer ahnt schon, dass „Xcsource“ in Hong­kong sitzt? Selbst wenn man auf den Namen klickt, werden nur weitere Produkte des Anbieters gezeigt, nicht aber sein Stand­ort. Erst ein Klick in der Zeile „Verkauf durch Xcsource und Versand durch Amazon“ oder auf die Zeile „Verkäufer­informationen, Impressum, AGB, Widerrufs­recht“ zeigt dies an. Ansonsten merken Kunden oft erst, wenn sie ungewöhnlich lange auf die Ware warten, dass sie einem Händler in Fern­ost aufgesessen sind. Statt ein paar Tagen dauert es oft ein bis zwei Wochen, bis die Ware eintrifft, in manchen Fällen sogar doppelt solange.

Problem 2: Kein Hinweis auf Käuferrechte

Vor jedem Kauf sollten sich Kunden unbe­dingt Gewiss­heit über den Händ­lerstand­ort verschaffen. Falls es später Probleme gibt, zum Beispiel weil die Ware die falsche Farbe hat oder die Qualität nicht stimmt, sind Reklamationen bei Anbietern aus Nicht-EU-Ländern oft kaum möglich. Mitunter scheitert es schon daran, dass einige Läden kein Impressum nennen, keine Adresse, keine Email, keine Telefon­nummer. Da hilft es nichts, wenn Shops „Sicherheit beim Einkauf“ oder „100 Prozent Zufriedenheit“ versprechen. Wichtig wären klare Anbieter­angaben und ein Hinweis auf das gesetzliche 14-tägige Widerrufs­recht. Danach gilt bei Nicht­gefallen: „Ware zurück, Geld zurück und Erstattung der Hinsende-Kosten“ (Details zum Widerrufs­recht im großen FAQ Kaufrecht). Doch der Hinweis fehlt bei vielen Fern­ost-Shops. Das hat die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen in Stichproben fest­gestellt. Sie warnt mitt­lerweile vor dem „Risiko vorm finalen Klick“.

Übrigens: Die Stiftung Warentest hat untersucht, wie das Bezahlen in bekannten Online-Shops klappt.

Problem 3: Hohe Rück­sende­kosten, dubiose Gebühren

Ärger­potential haben auch die Portokosten. Die Verbraucherzentrale nennt das Beispiel eines Kunden, der für 136 Euro einen Rasierer gekauft hatte. Als das Gerät sich als defekt heraus­stellte, reklamierte der Kunde. Für die Rück­abwick­lung verlangte der Shop 18 Euro Bearbeitungs­gebühr sowie 50 Euro „Lager­auffüll­gebühr“. Inklusive Porto hätte den Kunden die Reklamation 111 Euro gekostet. Auch andere Shops verhalten sich alles andere als kundenfreundlich. Einige schließen eine Erstattung des vollen Kauf­preises von Anfang an aus und weisen darauf hin, dass sie bei Reklamationen 10 oder gar 20 Prozent abziehen.

Problem 4: Stimmt die Größe bei Textilien?

Gerade die Bestellung von Textilien aus Fern­ost bereitet häufig Ärger. Das fängt bei den Größen an: Ein chinesisches XL muss nicht unbe­dingt so ausfallen wie die entsprechende deutsche Kenn­zeichnung – das Shirt kann viel kleiner sein. Wer trotzdem bestellt, sollte auch auf das Material achten: Gerade preislich besonders attraktive Ware wie T-Shirts oder Polohemden besteht gern man zu 100 Prozent aus Polyester.

Tipp: Worauf bei Auktionen zu achten ist, steht im Special Onlineauktionen.

