Wie wird das Wetter heute? Zumindest am gleichen Tag helfen Wetter­dienste bei der Wahl der richtigen Schuhe.

Sie versprechen Wetter­vorhersagen von bis zu 16 Tagen – einige schaffen aber nicht einmal eine verläss­liche Prognose für den aktuellen Tag.

Wenn der Feld­berg ruft, zieht es die Menschen hinaus. Der höchste Gipfel im Schwarz­wald lockt Besucher zum Wandern, Mountain­biken oder einfach nur, um die schöne Aussicht bis in die Schwäbische Alb zu genießen. Voraus­gesetzt, das Wetter stimmt.

Lacht am Wochen­ende die Sonne oder fällt die Tour wegen Regens ins Wasser? Ein Blick auf eine der zahlreichen Wetter­seiten im Internet verrät es. Doch wie genau sind die Prognosen? Ist auf die Vorher­sage von Temperatur und Nieder­schlag der Online-Wetter­dienste Verlass? Das haben wir bei zehn kostenlosen Angeboten geprüft. Darüber hinaus interes­sierte uns: Sind die Webseiten für den Nutzer einfach zu bedienen? Kann er schnell heraus­finden, ob er Sonnen­creme oder doch lieber den Regenschirm in den Ruck­sack packen sollte?

Die beste Vorher­sage macht Testsieger Wetter.com. Die Seite punktet zudem mit ihren regionalen Wetterbe­richten, die auch als Video abruf­bar sind. Allerdings trübt die umfang­reiche Werbung das Surf­vergnügen deutlich. Dazu später mehr.

Schwierige Prognosen

Feld­berg. Wie wird das Wetter an dem beliebten Ausflugsziel? Für Hoch­lagen sind Vorher­sagen schwierig.

Am Feld­berg und an vier weiteren Orten in ganz Deutsch­land haben wir über einen Zeitraum von 90 Tagen die Wetter­vorhersage der Dienste mit den tatsäch­lichen Verhält­nissen verglichen. Der fast 1 500 Meter hohe Feld­berg stellt eine große Heraus­forderung dar. In Hoch­lagen herr­schen besondere Wetterbedingungen, zum Beispiel starke Winde oder häufiger auftretende Schauer. Das macht die Vorher­sage schwieriger als im Flach­land. Kein Wunder, dass in der Hoch­lage an manchen Tagen alle Wetter­dienste ihre Probleme mit einer genauen Temperatur­prognose hatten.

Schwierig sind auch Vorher­sagen, die über den aktuellen Tag hinaus­gehen. Kein Anbieter sagt die Temperatur für die nächsten fünf Tage gut voraus. Um drei Grad liegen die meisten am fünften Tag im Schnitt daneben. Noch schwieriger lässt sich bestimmen, ob Nieder­schlag droht. Nur drei sagen für den aktuellen Tag gut voraus, ob mit Regen, Hagel oder Schnee zu rechnen ist: Wetter.com, Wetterkontor.de und Donnerwetter.de. Für die folgenden Tage gelingt das keinem der zehn Dienste.

Je länger der Vorher­sagezeitraum, desto schwieriger und ungenauer wird es, die Wetter­entwick­lung einzuschätzen. Voraus­zusagen, wie warm es in 14 Tagen sein wird, ist daher nur sehr begrenzt sinn­voll (siehe Grafik). Bei diesen lang­fristigen Prognosen wich die vorhergesagte Maximal­temperatur im Schnitt um stolze 5 Grad von der tatsäch­lichen ab. Prognostiziert der Anbieter also 15 Grad, könnte sie in Wahr­heit bei 10, aber auch bei 20 Grad liegen. Für die Planung der Wandertour oder der Grill­party nützt diese Info wenig.

Tausende unterschiedlicher Daten

Für ihre Vorher­sage stehen den Online­diensten tausende unterschiedlicher Daten zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel aktuelle Mess­ergeb­nisse der nationalen Dienste wie dem Deutschen Wetter­dienst, selbst gemessene Temperaturen oder Nieder­schlags­mengen, Radardaten, Wolkenfilme, Blitz­messungen, Vorher­sagen aus Rechenmodellen. Diese Modelle legen ein dreidimensionales Gitter auf die gesamte Erdoberfläche und berechnen unter anderem die Temperatur für jeden Gitternetz­punkt. Dieses Netz ist allerdings nur sehr grob gespannt.

