Onlinebroker Degiro Güns­tige Konditionen mit einigen Haken

16.10.2017
Onlinebroker Degiro - Güns­tige Konditionen mit einigen Haken

Der nieder­ländische Onlinebroker Degiro wirbt mit sehr nied­rigen Order­preisen um deutsche Kunden. Unsere Börsen­experten haben sich das Angebot angeschaut – und neben offensicht­lichen Vorteilen auch ein paar Haken entdeckt. Der Schnell­test zeigt, welche das sind – und ob sich das Wert­papierdepot auch für Normal­anleger lohnt.

Nur Xetra oder Frank­furt

Wertpapier­orders über das Xetra-System kosten bei Degiro pauschal 2 Euro, zuzüglich 0,008 Prozent des Order­betrages, höchs­tens 30 Euro. Der elektronische Xetra-Handel hat in Deutsch­land mit Abstand die höchsten Umsätze. Auch der Kauf an ausländischen Börsen ist günstig. Allerdings gibt es bei Degiro keinen Handel an deutschen Regionalbörsen außer in Frank­furt.

Zwei Depot­varianten: Mit oder ohne Wert­papierleihe

Anleger können zwischen zwei Depot­varianten wählen: Im Profil „Stan­dard“ geben sie dem Anbieter die Erlaubnis zum Verleihen der im Depot verbindlichen Wert­papiere, im Profil „Custody“ ist die Wert­papierleihe nicht gestattet. In beiden Varianten können Aktien, ETF und Anleihen gehandelt werden – Zertifikate, Optionen und Futures dagegen nur im Stan­dard­depot. Außerdem müssen Kunden im „Custody“-Profil bestimmte Dienst­leistungen wie die Einbuchung von Dividenden extra bezahlen.

Geldmarkt­fonds statt Verrechnungs­konto, Über­weisung statt Postident

Anders als bei gewöhnlichen Wert­papierdepots gibt es bei Degiro kein Verrechnungs­konto. Statt­dessen werden nicht investierte Beträge in einem Geldmarkt­fonds geparkt. Anleger können das Konto sehr schnell per Direkt­über­weisung eröffnen und kurze Zeit später nutzen. Sie müssen sich nicht wie bei deutschen Direkt­banken per Postident- oder Videoident­verfahren legitimieren und dann auf die posta­lische Zusendung der Eröff­nungs­unterlagen warten.

Sehr nied­rige Order­preise im Xetra-Handel

Der Handel mit Wert­papieren ist im Xetra-Handel über Degiro deutlich billiger als bei allen Anbietern aus unserem letzten Depottest. Das ist vor allem für sogenannte Heavy Trader attraktiv, die mitunter täglich Dutzende von Trans­aktionen ausführen. An der Parkett­börse in Frank­furt ist das Preis­niveau allerdings weit­aus höher: Zur Pauschale von 7,50 Euro pro Order kommen 0,08 Prozent des Volumens hinzu.

Teil­weise hohe Extra­kosten

Beim Depot­über­trag von und zu Degiro kostet jeder Posten 10 Euro. Bei deutschen Banken sind dagegen nach einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs Kosten für den Über­trag von Wert­papieren unzu­lässig (Az.: BGH XI ZR 200/03 und XI ZR 49/04). Ungewöhnlich hoch sind bei Degiro die Gebühren für bestimmte Dienst­leistungen. Zum Beispiel verlangt der nieder­ländische Broker für die Anmeldung zur Haupt­versamm­lung einer Aktiengesell­schaft 100 Euro plus zusätzlich entstandene Kosten.

Fazit: Eher was für Heavy Trader als für Durch­schnitts­anleger

Bei Degiro handelt es sich um einen reinen Finanz­dienst­leister ohne Bank­lizenz. Mit herkömm­lichen Direkt­banken ist das Unternehmen nicht vergleich­bar. Anleger, die nicht zu den Heavy Tradern zählen, sondern nur ab und zu Wert­papiere oder Fonds handeln, sind bei Degiro an der falschen Adresse. Sie sparen zwar bei den Trans­aktionen, haben aber an anderer Stelle Nachteile. So wird ihre Steuererklärung komplizierter, da sie sich um die Versteuerung von Dividenden und Kurs­gewinnen selbst kümmern müssen. Der Verzicht auf ein Verrechnungs­konto ist zumindest gewöhnungs­bedürftig.

Tipp: Bewertungen der Finanztest-Experten zu rund 6 000 Fonds und ETF zeigt unser großer Fondsvergleich.

16.10.2017
  • Mehr zum Thema

    Finanzen.net zero, Just­trade, Scalable Capital und Trade Republic Smartphone-Broker im Test

    - Kostenlos Aktien und ETF handeln – mit Smartphone-Brokern. Stiftung Warentest hat sich Finanzen.net zero, Just­trade, Scalable Capital und Trade Republic angeschaut.

    Wert­papierdepot von Scalable Güns­tiges Abomodell für Vieltrader

    - Der digitale Vermögens­verwalter Scalable betätigt sich seit kurzem auch als Onlinebroker. Bei seinem Abomodell für knapp 36 Euro pro Jahr können Anleger ohne weitere...

    ETF Emerging Markets Small Cap Kleine Aktien aus Schwellenländern fürs ETF-Depot

    - Inno­vative Firmen aus Ländern wie Taiwan und Indien haben Erfolg – nicht nur mit Mikrochips. Finanztest sagt, wie Sie mit ETF auf Schwellenländer-Indizes Vielfalt ins...