Noch vor eineinhalb Jahren konnten sich die jungen Onlinebroker in Deutschland vor Anrufen und E-Mails euphorischer Anleger kaum retten. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel zwang Consors, Comdirect & Co. deshalb sogar zum Aufbau von Personal und zum Ausbau ihrer Technik. Mit dem Absturz der Aktienkurse an den internationalen Börsen brach auch das Geschäft der Discountbroker zusammen.

Weil kein Schwein mehr anruft, müssen die Onlinebroker jetzt massiv Personal abbauen und Kosten sparen. So kündigte Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt eine Reduzierung des Personals von 1.200 auf 800 bis zum Jahresende an, andere Anbieter folgen. Systracom ist bereits vom Markt verschwunden, Fimatex und EQ Online haben sich weitgehend zurückgezogen.

Hauptproblem aller Onlinebroker: Der deutsche Markt ist total ausgereizt. Dazu Volker von Krüchten, Analyst der BHF-Bank: "Der Markt der transaktionsfreudigen und daher lukrativen Heavy Trader ist verteilt und die Onlinebroker versuchen verstärkt, wertpapier- und internetunerfahrene Anleger, Kunden der so genannten zweiten Welle zu gewinnen." Doch das kostet Geld. Consors-Chef Schmidt gibt sich allerdings optimistisch: "Wir haben jetzt schon genug Eigenkapital, um Kunden zu kaufen. Das ist nicht das Problem." Auch die Commerzbank-Tochter Comdirect sitzt noch auf mehreren Hundert Millionen Euro Eigenkapital.

Aktienanalysten lassen sich von den hoffnungsvollen Tönen der Discountbroker freilich nicht einlullen: Sie haben die Aktien von Consors, Comdirect und Direkt Anlage Bank (DAB) von ihren Kauflisten gestrichen.

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