Eigene, streng geheime Rezepte

Um das Wetter orts­genau vorherzusagen, passen die Dienste die Ergeb­nisse der Rechenmodelle an die lokalen Bedingungen an. Sie vergleichen die Prognose zum Beispiel mit ähnlichen Wetterlagen aus der Vergangenheit oder berück­sichtigen besondere Lagen wie Gebirge oder Küsten.

Jeder Anbieter hat dafür sein eigenes, streng geheimes Rezept. Deshalb kommen sie zu teils sehr unterschiedlichen Ergeb­nissen. Während die meisten zum Beispiel Anpassungen für die extremen Bedingungen auf dem Feld­berg vornehmen, scheint Donnerwetter.de darauf zu verzichten. Die angegebenen Temperaturen gleichen denen vom 600 Meter tiefer gelegenen Schluchsee. Doch auf dem Gipfel herrscht meist anderes Wetter als im Tal.

Wetterbe­richte nicht bei jedem

Satellitenfilm, Sonnen­stunden, Regenradar, Wind­stärke, Bodenfrost, Pollen­flug: Die Wetter­seiten informieren über weit mehr als Temperatur und Regen. Die meisten Infos finden Interes­sierte beim Testsieger Wetter.com. Er bietet zudem das umfang­reichste Angebot an Videos.

Anders zum Beispiel bei Wetterspiegel.de: Der Anbieter verzichtet sogar weitest­gehend auf schriftliche Wetterbe­richte. Donnerwetter.de zeigt oft nur Wetter­symbole, erklärt sie aber meist nicht einmal.

Suche nicht immer zielführend

Schlaue Suche. Trotz Tipp­fehler schlägt Wetter.com die richtige Stadt vor. Schlechte Suche. Donnerwetter.de führt bei Tipp­fehlern nicht zum Ziel.

Schlaue Suche. Trotz Tipp­fehler schlägt Wetter.com die richtige Stadt vor. Schlechte Suche. Donnerwetter.de führt bei Tipp­fehlern nicht zum Ziel.

Neben einer verläss­lichen Wetter­vorhersage schätzt der Nutzer, wenn sich die Webseite gut bedienen lässt. Unterschiede zeigen sich zum Beispiel bei der Such­funk­tion. Auf fast allen Seiten können Nutzer über die Post­leitzahl ihren gewünschten Ort suchen, einzig Wetter-Deutschland.com bietet diese Option nicht.

Auch auf Tipp­fehler reagieren sie unterschiedlich. Schreibt der Suchende „Berlni“ statt „Berlin“, spucken nur noch Wetter.com und Wetteronline.de ein Ergebnis aus. Die anderen kommen nicht auf „Berlin“.

Werbung trübt die Sicht

Viel Werbung. Bei Wetter.com stören vor allem die vielen Werbeanzeigen. Nutzer können sie mit einem „Adblocker“ heraus­filtern.

Viel Werbung. Bei Wetter.com stören vor allem die vielen Werbeanzeigen. Nutzer können sie mit einem „Adblocker“ heraus­filtern.

Alle Webseiten bieten ihre Vorher­sagen kostenlos an. Sie finanzieren sich über die geschaltete Werbung. Bei Wetter.com nervt sie den Internetsurfer am meisten. Negativ fällt auf, dass oft keine klare Trennung zwischen Wetter­information und Werbung ersicht­lich ist. Zwischen Erkältungs­wetter und Nieder­schlags­radar taucht dann auch schon mal Reklame für „sexy Dessous“ auf, ohne als Anzeige gekenn­zeichnet zu sein.

Gegen groß­flächige Werbebanner oder plötzlich aufspringende Pop-up-Fenster kann sich der Nutzer wehren. Viele moderne Browser verfügen bereits über einen Pop-up-Blocker. In den meisten Browsern gibt es zusätzlich die Möglich­keit, sogenannte Adblocker zu installieren. Die filtern die gängigsten Werbeformen auto­matisch heraus. Sollte doch mal ein Werbebanner durch­gerutscht sein, kann der Anwender dem Programm beibringen, es künftig auszusperren.

Eine andere Möglich­keit bietet zum Beispiel Wetter.com. Für knapp 6 Euro im Monat werden Nutzer zu „Wetter­profis“. Neben detaillierteren Wetter­informationen bekommen sie dann auch eine werbefreie Internetseite ange­zeigt.

Ob mit oder ohne Werbung: Entscheidend ist, ob die Prognose stimmt. Tage im Voraus schafft das kein Wetter­dienst verläss­lich. Also am besten morgens vor dem Start zur Wandertour im Internet surfen.

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