Onlinegeschäfte Meldung

Wegen 300 Euro zum Anwalt? Das muss nicht sein. Wer Ärger mit einem im Internet geschlossenen Vertrag hat kann den „Online-Schlichter“ um Hilfe bitten. Die Schlichtungsstelle nimmt Beschwerden von Verbrauchern mit Wohnsitz in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen an. Und auch wer in einem anderen Bundesland wohnt, kann den Schlichter anrufen – wenn der Online-Händler seinen Sitz in einem der drei Bundesländer hat. Juristen des Zentrums für Europäischen Verbrauchschutz suchen mit Kunde und Händler nach einer außergerichtlichen Lösung – kostenfrei.

Online-Händler erstattet kein Geld

Schmuck im Wert von 520 Euro hatte Pamela Schermann bei einem Hamburger Onlinehändler bestellt und vorab bezahlt. Aber nicht alle Teile gefielen der 35-jährigen Kauffrau. Also widerrief sie einen Teil ihres Kaufs in der 14-tägigen Widerrufsfrist, die für Onlinegeschäfte gilt, und schickte Schmuck im Wert von 300 Euro wieder zurück. Der Händler versprach, den Kaufpreis der zurückgeschickten Waren zu überweisen. Aber nichts passierte, obwohl Pamela Schermann über Wochen mehrfach per Telefon und E-Mail um Erstattung des Betrags bat und sogar mit einem Anwalt drohte. Schließlich suchte die junge Frau aus Au am Rhein bei Karlsruhe im Internet nach Hilfe und stieß auf die Internetseite www.online-schlichter.de. Pamela Schermann füllte das Online-Formular auf der Seite aus und reichte ihren Fall zur Schlichtung ein.

Hilfe bei Ärger mit Online-Verträgen

Der „Online-Schlichter“ ist eine Einrichtung des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz in Kehl bei Straßburg, die Hilfe ist kostenlos. Die Schlichtungsstelle hilft allen Kunden wie Pamela Schermann, die ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen haben, wenn es Ärger bei online abgeschlossenen Verträgen mit deutschen Online-Händlern gibt. Verbraucher aus anderen Bundesländern können den Schlichter um Hilfe bitten, wenn der Online-Händler seinen Sitz in Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen hat. Als Online-Schlichter arbeitet die Juristin Andrea Klinder zusammen mit einem Kollegen. In einer E-Mail wies Klinder den Hamburger Schmuckhändler auf den teilweisen Widerruf der Bestellung hin. Der Händler meldete sich umgehend. Schon wenige Tage später hatte Pamela Schermann ihre 300 Euro. Die Online-Schlichter haben seit 2009 insgesamt 650 Fälle bearbeitet, rund 70 Prozent konnten erfolgreich abgeschlossen werden.

Schlichtung nur, wenn Händler mitmacht

Ziel des Online-Schlichters ist die außergerichtliche und einvernehmliche Lösung mit dem Händler. Macht dieser nicht mit, endet das Verfahren ohne Ergebnis. Die Schlichtungsstelle hat keine Möglichkeiten, einen Schlichterspruch gegen den Willen des Händlers durchzusetzen. Opfern von so genannten Abofallen oder anderen Abzock-Firmen im Internet kann die Schlichtungsstelle daher meist nicht helfen.

Kooperation mit Trusted Shops

Finanziert wird die Schlichtungsstelle von den Verbraucherschutzministerien der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Auch die Trusted Shops GmbH aus Köln fördert seit kurzem den Online-Schlichter. Die Firma Trusted Shops zertifiziert Online-Shops. Wenn diese bestimmte Qualitätskriterien etwa zum Datenschutz oder zur Preistransparenz einhalten, dürfen sie mit dem Trusted-Shops-Siegel werben. Wer sich mit einem von Trusted Shops zertifizierten Handler streitet, kann den Online-Schlichter zwar nicht direkt um Hilfe bitten. Aber das Unternehmen selbst leitet Verbraucherbeschwerden über zertifizierte Shops etwa dann an den Online-Schlichter weiter, wenn das unternehmenseigene Schlichtungsverfahren nicht zum Erfolg führt. Nach Unternehmensangaben tragen derzeit über 10 000 Shops das Trusted-Shops-Gütesiegel.

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