Keine Lust auf volle Kauf­häuser in der Weihnachtszeit? Dann shoppen Sie doch online. Das hat viele Vorteile.

Weihnachten überrascht vor allem Ehemänner und Väter jedes Jahr aufs Neue. Nun bleiben nur noch wenige Wochen, um Geschenke zu besorgen.

Wer weiß, was er will, kann zumindest dem Kaufhausstress entgehen – und online einkaufen. Etwas Zeit sollte aber noch sein, denn manche Händler liefern unpünktlich.

Dafür hat der Onlinekauf einen handfesten Vorteil: Der Kunde kann die Ware innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurückgeben. Dieses Widerrufsrecht hat er beim Händler im Laden nicht. Dort kann er lediglich bei Mängeln reklamieren.

Das ist wichtig bei der Shopauswahl

Bei unbekannten Händlern sollten sich Kunden zunächst die Homepage ansehen.

Anbieter und Kosten. Es muss klar sein, wer verkauft. Firmenname, Adresse und Informationen zum Eintrag im Handelsregister sollten leicht zu finden sein. Das Gleiche gilt für Preise und Versandkosten.

Manche Anbieter knüpfen die Kosten an die Art der Bezahlung, etwa per Kreditkarte oder Nachnahme. Verbraucherfreundlich ist das nicht, aber auch nicht unseriös.

Nicht ratsam ist der Kauf bei Händlern mit Sitz im Ausland. Hier kommt es vor, dass der Kauf durch Zollgebühren, Steuern und Überweisungskosten viel teurer wird.

Kundenrechte. Informationen zum Widerrufs- oder Rückgaberecht sind Pflicht. Händler, die hier schlampen, sollte man meiden.

Transportversicherung. Manche Händler drehen Käufern Transportversicherungen an. Beim Onlinekauf trägt aber der Händler die Transportrisiken. Eine Versicherung ist für Kunden teuer und sinnlos. Richtig fies ist es, wenn die Versicherung beim Bestellen voreingestellt oder gar Pflicht ist. Vertragsbedingungen, die das vorsehen, sind zwar unwirksam. Doch mit so einem Händler sollte niemand Geschäfte machen.

Datensicherheit. Kontodaten sollten stets durch sichere Leitungen fließen. Ob das so ist, erkennt man daran, dass die Adresse der Eingabeseite mit „https//...“ beginnt.

Gütesiegel. Orientierung bei der Shopauswahl bieten Gütesiegel. Anerkannte Siegel stehen unter www.internet-guetesiegel.de. Die volle Gewähr für Verbraucherfreundlichkeit können sie nicht bieten. Manche Händler lassen sich prüfen, nehmen das Siegel und verschlechtern dann die Kaufbedingungen. Die Siegel sind aber trotzdem nützlich, weil manche siegelvergebende Firmen eigene Geld-zurück-Garantien für den Fall bieten, dass der Kauf bei einem Händler mit ihrem Zeichen schiefgeht.

Bezahlart. Bei den meisten Shops können Kunden per Vorkasse, Nachnahme oder Kreditkarte zahlen. Die Bezahlung auf Rechnung wird nur selten angeboten und meist nur Kunden, die häufig bestellen.

Bei namhaften Händlern sollten sich Kunden von Bezahlvorschriften nicht abschrecken lassen. Ist das Unternehmen völlig unbekannt, zahlen sie am besten per Lastschrift, wenn das möglich ist. Werden sie tatsächlich Opfer eines Betrugs, können sie die Lastschrift zurückgeben und ihre Bank bucht das Geld zurück aufs Konto.

Das ist wichtig beim Widerrufen

Das 14-tägige Widerrufsrecht für Kunden ist das beste Argument für den Onlinekauf. Ausgeschlossen ist es nur für wenige Waren wie frische Lebensmittel, entsiegelte Datenträger oder Ware, die auf Sonderwunsch gefertigt wird.

Sonderanfertigung. Ein PC, den man sich auf der Händlerseite zusammenstellt, gilt nicht als Sonderanfertigung. Auch er darf zurück zum Händler, wenn er nicht gefällt.

Datenträger. Gleiches dürfte auch gelten, wenn jemand einen Rechner kauft und die mitgelieferten Software-CDs entsiegelt. Hier steht der Rechnerkauf im Mittelpunkt und nicht die mitgelieferten Datenträger.

Privatkauf. Das Widerrufsrecht gilt nur für private Käufe. Wer sich Ware ins Büro schicken lässt, sollte dem Händler mitteilen, dass es ein Privatkauf ist. Zwar hat der Bundesgerichtshof klargestellt, dass die Bestellung vom Büro und ins Büro eines Freiberuflers „im Zweifel“ privat ist (Az. VIII ZR 7/09). Doch ein Hinweis schützt vor Streit.