Problem 5: Gefälschte Zertifikate und gefähr­liche Produkte

Auch mit Betrügereien ist zu rechnen. So werden zum Beispiel LED-Lampen mitunter mit gefälschten CE-Zertifikaten verkauft. Solche Produkte werden vom deutschen Zoll beschlag­nahmt. Schließ­lich sind manche sogar lebens­gefähr­lich: ohne Berührungs­schutz mit offen liegenden Kontakten. Immerhin: Amazon verspricht Käufern im Marketplace, mit der A-bis-Z-Garantie selbst für die Sicherheit der Bestellung einzustehen, „wenn die Bezahlung über die Website von Amazon.de erfolgt oder wenn Sie Amazon Payments verwenden“.

Problem 6: Teurer Ärger beim Plagiate-Kauf

Händler in Fern­ost fälschen aber nicht nur Sicher­heits­zertifikate. Einige liefern auch Produkt­fälschungen. Werden Waren bekannter Marken zu auffallend nied­rigen Preisen angeboten, können Kunden fast sicher sein: Hier gibt es keine Originalware, sondern Plagiate. Der Zoll konfisziert solche Produkte. Informiert er dann den Marken­inhaber, kann auch der Besteller Ärger bekommen – in Form einer Abmahnung. Inklusive Anwalts­rechnung kann das mehrere hundert Euro kosten. Der Zoll warnt: Diesen Ärger kann es auch dann geben, wenn der Kunde nur für den Privatgebrauch bestellt hat. Schon beim Kauf eines einzigen gefälschten Artikels könne „geschäftlicher Verkehr“ vermutet werden. Es reicht, wenn der Absender unternehmerische Ziele mit dem Verkauf verfolgt.

Problem 7: Zoll­gebühren treiben den Preis in die Höhe

Viele Kunden vergessen die Zoll­gebühren, berichten die Verbraucherschützer. Bei kleinen Einkäufen bis zu einem Gesamt­wert von 22 Euro spielen sie zwar keine Rolle. Aber für alles darüber sind 19 Prozent Einfuhr­umsatz­steuer fällig. Dabei zählen alle Kosten als Berechnungs­grund­lage, nicht nur der Waren­wert. Kostet der bestellte DVD-Player 190 Euro plus 20 Euro Versand­kosten, werden 19 Prozent Einfuhr­umsatz­steuer auf den Gesamt­betrag von 210 Euro fällig, also 39,90 Euro.* Ab 150 Euro Wert kommen Einfuhr­abgaben hinzu. Wie hoch die im einzelnen sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Je nach Waren­typ können es bis zu 17 Prozent sein – beispiels­weise bei Bekleidung meist 12 Prozent, bei Objektiven 6,7 Prozent, bei digitalen Foto­apparaten, bei Notebooks und Tablets 0 Prozent. Besonders teuer ist der Import von Fahr­rädern aus China: Da werden zusätzlich 48,5 Prozent Antidumpingzoll fällig.

Tipp: Der Zoll bietet eine Übersicht über anfallende Import-Kosten.

Problem 8: Trick­serei beim Deklarieren

Die Stich­proben der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen zeigen auch: Manche Händler aus Fern­ost bieten an, einen falschen Waren­wert anzu­geben oder das Paket als Probemuster oder Geschenk zu deklarieren, um den deutschen Zoll zu umgehen. Doch Geschenksendungen sind nur bis zu einem Wert von weniger als 45 Euro abgabenfrei. Bei Waren darüber wird – bis zu Werten unter 700 Euro – ein pauschalierter Abgaben­satz von 17,5 Prozent des Waren­wertes fällig, in bestimmten Fällen 15 Prozent. Außerdem sind diese Tricks beim Zoll ein alter Hut. Kommt das vermeintliche Geschenk-Paket von einem Absender, der als kommerzieller Händler zu erkennen ist, können die Beamten den Empfänger auffordern, die Sendung persönlich in der Behörde abzu­holen und nach­zuver­steuern. Dasselbe passiert, wenn dem Paket keine ordnungs­gemäße Zoll­inhalts­erklärung beiliegt. Darin muss stehen, was es enthält und wie hoch der Zoll­wert ist.

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* Rechenbei­spiel wegen Rechen­fehlers korrigiert am 18. Februar 2016.

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