Bei der SMS-Tan gibts für jede Über­weisung eine Code-Nummer aufs Handy.

Fehlt Geld auf dem Konto, gibt es oft Streit zwischen Kunde und Bank, wer für den Verlust aufkommen muss. Das Land­gericht Kiel hat nun in einem Fall entschieden: Die Bank haftet, wenn sie nicht beweisen kann, dass Zugangs­daten unsicher aufbewahrt wurden.

Der Fall: 28 000 Euro vom Konto verschwunden

Ein Kunde einer Sparkasse nutzt für seine Bank­geschäfte Online­banking. Für Über­weisungen verwendet er Tan-Nummern, die ihm per SMS auf sein Handy geschickt werden. Plötzlich verschwinden rund 28 000 Euro vom Konto. Zwei Über­weisungen wurden zwar mit der korrekten Tan beauftragt – jedoch nicht vom Kunden. Zu diesem Zeit­punkt funk­tionierte sein Handy gar nicht, was er auch seinem Mobil­funkanbieter gemeldet hat. Er fordert das Geld von der Sparkasse zurück. Die sieht die Schuld jedoch beim Konto­inhaber. Der Fall landet vor dem Land­gericht Kiel.

Das Urteil: Bank muss den Schaden ersetzen

Das Gericht entscheidet: Der Kunde erhält sein Geld zurück. Wenn Unbe­fugte die korrekten Pin- und Tan-Nummern für Über­weisungen verwenden, müsse die Bank nach­weisen, dass der Kunde für den Verlust der Daten verantwort­lich ist. Die Über­weisungen gingen aber weder auf einen Diebstahl noch auf einen Verlust des Smartphones zurück. Der Kunde war nach­weislich im Besitz des Handys und der zugehörigen Sim-Karte. Dass er die sensiblen Daten unsicher aufbewahrt hat, hätte die beklagte Sparkasse beweisen müssen. Das konnte sie nicht. Sie muss ihrem Kunden das verlorene Geld ersetzen (Az. 212 O 562/17).

Beweislast: Bank muss Kunden grobe Fahr­lässig­keit nach­weisen

Verschwindet Geld vom Konto, streiten nicht selten Kunde und Bank darüber, ob das Institut den Verlust des Konto­inhabers ausgleichen muss. Sehr oft geht es dabei um die Beweislast. Banken berufen sich dann auf den Umstand, dass die richtigen Pin- und Tan-Nummern für eine strittige Über­weisung benutzt wurden, um ein Verschulden des Kunden zu beweisen. Doch dieser sogenannte Beweis des ersten Anscheins reicht nicht aus. Die Bank darf dem Kunden nicht einfach einen nach­lässigen Umgang mit Zugangs­daten und Tan-Nummern unterstellen. Vielmehr muss sie ihm grobe Fahr­lässig­keit im Umgang mit den Daten nach­weisen.

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