Eckart W. ist Hobbyaktionär und hält speziell den asiatischen Markt für aussichtsreich. So hat er auch einige China-Werte im Depot. Zum Beispiel 200 Stück der Fluglinie China Southern Airlines, deren Kursentwicklung er seit geraumer Zeit regelmäßig verfolgt.

Am 5. Oktober 2001 entdeckt Herr W., dass diese Aktie an der Frankfurter Börse zum "Schnäppchenkurs" angeboten wird. Herr W. ordert über den Onlinebroker Comdirect 10.000 Stück ­ die er auch prompt erhält. Beim Blick ins Internet stellt Herr W. fest, dass die Aktie an der Berliner Börse zum etwa zehnfachen Kurs notiert. Kurz entschlossen wirft er die Papiere wieder auf den Markt und "verdient" im Handumdrehen rund 1.900 Euro.

Die Freude währt nur ein paar Stunden. Noch im Laufe des Tages teilt ihm die Comdirect mit, dass der günstige Kauf rückgängig gemacht wird und 10.000 Stück der China-Aktie nachgekauft werden müssen ­ zum nun gültigen zehnmal höheren Kurs. Herr W. hat keinen finanziellen Schaden, aber sein Daytrading-Gewinn ist damit passé.

Was Herrn W. nicht klar war: Börsengeschäfte können bis zum Beginn des nächsten Handelstages zurückgenommen werden, wenn der Kursmakler der Börse einen Fehler bei der Preisfeststellung gemacht, sich zum Beispiel vertippt oder versprochen hat. Auch bei "offensichtlich falscher Ermessensausübung" kann er vom Geschäft zurücktreten.

Diesmal ging die börseninterne Handelsüberwachungsstelle ­ sie überwacht die täglichen Geschäfte ­ offenbar von einer fehlerhaften Preisfeststellung aus und empfahl die Rücknahme des Handels. Das Geschäft konnte aber nur zurückgenommen werden, weil die beteiligte Bank damit einverstanden war.

Für den Kunden bestehe immer das Risiko einer nachträglichen Kurskorrektur, bestätigt die Comdirect. Sie beruft sich auf Rechtsvorschriften und ihre Geschäftsbedingungen. Kunden dürfen aber keine Fehler korrigieren: "Sofern ein Kunde (...) einen Auftrag ordnungsgemäß erteilt und dieser auch ausgeführt wird, gibt es anschließend keine Möglichkeit, seinen Auftrag zu stornieren", sagt die Comdirect.

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