Form und Frist. Für den Widerruf genügt ein Schreiben oder eine E-Mail. Der Kunde sollte aber einen Beweis haben. Deshalb ist ein Widerruf wenigstens per Fax mit Sendeprotokoll oder per Einschreiben ratsam. Es reicht sogar, die Ware in der Frist kommentarlos zurückzuschicken. Dann sind die Versandbelege wichtig.

Für den Widerruf haben Kunden 14 Tage Zeit. Die Frist läuft, sobald die Ware da ist und der Händler per Mail oder Brief über das Widerrufsrecht belehrt. Fehlt die Belehrung, kann der Kauf noch lange später widerrufen werden. Läuft die Frist und ist ihr letzter Tag ein Samstag, Sonntag oder Feiertag, gilt sie bis zum nächsten Werktag.

Rückgaberecht. Bietet der Onlinehändler statt des Widerrufs- ein Rückgaberecht, ist das kein Problem. Das ist im Grunde das gleiche und völlig in Ordnung.

Das ist wichtig bei der Rücksendung

Nach dem Widerruf muss die Ware zurück zum Händler. Aber wann und wie?

Frist. Eine Frist für die Rücksendung gibt es nicht, doch zu lange sollte niemand warten. Das Amtsgericht Bielefeld etwa hat einem Kunden das Widerrufsrecht abgesprochen, der die Ware erst ein halbes Jahr nach Widerruf zurückschickte (Az. 15 C 297/08).

Verpackung. Sperrige Ware muss der Händler abholen lassen. Lässt sich die Ware per Paket befördern, muss der Kunde sie zurückschicken. Die Originalverpackung ist dafür sinnvoll, darf vom Händler aber nicht zur Pflicht gemacht werden. Ausnahmen sind selten und gelten nur, wenn die Verpackung unmittelbar zur Ware gehört wie eine Flasche zum Wein.

Rücksendekosten. Wurde statt des Widerrufs- ausdrücklich ein Rückgaberecht vereinbart, muss der Händler die Rücksendekosten stets zahlen. Nutzt der Kunde ein Widerrufsrecht, gibt es Ausnahmen:

  • Verkaufen Händler Ware auf Rechnung, dürfen sie in ihren Bedingungen regeln, dass sie die Rücksendekosten im Widerrufsfall nicht erstatten.
  • Händler können die Erstattung der Rück­sendekosten zudem für Ware ausschließen, die nicht mehr als 40 Euro kostet. Entscheidend ist der Kaufpreis der Ware, die zurückgeht. Es ist egal, wenn ein Kunde noch andere Waren und damit für mehr als 40 Euro bestellt hat. Wichtig auch hier: Der Erstattungsausschluss muss vorher geregelt sein.

Versandart. Muss der Händler die Rücksendekosten tragen, weil er nichts anderes geregelt hat, darf der Kunde die Ware „unfrei“ zurücksenden. Das kostet den Händler aber extra. Fair ist es, sie herkömmlich zu schicken und die Erstattung der Kosten zu fordern. Manche Händler schicken für die Rücksendung Paketmarken.

Hinsendekosten. Wahrscheinlich müssen Händler nach einem Widerruf auch die ­ursprünglichen Versandkosten ersetzen, die sie berechnet haben. Deutsche Gerichte ­sehen das so. Die Frage liegt derzeit aber noch beim Europäischen Gerichtshof.

Das ist wichtig bei der Erstattung

Der Kauf ist widerrufen, die Ware zurück­geschickt, jetzt will der Kunde sein Geld wiederhaben.

Frist. Mit der Erstattung darf der Händler nicht trödeln. Spätestens 30 Tage nach der Widerrufs- oder der Rückgabeerklärung ist er im Verzug. Kunden können dann Verzugszinsen fordern. Die Frist gilt nach Ansicht von Juristen aber nur, wenn der Händler die Ware bereits zurückbekommen hat.

Abnutzung. Auch wenn die Ware schon gebraucht wurde, dürfen Händler die Rücknahme nicht pauschal ausschließen. Sie dürfen auch nichts verlangen, wenn Kunden die Ware geprüft und so behandelt ­haben, wie sie das im Laden getan hätten.

Eine kleine Probefahrt mit dem neuen Rad dürfte okay sein. Wer es aber durch den Matsch gequält hat, wird Ärger bekommen. Der Händler darf nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofes zwar nicht grundsätzlich Ersatz für Verschlechterungen oder ein Nutzungsentgelt fordern (Az. C-489/07). Doch die Lage ändert sich, wenn Kunden die Ware „entgegen Treu und Glauben“ nutzen.

Bis geklärt ist, was das im Detail bedeutet, sollten die Käufer die Ware also sehr vorsichtig behandeln, wenn sie den Kauf vielleicht noch widerrufen wollen.

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